Die Gracht ist verloren, Spanien ist Weltmeister. Felicitationes! Wir gratulieren und blicken zurück auf die zweifellos beste WM aller Zeiten:

Vorbei
Nun also ist Schluss. Optisch dürftig, akustisch wie üblich eine Zumutung, qualitativ insgesamt bescheiden. Die Stimmung ließ zu Wünschen übrig, die meisten Einlagen waren mal wieder lächerlich und die gesamte Inszenierung wirkte erneut eher peinlich. Alles in allem ein eher klägliches Niveau bei viel zu hohem Altersdurchschnitt. Vielleicht also besser, dass Delle und Netzer endlich aufhören.

Ironie
Heilige Käsetulpe, war das ein bezauberndes Endspiel. Kaisereske Traumpässe, maradonnaeske Kunststücke und dazu Bilderbuch-Tore am Fließband… Und jetzt ohne Ironie: Eine ganz üble Treterei. Dagegen war Waterloo ein gemütliches Kaffeekränzchen. Vor allem die ollen Hollen um Honk-Horst und van Lümmel taten sich hier mal wieder vor. Am Ende gab’s so viel Gelb, dass manch einer glaubte, es liefen die Simpsons. Immerhin sah Howard Webb ja nicht nur so aus wie Homer Simpson, sondern pfiff auch genauso. Ja, Howie Webb war der Alleinschuldige an der Niederlange. Weil er O!Je!Ran! eine Ecke verweigert hatte. Ja, richtig, genau daran lag’s. Aber eigentlich wäre ja auch Nordkorea Weltmeister geworden, wenn es im Portugal-Spiel in der 12. Minute nicht diesen unberechtigten Einwurf an der Mittellinie gegeben hätte. Womit bewiesen wäre: Dieses Finale war nur mit Ironie erträglich.

KMH
Themawechsel – man kann es nicht anders sagen: KMH ist schon was Schönes. Nicht nur auf der Autobahn, sondern auch im ZDF. Ja, die die süße KaMüHo, die bei ihren Moderationen Ober- und Unterkiefer so unbeirrbar aufeinander presst, als würde sie wieder für eine ihrer Bauchredner-Einlagen im Lerchenberger Kindergarten proben, hat durchaus ihre Reize. Wenn, ja wenn da nicht der störende Fußball wäre, der ihr als titanverzücktem Kahn-Sidekick gewisse – nennen wir es – feminine Fachkommentare abverlangen würde. So gab sie, als Big Olli van Persies Abseitsstellung beim 2:1 gegen Uruguay zu erklären versuchte, die emmaeske Einordnung, auf die Millionen weiblicher Zuschauer an dieser Stelle sehnsüchtig gewartet hatten. Denn dass van Persie den Torwart irritiert (und damit im aktiven Abseits gestanden) habe, liege ja nicht zuletzt am orangenen Trikot. Sowas verwirre einfach. Das müsse dann einfach Abseits sein. Bei einem grünen Trikot wäre das natürlich etwas anderes gewesen. Und damit hat sie natürlich Recht: Wer orange trägt, der stört, der ist im Wege, der hat da nichts zu suchen. Aus dem Grunde ist die Farbe des ZDF übrigens… genau: Orange!

Paul
Bliebe die Frage, wieso wir im Halbfinale die Biege gemacht haben. Argentinien in die Pampas geschickt, England nach Wembley gebeamt und ausgerechnet gegen Spanien, unsere siestaverliebte Urlaubskolonie, geht uns die Puste aus? Unbegreiflich. Dementsprechend abstrus fielen auch die verschiedenen Erklärungsmodelle aus – von “Wir sind noch nicht so weit” bis “Spanien war einfach besser”. Natürlich alles grober Unfug. Wir halten uns da lieber an die herrschende Meinung: Paul war schuld. Nein, nicht der launische Tuntenfisch mit den unkalkulierbaren Fressvorlieben. Sondern Paul Breitner, der neunmalschlaue Gernegroß mit der Lizenz zum Dauerklugscheißen, der kurzlebigste Nationaltrainer seit Loddar nur noch Bundesliga will! Potato Fritz mit der Mao-Bibel, er allein hat uns das Halbfinal-Aus eingebrockt. Denn wer hat in Spanien gespielt, auf Spanien als Weltmeister getippt und verfügt zudem über die Aura eines andalusischen Krakenzüchters? Und wem das argumentativ zu dünn ist, für den verweisen wir einfach auf Waldis WM-Club. Denn wer so gewissenlos ist, sich regelmäßig dem Promille-Panel anzuschließen, der muss für alles als Sündenbock herhalten. Matze Knop lassen wir demnach auch gelten.

