Fehlentscheidungen sind Mist

14. September 2015

Auch ich wollte es mir irgendwie schönreden: „Fragwürdige Entscheidung, ja, aber irgendwie doch vertretbar. Feulner blockt ihn ja. Costa wäre sonst an ihm vorbei. Und Kontakt ist ja da. Also schon doch nachvollziehbar.“ Doch letztlich konnte ich auch nicht anders, als mein inneres Herumgedruckse aufzugeben und klar festzustellen, dass es eine eindeutige Fehlentscheidung war, die meinem FC Bayern den Sieg gegen die Augsburger ermöglicht hatte.

Im ersten Schritt neigt man aber dazu, dem Unübersehbaren nicht ins Gesicht zu blicken und sich sein fußballerisches Weltbild zurechtzurücken. Denn niemand gewinnt gerne durch eine Fehlentscheidung. Weil die Erkenntnis, dass der Sieg nicht nur glücklich, sondern auch unverdient war, die Freude über den positiven Ausgang entscheidend trübt. Da kann man noch so lange herumargumentieren, dass man ja die überlegene und bessere Mannschaft gewesen sei, die doch die klareren Torchancen gehabt habe. Wenn man am Ende nur durch einen Patzer des Unparteiischen die drei Punkte holt, dann ist das schlicht ein entscheidender Makel. Insofern erstaunt es auch nicht, dass sich manch Fan und auch ein Thomas Müller im unmittelbaren Anschluss an das Spiel davor scheuen, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Man will sich eben mit aller Kraft noch einen Rest des guten Gefühls eines verdienten Sieges bewahren.

Aber das kann einem Bayern-Fan nach dem vierten Spieltag nicht gelingen. Dieser Sieg hat einen fetten Makel: Der Elfmeter, der ihn ermöglicht hat, war schlicht und einfach absurd. Dies kann ich trotz des auch mir eigenen Good-Feel-Bewahrungstriebs nicht leugnen und muss ich so deutlich feststellen. Bleibt also die Erkenntnis: Fehlentscheidungen sind Mist. Nicht nur für die Mannschaften, die unter ihnen leiden und so wie der FC Augsburg durch sie einen Punkt verlieren. Auch für den Profiteur sind sie letztlich nichts Erfreuliches. Denn echte Freude kann nach so einem Sieg nicht aufkommen.

Man muss den Frauen-Fußball nicht mögen. Man muss sich die Weltmeisterschaft in Kanada nicht angeschaut haben. Man muss aus Political Correctness nicht vor Kritik zurückschrecken. Aber eines kann man nicht bestreiten: Lehrreich war die WM definitiv – für mich jedenfalls, ist mir doch dabei eine sprachliche Kuriosität aufgefallen. Bei (nahezu) allen Nationalitäten kann man sprachlich zwischen Weiblein und Männlein unterscheiden – nur nicht bei den Deutschen. So kennen wir Französinnen und Franzosen, Russinnen und Russen oder Australierinnen und Australier. Und in Deutschland? Gibt es nur die Deutschen, als Unisexbegriff sowohl das weibliche und das männliche Geschlecht umfassend. Die Deutsche, der Deutsche – praktisch ohne Unterschied, wird im Plural die Differenzierung sogar gänzlich unmöglich.

Warum also wird hierzulande so wenig differenziert? Ich weiß es nicht, bin angesichts dieses Befundes aber doch ein wenig verblüfft. Sollte der Feminismus ausgerechnet hier versagt haben? Oder ist dies – genau umgekehrt – der Gipfel der Gleichberechtigung. Wie auch immer, in jedem Falle bemerkenswert. Erklärungen? Gerne!