Der jüngst angekündigte Stellenabbau bei Lufthansa stellte eine große Herausforderung dar. Weniger für die betroffenen Arbeitnehmer als vielmehr für die unzähligen Journalisten, die sich dieses Themas annehmen mussten. Denn wieder einmal galt es, die größte deutsche Fluggesellschaft mit der gebotenen sprachlichen Abwechslung in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu rücken. Was zwangsläufig dazu führt, den Begriff „Lufthansa” möglichst selten zu verwenden und durch die bekannten Alternativen zu ersetzen. Und so kam auch diesmal kein Bericht über die Lufthansa ohne die obligatorische „Kranich-Linie” aus.

Man kann inzwischen die Uhr danach stellen. Spätestens nach 30 Sekunden wird man in jedem Lufthansa-Bericht auf Kranich-Linie gebracht. Genauso sicher, wie ein Report von der Säbener Straße nicht ohne Verweis auf den „Rekordmeister” auskommt. Bloß nicht zweimal den FC Bayern als FC Bayern bezeichnen.

Das Kranich-Linie-Phänomen steht sinnbildlich für eine Seuche des deutschen Journalismus. Die wild wuchernde Synonymitis scheint dabei vor keinem Medium Halt zu machen. Ob Fernsehen, Radio oder Print-Medien - alle versuchen sie mit mehr oder minder großem Einfallsreichtum der begrifflichen Wiederholung aus dem Weg zu gehen. Ein und Dasselbe darf eben - rein wörtlich gesehen - nicht Dasselbe bleiben.

Der dahinter stehende Gedanke mag absolut löblich sein. Schon in der Grundschule lernt man schließlich, dass sprachlicher Ausdruck nicht zuletzt eine Frage von Variation und Kreativität ist. Doch wie bei allen guten Gedanken liegt auch hier die größte Gefahr in seiner übereifrigen Umsetzung. So wirkt die notorische Suche nach dem Synonym des Synonyms zumeist doch sehr gewollt. Sie entlarvt den Reporter als verkrampften Pedanten, dem für eine entspannte Wiederholung schlicht der Mut fehlt.

Übrigens, Bastian Sick hat in seinem Sprachratgeber „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” vollkommen zu Recht darauf hingewiesen, dass der Rückgriff auf die verpönten Personalpronomina die mühselige Synonym-Suche hier und da überflüssig machen kann. Was auch der Lufthansa nicht schaden dürfte. Sie dürfte jedenfalls nichts dagegen haben.

Blogspot360 (IV)

9. Mai 2012

Die 4. Ausgabe von “Blogspot360” ist online!

Mit Torsten Wieland (Königsblog), Axel Goldmann (Der 4. Offizielle) und Florian Neumann (Neds Blog) als Gästen. Als Moderator wieder meine Wenigkeit im Einsatz.

25 Jahre, das heißt Silberhochzeit. Seit genau einem Vierteljahrhundert pflege ich nun schon die Beziehung zu meiner großen Liebe. 25 Jahre voller Emotionen, Krisen, Ekstasen und Leidenschaft. Irgendwann im Frühjahr 1987 habe ich mich unsterblich verliebt. Warum und wie, das weiß ich nicht mehr. Denn wie das so ist mit der Liebe zum eigenen Verein, ihre Ursprünge bleiben zumeist auf seltsame Weise nebulös. Dieses Vierteljahrhundert FC Bayern hat mich viel Kraft kostet (wenngleich natürlich längst nicht so viel Energie, wie Effzeh-Fans die Leidenschaft zu ihrem Club raubt), viel Freude und eine Unmenge großer und unvergesslicher Momente beschert.

Ja, auch wenn es Nicht-Bayern-Fans nicht glauben mögen: Auch das Bayern-Fan-Dasein kann mit Leiden verbunden sein. Die wohl quälendsten (knapp) drei Stunden meiner inzwischen 25jährigen Anhängerschaft erlebte ich gleichwohl erst vor wenigen Tagen. Das Champions-League-Rückspiel in Madrid bedeutete für mich die reinste Tortur - die wohl schönste Tortur, die man sich so vorstellen kann. Zittern, hoffen, beten, bangen. Selten war ein Bayern-Spiel für mich mit einer derart großen Anspannung verbunden. Selten hat mich das Zuschauen so gequält wie an diesem 25. April.

Warum? Ganz einfach, weil ein Ausscheiden im Halbfinale einen der wohl bittersten Momente meines Bayern-Vierteljahrhunderts dargestellt hätte, wäre er doch gleichbedeutend mit dem Verpassen einer historischen Chance gewesen. Die Gelegenheit zu einem „Finale dahoam” wird sich so schnell nicht mehr bieten, vielleicht gar nie. Wie lange also hätte ich nach einem Halbfinal-Aus gehadert. Wäre verzweifelt und hätte das nächsten Jahr nur noch in Konjunktiven gedacht. Was wäre wenn… Doch dank Neuer, Alaba & Co. sowie einer ordentlichen Portion Glück findet die Zukunft im Indikativ statt: Der FC Bayern steht im Finale.

Das ist sie also nun, die historische Chance. Vor heimischer Kulisse den Thron Europas zu besteigen. Eine einmalige Gelegenheit. Und schon jetzt weiß ich, der 19. Mai 2012 kann zu dem größten und emotionalsten Moment der Bayern-Vereinsgeschichte werden. Und damit auch für mich. Welch wunderbares Silberhochzeitsgeschenk wäre das.