Rückblick
Lassen wir diese WM zum Schluss noch einmal WMotional Revue passieren:

Die Jüngeren von uns erinnern sich gewiss. Zu Beginn stand vor allem das akustische Elend im Mittelpunkt. Das trommelerweichende Dauergetröte veranlasste uns denn auch dazu, den atonalen Vuvuzela-Sound als “Flatulenz der Apokalypse” zu verunglimpfen. Irgendwann jedoch gewöhnte man sich an den sonoren Geräuschteppich, so dass selbst die größte technische Innovation des 21. Jahrhunderts, der Vuvu-Filter, überflüssig wurde. Der wohlgemeinte Vorschlag, das Filter-Prinzip auch anderweitig anzuwenden, wurde jedoch leider nicht aufgegriffen. Weder der angeregte Thurn-und-Taxis-Filter für SKY noch der futuristische Domenech-Filter für Frankreich sind bislang Wirklichkeit geworden.

Neben Vuvu-Lärm plagte uns zunächst auch das schwache Spielniveau, das aber immerhin ein paar ulkig-komische Slapstick-Einlagen hervorbrachte. Man denke nur an die geniale Selbst-Parodie der serbischen Handspielakrobaten oder an Slapstick-Großmeister Martin Demichelis, der bei der üblichen Partie Larifari-Billard verunfallte.
Die vermeintlichen Superstars entpuppten sich indes als Rohrkrepierer. Allen voran Cristiano Ronaldo, der mit seiner Ketchup-Theorie selbst den naheliegenden Flaschen-Vergleich heraufbeschwor. Sein Spiel erwies sich, wie bei ihm nicht anders zu erwarten, als eine Tube Gel: Alles was vorne herauskam, konnte man sich in die Haare schmieren.

Topstar der WM war aber Diego Mara-Bomba, der sogar die deutschen Boulevard-Medien inspirierte. Schland Gottes hat bei dieser WM aber endlich den Frieden mit Wembley gemacht, wenngleich Lampards Lattenschüsschen eben nicht die Torlinie überschritten hatte. Die WMotionen klärten investigativ auf: Alles nur eine optische Täuschung, hervorgerufen durch die mysteriöse Corioliskraft.

Kulturell war dieses Turnier mehr als lehrreich. Nicht nur, dass wir das französische Laissez Faire auch mal in der praktischen Umsetzung gesehen haben, erfuhren wir auch, dass manch althergebrachtes Stereotyp rein gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Zumindest die Nordkoreaner haben beim 0:7 gegen Portugal das Landesmotto “Wir lassen keinen rein” eindrucksvoll widerlegt.

Das schönste Bonmot der WM stammt indes von Poschi Poschmann. Sein süffisantes Fazit “Da entschuldigt er sich, dass er ihn nur leicht getroffen hat” zaubert uns noch immer ein verzücktes Lächeln aufs Antlitz. In dem Sinne: Wenn es am schlimmsten ist, sollte man aufhören! Bye bye, WM(otionen) 2010!

Arne Friedrich beobachtet Warzenschweine, Arjen Robben übt sich in moderner Aktionskunst und Flip Lahm zeigt den Gauchos die Binde. WMotionen Teil 5:

Unvergleichlich
Die deutsche Mannschaft hat ihn also eingefahren, den erwarteten und auch in dieser Höhe nicht überraschenden 4:0-Sieg gegen Argentinien und damit innerhalb einer Woche den ganzen Falkland-Krieg ad absurdum geführt. Abseits solch martialischer Deutungen müssen wir aber ehrlicherweise feststellen: Uns fehlen die Worte. Wir sind so sprachlos wie Berti Vogts in einem aserbaidschanischen Rhetorik-Seminar. Wir sind so platt wie Holland. Ja, wir sind so euphorisiert wie Jürgen Klopp nach einem dreiwöchigen Pfadfinder-Biwak. Und wo wir schon bei so hanebüchenen Quervergleichen sind, lobhudeln wir das grandiose 4:0 gegen die Gauchos gepflegt durch: So zart wie ein argentinisches Rumpsteak, so heißblütig wie ein Tango Argentino, so sauber wie die Luft in Buenos Aires. Doch kein Superlativ wird dem wirklich gerecht, was wir am Samstag erlebt haben. Die Sun titelt “Not even Klose”, “unsere” BILD antwortet mit “Schland Gottes” und die WMotionen ergänzen:
Die-Go Home!
G-AUTSCH!os!
Don’t cry for me, Arne-ntina!
Deutscher Schweini schlägt argentinische Rinder!
Alberne Celeste!
Oder aber: Die Messi ist gelesen.

