Danke, Frank-Walter!

15. Dezember 2014

Politikverdrossenheit ist nach wie vor angesagt. Und Politiker-Bashing gehört weiterhin zum guten Ton. Man haut gerne auf unsere Vertreter in Berlin ein und ereifert sich an gebrochenen Versprechen, gescheiterten Plänen und misslungenen Reden. Das ist Teil des Geschäfts und für eine lebendige Demokratie wohl auch unverzichtbar. Die Damen und Herren in Berlin werden es schon aushalten. Und nein, großes Mitleid für die Merkels, Gabriels & Co. wäre ganz sicher überzogen.

Und doch gilt es ab und an Respekt und Lob für die Arbeit des einen oder anderen Protagonisten auf der politischen Bühne auszusprechen. So wie in diesen Tagen für unseren Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der in den letzten Wochen und Monaten immer wieder präsent ist, wenn es darum geht, internationale Konflikte zu schlichten und nach langfristigen Lösungen zu suchen. Ob in Jerusalem, Kiew, Moskau oder Peking, Steinmeier bringt sich ein und versucht mit maßvollen Tönen Eskalationen vorzubeugen.

Natürlich ist genau dies letztlich auch die Aufgabe eines Außenministers und dürfen wir genau dies von Frank-Walter Steinmeier auch erwarten. Vielleicht. Aber das unermüdliche Engagement, das diplomatische Geschick, das kluge Abwägen zwischen den verschiedenen Interessen und Sorgen nötigen Respekt ab: Steinmeier gibt dieser Tage eine herausragende Figur ab und ist damit ein großartiger Vertreter Deutschlands auf dem internationalen Parkett.

Man muss nicht unbedingt auf die Geschichte unseres Landes verweisen, um zu erkennen, dass all dies eben nicht selbstverständlich ist. Aber man sollte froh (und vielleicht auch stolz sein), so einen besonnenen und engagierten Außenminister zu haben. Das muss auch einmal gesagt sein.

Akis Eiserner Vorhang

8. Dezember 2014

„Der eine hat Erfolg, der andere Sympathie“ – BVB-Boss-Watzke verschoss den nächsten Giftpfeil im nicht enden wollenden Zwist zwischen Schwarzgelb und Rotweiß. Wirklich erwähnenswert sind solcherlei Verbalinjurien an sich nicht, hat man sich doch längst an das unwürdige Hin und Her der beiden Rivalen aus Dortmund und München gewöhnt.

Worin der Mehrwert eines solchen hetzerisch-provokativen Zweikampfes liegen mag, erschließt sich denn auch nicht. Allein die Medien dürften sich bei jeder neuen dpa-Meldung über eine weiteren Tritt an das Schienbein des sportlichen Widersachers freuen. Für Schlagzeilen sorgen Watzke, Rummenigge & Co. dieser Tage wahrlich genug.

Ich gebe zu, ich kann mit dem Genöle, Gemecker und Gekränke längst schon nichts mehr anfangen und sehe beide Seiten gleichermaßen in der Verantwortung für ein in sich unwürdiges und nerviges Theater, auf das wir alle wohl gerne verzichten würden. Auch als Bayern-Fan sehe ich den Anteil, den Rummenigge, Hopfner & Co. mit ihren provozierenden Aussagen in Richtung BVB (gerade im Hinblick auf eine mögliche Verpflichtung von Marco Reus) an der Eskalation des schwelenden Konflikts haben.

Und doch bin ich zusehends genervt von der Agitation eines Hans-Joachim Watzke, der mit perfidem Kalkül eine Frontenstellung wie im Kalten Krieg aufzubauen gedenkt. Hier der bescheidene, menschennahe BVB, dort der kalte, erfolgsversessene FC Bayern. Watzke schneidert mit großer Leidenschaft am Eisernen Vorhang, der zwei grundverschiedene Vereine voneinander trennen soll.

Aber sind BVB und Bayern wirklich so grundverschieden? Ist der BVB nicht genauso wie der Kontrahent aus München am sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg interessiert? Und gibt es nicht auch bei den Bayern ehrliche Treue zum eigenen Club oder ist diese doch, wie es das schwarzgelbe Vereinsmantra verheißt, als echte Liebe dem BVB vorenthalten?

Nein, so einfach wie sie sich Watzke die Dinge machen möchte, liegen sie in der Wirklichkeit nicht. Es ist bezeichnend, dass der BVB-Boss ausgerechnet in Tagen des eigenen Misserfolgs dem sportlichen Erfolg die persönliche Sympathie gegenüberstellt. Jetzt, da man sich nicht mehr auf Triumphe und Titel berufen kann, zieht man den Joker der Emotionen. Das ist hinterlistig und bezeichnend. Wahre Größe zeigt sich eben auch im Fußball vor allem im Moment der Niederlage.

Steinhaus für die Erste?

1. Dezember 2014

Bibi in die Bundesliga – die Forderung, Bibiana Steinhaus auch Spiele der ersten Liga leiten zu lassen, hat längst Kultcharakter. Dabei ist der Wunsch nach der ersten Schiedsrichterin in der deutschen Eliteklasse oftmals nicht mehr als chauvinistisches Getue. Eine hübsche Blondine auf dem Fußballplatz, das gefällt dem testerongesteuerten Sportsfreund. Eine echte Auseinandersetzung mit den fachlichen Qualitäten findet dabei im Falle von Bibiana Steinhaus nur selten statt, jedenfalls wenn man auf den durchschnittlichen Fußballfan abstellt.

In der Tat hätte eine Beförderung der niedersächsischen Schiedsrichterin etwas Revolutionäres. Ein weiblicher Unparteiischer in der höchsten Liga, das hat es bislang noch nicht gegeben. Doch es scheint, als sollte eben dieser Wunschtraum (von Feministen und Machos) nicht oder jedenfalls nicht so schnell in Erfüllung gehen. Erst kürzlich meldete Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel Zweifel an Steinhaus‘ Eignung als Spielleiterin von Begegnungen der Bundesliga an.

Dabei steht außer Zweifel, dass das Geschlecht hier – wie auch sonst im Berufsleben – keinen Nachteil darstellen darf, auch wenn die traurige Wirklichkeit oft anders aussehen mag. Umgekehrt darf die Sehnsucht nach der ersten Schiedsrichtern in Liga 1 eben auch keinen Bonus bedeuten. Heißt in sachlich-nüchterner Zusammenfassung: Entscheidend ist auf‘m Platz – auch für die Schiedsrichter/in. Maßgeblich für die Berufung zum Erstligareferee sind bei Steinhaus wie bei allen ihren Kollegen die Leistungen, die man bzw. frau insbesondere in der zweiten Liga abgeliefert hat.

Ob die im Falle von Bibiana Steinhaus genügen, um sie zukünftig mit größeren Aufgaben zu betrauen, mag man kontrovers beurteilen. Die beste und letztlich allein entscheidende Einschätzung obliegt dabei Fandel mit seinem DFB-Schiedsrichterausschuss, der einen genauen Überblick das Leistungsniveau der Referees besitzt. Sie werden entscheiden müssen, ob es für Steinhaus reicht, in Zukunft auch mal Bayern, BVB und Schalke pfeifen zu dürfen.

Für die Sache ist es in jedem Fall kontraproduktiv, die Entscheidungsträger mit gleichsam augenzwinkernden wie provinziellen Sprüchen zu einer Beförderung von Bibiana Steinhaus drängen zu wollen. Sie muss sich dem Konkurrenzkampf stellen – und sie kann dies aus. Oberflächlichen Zuspruch hat auch sie ganz sicher nicht nötig.