Frag den Raab

21. April 2014

Am Ende tat es mir fast ein bisschen leid. Als Markus Lanz zum Ende der Sendung in Offenburg das baldige Aus von Wetten dass..? verkündete, kam auch bei mir etwas Wehmut auf. Die Institution des deutschen Fernsehens, das ewige Schlachtschiff der Samstagabendunterhaltung wird bald untergehen. Überraschend kam die Nachricht nicht, überfällig war sie ohnehin. Wetten dass…? ist nicht mehr das, was es einmal war. Die einst originelle, abwechslungsreiche und kurzweilige Show ist zu einem öden Geplänkel verkommen, auf das wir alle verzichten können, ohne auch nur irgendetwas zu vermissen.

Warum gerade jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht ist, mag man fragen und im gleichen Atemzug auf Markus Lanz verweisen, der mit dem großen Samstagabend-Format augenscheinlich überfordert ist. Elstners geniale Show-Idee als nicht mehr zeitgemäß zu bewerten, wäre der andere Ansatz. Dabei scheint das Konzept „Wetten, Spielen, Talken“ so zeitlos, dass es eigentlich jederzeit und überall funktionieren müsste. Und doch wirkten die Wettdarbietungen zuletzt nur noch wie Neuinterpretationen althergebrachter Ideen. Schiffe, die durch Häfen navigieren. Autos, die an Schläuchen gezogen werden. Musiktitel, die via Lichtzeichen interpretiert werden. Alles irgendwie irgendwann schon einmal da gewesen.

Es ist daher nur konsequent, dem traurigen Treiben ein Ende zu bereiten. Die Zeit ist abgelaufen. Es bedarf neuer Ideen. Neuer Konzepte. Doch woher  nehmen? Kreativität ist im deutschen Fernsehen rar gesät, Innovationen eine Seltenheit, Mut ein Fremdwort. Was also tun auf der Suche nach einem Wetten dass..?-Nachfolger, der geistreich unterhält und gleichzeitig eine annehmbare Quote generiert? Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur eine erfolgversprechende Antwort: Stefan Raab. Der Pro7-Allrounder hat in der Vergangenheit ein ums andere Mal bewiesen, dass seine unorthodoxen Ideen genauso erfolgreich wie genial sind. Vielleicht hat er also einen kleinen unverbindlichen Tipp für den Lerchenberg-Sender parat. Etwas Neues, Erfrischendes, Außergewöhnliches. Bleibt zu hoffen, dass Bellut & Co. den Mut beweisen, den es jetzt braucht.

Muss doch nicht

14. April 2014

Die Vereine haben sich entschieden. Torlinientechnologie wird’s im deutschen Fußball erstmal nicht geben. Weil es viel zu teuer ist und ja doch nichts bringt. Und ich finde das absolut richtig. Mal ehrlich, Tore werden im Fußball eh chronisch überbewertet. Es geht um Ballbesitz, schöne Kombinationen, Choreo und Pyro, Field-Interviews und Doppelpass. Aber Tore? Braucht kein Mensch. Weshalb also viel Geld investieren, nur um die höchst überflüssige Frage zu klären: Drin oder nicht? Ja mei, haben wir nichts Besseres zu tun. Es ist so schönes Wetter draußen und wir zerbrechen uns den Kopf, ob die Kugel nun vor, auf oder eben schon hinter der Torlinie war. Tor ist, wenn das Netz zappelt. Muss reichen.

Und ja, die Bundesliga muss sparen. Da kann man sich so viel Asche für so einen fragwürdigen Daniel-Düsentrieb-Hokuspokus nicht leisten. Im deutschen Profifußball ist man eben notorisch klamm. Da muss man schauen, wofür man die knappen Mittel ausgibt und übt eben gerne Verzicht. Deshalb wird es auch keine spektakulären Millionentransfers mehr geben. Sind doch eh meist Fehleinkäufe. Kosten viel, bringen nix. Und auf diese nervigen Auswärtsspiele kann man im Grunde genommen doch auch verzichten. Im Zweifel verlierst du eh – und deshalb so viele Kröten für Flug und Hotelunterkunft auf den Kopf hauen? Muss doch nicht. Und das mit den Trainerwechseln kann man sich ja auch mal schön schenken. Nach drei, vier Spielen ist der Effekt verpufft und der Neue ist schon bald wieder der Alte. Abfindung inklusive. Also: Weglassen!

Ich finde diese neue Sparwelle im Fußball großartig. Einfach mal auf alles verzichten, was im Grunde doch eh vollkommen verzichtbar ist. Torlinientechnologie? Was für ein alberner Schnickschnack! Viel Geld raushauen, nur um das mit diesen na, sag schon… Toren zu klären. Also bitte! In dem Sinne: Vielen Dank an die deutschen Profi-Vereine für so viel Weitsicht…

Kloppo gegen Sammer, Rummenigge gegen Klopp, Watzke gegen Bayern, Sammer gegen alle. Wir haben uns allmählich an die regelmäßigen Verbalscharmützel zwischen Dortmund und Bayern gewöhnt. Und wahrscheinlich muss man das mehr oder minder gekonnt inszenierte Theater wohl unter der Rubrik ‚Folklore‘ einordnen. Frei nach dem Motto: Wenn es sportlich schon nicht mehr spannend ist, so bringen wir zumindest mit dem einen oder anderen persönlichen Infight wieder etwas Feuer in die Geschichte.

Ich gebe zu, ich habe die gegenseitigen Attacken zwischen BVB und FCB lange Zeit mit einem gewissen Amüsement zur Kenntnis genommen, ohne mich über die zuweilen derben Frontalangriffe aufregen zu können. Immerhin weiß ich seit dem legendären Sportstudio-Duell zwischen Hoeneß und Daum, dass solcherlei Konfrontationen eben doch vor allem zur Unterhaltung beitragen und angesichts der wirklich drängenden Probleme unserer Welt nicht allzu ernst genommen werden dürfen.

So geht es mir im Grunde noch immer. Und als Bayern-Fan verstehe ich der Versuchung, in Borussia Dortmund die moderne Verkörperung des abstoßenden Bad Guy zu sehen. Hier meine guten Bayern, dort die bösen Borussen – das ist auch mir zu billig. Nein, ein Urteil will ich in diesem Zweikampf nicht vornehmen. Weil es mir albern erschiene, eine ohnehin viel zu hochgepushte Kontroverse durch eine scheinbar abgewogene  Punktewertung noch weiter aufzubauschen. Und weil es einen im Grunde genommen nur noch anödet.

Ob sich sie Agitatoren wirklich nicht abkönnen oder ob sie nur so tun als ob, vermag ich dabei nicht zu beurteilen. Es ist mir inzwischen auch vollkommen egal. Die spannungsbefreite Bundesliga kann das ewige Hin und Her jedenfalls nicht mehr bereichern. Wirklicher Gewinner ist nur die Sportjournaille, die das Theater genüsslich ausschlachten und für allerlei reißerische Schlagzeilen benutzen kann. Als Fan dagegen kann man nicht einmal mehr müde lächeln und flüchtet sich vor lauter Verzweiflung in Beckenbauer-Zitate: Es ist so schönes Wetter draußen und Ihr macht‘s so nen Schmarrn. In diesem Sinne: Schluss mit dem Schauspiel – es nervt!