Binde
Die eigentliche Demütigung der Argentinier bestand jedoch mitnichten im Ergebnis. Der wahre Gipfel der südamerikanischen Schmach trug sich Mitte der zweiten Halbzeit zu, als sich Kapitänchen Flip während einer Abwehraktion mit staatsmännischem Pflichtbewusstsein das Kapitänsuntensil den Oberarm heraufzog, so als wolle er dem Gegner sagen: Ihr könnt noch so blutrünstig daherkommen, die Binde behalte ich. Wohlgemerkt: Philip Lahm. Der Philip Lahm, über den es heißt, er würde im Mannschaftsbus noch immer einen Kindersitz anfordern und sich die Schnürsenkel noch von der eigenen Mami zubinden lassen. Womit bewiesen wäre: Ist der Kapitän auch klein, wir laufen bald im Hafen ein. Argentinien ist derweil längst untergegangen.

One Touch-Art
Hatten wir unlängst noch behauptet, die unrasierte Gaucho-Kugel sei der Star dieser WM, so müssen wir uns jetzt natürlich korrigieren. Der Held dieser Tage ist 58 Jahre alt, spricht gebrochen Deutsch und tritt unter dem Pseudonym “Louis I.” auf. Was sich nach einem Fahndungsaufruf bei aktenzeichen xy anhört, ist lediglich ein unverfängliches Kurzportrait von Louis van Gaal, der diese Weltmeisterschaft trotz eigener Abwesenheit geprägt hat wie kein anderer. Denn er hat nicht nur mit Thomas Müller den Shootingstar des Turniers höchst selbst entbunden, sondern zugleich auch die größte taktische Innovation hervorgebracht. Eine sportlich zwar sinnfreie, künstlerisch aber höchst wertvolle, weil in bezaubernder Anmut und subtiler Grazie bislang nie dagewesene Aktionskunst-Performance, dargeboten von seinem hoffnungsvollsten Schüler und Protegé Arjen Robben: Die One-Touch-Ecke, ein vermeintlich unerwünschtes Nebenprodukt des modernen Fußballs, welches Hollands Flügelflitzer in seinem ersten Jahr bei den Bayern bis zur Perfektion eingeübt und jetzt im Viertelfinalspiel gegen Brasilien erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert hat. Selbst der Gegner zeigte sich von so viel ästhetischem Feingeist beeindruckt und entschied sich, um der Fußballwelt weitere holländische Artefakte nicht vorzuenthalten, das Turnier umgehend zu verlassen.

Awards
Bei den bereits eine Woche vor Turnierende verliehenen Fifa-Awards erreichte Robbens Aktionskunst-Einlage aber bedauerlicherweise nur den dritten Platz. Platz 2 und damit der Blatter in Silber ging dagegen an Uruguays Luis Suarez für seine – im Gegensatz zu Robbens One Touch-Ecke – künstlerisch uninspirierte, sportlich aber höchst effektive Volleyball-Einlage in letzter Sekunde. Begründung der Jury “Luis Suarez hat auf handliche Art und Weise gezeigt, dass man mit Aktionen, die mit Fußball rein gar nichts zu tun haben, im Fußball manchmal doch den größten Erfolg haben kann.” Da Suarez’ Beweis des bislang umstrittenen Handparadoxons aber nur der Ausgangspunkt einer dramatischen und menschlich anrührenden Schlussphase mit tragischem Finale bildete, geht der Preis für die beste Inszenierung an den Mann, der bei sämtlichen Spielen dieser WM im Hintergrund heimlich Regie führt. Der Goldene Blatter geht demnach – völlig zu Recht – an niemand anders als Sepp Blatter himself. Eine Entscheidung ohne jedes Geschmäckle – wie üblich.

Absurd
Natürlich war auch die Elfer-Orgie von Paraguay – Spanien für einen edelmetallenen Blatter nominiert. Drei Elfmeter in drei Minuten, davon einer verwandelt, insgesamt aber kein Tor und den klarsten Strafstoß
auch noch verweigert. Das war letztlich aber doch zu viel der absurden Komik – selbst für die Fifa, für die Absurdität ja so etwas wie eine Corporate Identity ist.

Warzenschweine
Im Vorfeld des Argentinien-Spiels sorgte übrigens folgende Twitter-Meldung für Aufsehen:
DFB_Team Drecksarbeit: Defender Arne Friedrich beobachtet ‘Warthogs’ (Warzenschweine) beim Wühlen im Matsch. http://twitpic.com/20zkdm
Die Aufregung war entsprechend groß. Schließlich hatte Joachim Löw seinen Spielern zwar eineinhalb Tage frei gegeben. Aber dass sie diese Zeit gleich für einen Flug in die Heimat nutzen, um – wie Arne Friedrich bei seinen inzwischen ehemaligen Kollegen von Hertha BSC – einen Blick auf die Trainingsübungen der eigenen Mannschaften zu werfen, das hätte man so dann doch nicht für möglich gehalten.

