Rudi und der Respekt

3. August 2015

Als Beobachter des deutschen Fußballgeschäfts ist man es inzwischen ja gewöhnt: Wenn sich Leverkusens Manager Rudi Völler zu Wort meldet, sind streitbare Thesen nicht fern. Dies für sich genommen wäre nicht zu beanstanden, im Gegenteil, können kontroverse und unkonventionelle Statements einem lebendigen, auf Unterhaltung angelegten Sport doch nur guttun. Doch die Verbalinjurien von Bayers Sportdirektor sind längst keine belebenden Seitenhiebe mehr. Völlers Angriffe wirken oft überzogen und unbedacht, ganz gleich ob sie sich nun gegen vermeintlich unfähige Schiedsrichter oder unverschämte Akteure gegnerischer Mannschaften richten. In der Regel mag man ihm dabei die Emotionalität des Augenblicks zu Gute halten, die manch unreflektierte Äußerung verzeihlich macht. Im Falle des jüngsten Angriffs gegen Marcell Jansen greift diese Entschuldigung nicht.

Dass sich der 29-Jährige dafür entschieden hat, seiner Profi-Karriere ein Ende zu setzen, kann Völler nicht nachvollziehen. Damit mag er nicht alleine stehen. In der Tat ist ein Rücktritt in einem so jungen Alter ungewöhnlich und fragwürdig: Ist dies nicht womöglich ein übereilter Schritt? Wäre nicht eine Auszeit oder ein Wechsel in eine niedere Liga die bessere Alternative gewesen? Tut sich Jansen mit seiner Entscheidung wirklich einen Gefallen? Eben jene Zweifel kann man äußern, auch wenn man Rudi Völler heißt. Doch er beließ es nicht dabei und überschritt eine Grenze: Er wurde persönlich. „Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt“, stellte Völler lakonisch fest und degradierte Jansen damit unausgesprochen zu einem Söldner, dessen Karriere weniger auf der Begeisterung zum Sport als vielmehr auf dem Sinn für Materielles gefußt habe. Dass diese Behauptung jeglicher Logik entbehrt (wenn es Jansen wirklich nur um den schnöden Mammon gegangen wäre, hätte er mit einem weiteren Vertrag noch ordentlich abkassieren können), ist dabei fast nebensächlich angesichts eines anderes Befundes: Rudi Völlers Aussage ist respektlos. Sie ist unsachlich und geht ins Persönliche, da sie ehrenrührige Motive unterstellt. Den Verweis auf die Gesetze des harten und womöglich so unmenschlichen Fußball-Business nützt da nichts: Eine derart respektlose Äußerung ist inakzeptabel und verbietet sich – im Fußball wie auch sonst im Leben.

Umso bemerkenswerter ist es da, wie der Adressat der Kritik (im ZDF-Sportstudio) reagierte: Ohne Polemik, ohne Schaum vor dem Mund, sachlich, ruhig, unaufgeregt – angesichts eines solches Frontalangriffs gegen die eigene Person geradezu bewundernswert. Jansen ließ sich nicht zu einem emotionalen Konter hinreißen, sondern erläuterte besonnen die Motive seines Rückzugs und hinterfragte nüchtern die Wirkung  von Völlers Vorwurf. Eine Replik, die Respekt verdient. Respekt, den Leverkusens Sportdirektor allzu oft vermissen lässt.

#GegenHassFuerRespekt

27. Juli 2015

Es ist wieder einmal so weit. Geschichte wiederholt sich und offenbart die widerwärtige Fratze von Hass und Gewalt. Was wir dieser Tage in Deutschland erleben müssen, kommt uns schrecklich bekannt vor: Flüchtlingswohnheime gehen in Flammen auf, ausländerfeindliche Parolen werden ohne Scham durch die Gegend und in Mikrofone krakeelt, Rassismus und Fremdenhass feiern fröhliche Urstände. Alles irgendwie schon einmal da gewesen, alles genauso unerträglich wie unentschuldbar. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, gesellt sich zur Feindseligkeit auf den Straßen ein Ausländerhass 2.0: In den sozialen Medien, allen voran Facebook, wird grenzen- und skrupellos gehetzt, diskriminiert und verleumdet - mit Klarnamen und ohne einen Funken Respekt vor menschlicher Würde. Aufforderungen zu Gewalttaten sind da keine Seltenheit mehr – im Kampf gegen ausländische Flüchtlinge fallen schnell alle Hemmungen und münden in Aussagen, die ungläubiges Kopfschütteln auslösen und sprachlos machen.

Doch ich habe keine Lust, diesem ekelhaften Treiben wortlos zuzuschauen und mich damit zu begnügen, mir meine eigenen Gedanken darüber zu machen. Ich kann nicht viel tun, aber ich kann meine Stimme erheben, mich distanzieren vom Mob des Hasses und der Gewalt. Ich kann es nicht hinnehmen, dass Flüchtlinge, also Menschen, die ihre Heimat unter Inkaufnahme großer persönlicher Gefahren verlassen, um ein menschenwürdigeres Dasein zu führen, hierzulande auf menschenunwürdige Weise behandelt werden. Ich verurteile jede Form von Diskriminierung, ich wende mich gegen Hetze und Gewalt, ich teile die dumpfen Vorbehalte nicht.  Ich bin

#GegenHassFuerRespekt

Vielleicht mag mir ja der eine oder andere in diesem Statement folgen.

Ein paar Wünsche

20. Juli 2015

Die Sommerpause hat wieder voll zugeschlagen. Als Fußball-Fan befindet man sich im obligatorischen Loch und sehnt ihn herbei, den Wiederbeginn der Bundesliga. Knapp vier Wochen dauert es noch, ehe es wieder losgeht. Und auch ich bin schon wieder in Vorfreude und hätte da ein paar Wünsche:
- endlich richtige Topspiele am Samstagabend, bitte kein Köln – Hannover oder Frankfurt – Hamburg
- bitte keinen HSV, der sich ein drittes Mal durch die Relegation mogelt (entweder souverän drin bleiben oder mit Pauken und Trompeten untergehen)
- einen Meister aus München (ich kann nicht anders), der möglichst nicht schon wieder Wochen vor Saisonschluss als solcher feststeht oder – falls doch – die letzten Spiele dann mit mehr Ernsthaftigkeit angeht
- den einen oder anderen Trainerwechsel weniger, der als Ausdruck der Verzweiflung ein Zeugnis der Unfähigkeit abgibt (mit besten Grüßen nach Hamburg und Gelsenkirchen)
- keine Diskussionen über Hand oder Nicht-Hand, unnatürliche Bewegungen und Vergrößerung der Körperfläche
- etwas weniger oberflächliches Schiri-Gebashe, dessen sachlicher Gehalt gen Null geht
- eine spannende, mitreißende, torreiche Saison.