WMotionen intern
Apropos Arne: Im Fußball gibt es Ereignisse, deren Eintritt so sicher ist, dass man ohne jede Sorge auf ihren Eintritt wetten kann. So kann man bedenkenlos darauf setzen, dass uns Ouzo beim nächsten Sonntagsfrühshoppen mindestens einer seiner gefürchteten Neid & Missgunst-Phrasen in die biergeschwängerte Luft des Münchener Kempinkis säuselt. Oder dass der SKY-Tiger seine Spielanalyse mit einer weiteren seiner legendären Effenbergschen Akkusa-Dativ-Verschränkungen bereichert. Oder dass Loddar in diesem Jahrhundert trotz zahlloser Bewerbungskolumnen nicht als Bundesliga-Trainer tätig sein wird. Alles stochastisch gesehen so sicher wie die deutsche Innenverteidigung und damit bedenkenlos wettbar. Wenn einem eine entsprechend sichere Wette dazu noch von einem Club-Fan angeboten wird, der bei der letzten WM Samuel Eto’o von Nicht-Teilnehmer Kamerun als Torschützenkönig getippt hat, dann muss man einfach zugreifen. Denn Fußball ist doch nun wirklich so leicht durchschaubar. Besagter Club-Fan bot übrigens die absurde und geradezu lächerliche Wette an, dass Arne Friedrich ausgerechnet beim Viertelfinalspiel gegen Argentinien sein erstes Länderspieltor erzielen würde. Manche Wetten sind eben so abwegig, dass man einfach dagegen halten muss. In dem Sinne: Viele Grüße an Kamerun-Kai, Tasmania Hackentrick und alle Leser der WMotionen. Bis zum letzten Mal!

Von wegen buntes Fußballfest zum Rumtröten und Mitjubeln. In Wirklichkeit steckt sehr viel mehr hinter dieser WM, nämlich eine Menge Physik, ein bisschen Germanistik und sogar die Mafia:

Physik
4:1! Gegen England! Ein Spiel, das dem deutschen Fußball-Fan so viel Befriedigung verschaffte wie Werner Lorant eine Nacht in einer Tabakplantage oder Schnacksel-Franz eine Weihnachtsfeier im Juli. Als Gipfel der germanischen Genugtuung haben wir die Zeugen Linekers aber diesmal endlich auch mit ihren eigenen Mitteln geschlagen. Erst das urbritische Kick & Rush-Goal mit einem unaufhaltsamen Miro (Too Klose to fall) und dann das langersehnte Wembley revers reloaded. Erste GPS-Messungen haben ergeben, dass Lampards Ball weit hinter der südafrikanisch-botswanischen Grenzen gelandet ist. Doch wir geben fröhlich den Anti-Lübke und stellen ganz undiplomatisch fest: “Wir haben’s genau gesehen: Der Ball war nicht drin!” Die Torlinie war aber auch seltsam schief gezogen. Zudem sollte man nicht vergessen, dass wir uns ja auf der anderen Seite des äquators befinden, wo die Gesetze der Physik eben andere sind als hierzulande. So hat die umgekehrt wirkende Corioliskraft zweifelsohne eine optische Täuschung verursacht, die physikalische Laien glauben ließ, das Spielgerät habe die Torlinie möglicherweise überschritten. Wir als wissenschaftlich geschulte Beobachter wissen dagegen: Alles Illusion. Der Ball war nicht einmal im Fünfmeterraum.

Cosa nostra
Während Lampards Schuss die Wissenschaft also noch auf Jahre beschäftigen dürfte, brauchen wir über Argentiniens Abseitstor nicht lange zu debattieren. Denn Tevez stand bei seinem Treffer so nah an der gegnerischen Torlinie wie kein Franzose während der gesamten Weltmeisterschaft. Das hat das italienische Schirigespann natürlich auch gesehen – allerdings erst nach Betrachtung der Wiederholung auf der Videowall. Und da ist nach den FIFA-Statuten eine Korrektur bekanntlich nicht mehr möglich. Ein Verstoß hätte für Rosetti & Co. die im Weltverband übliche Sanktion nach sich gezogen: Ein Jahr lang Unkraut jäten in Sepp Blatters Schrebergarten. Apropos Mafia: Vielleicht ist der italienische Referee auch nur dem landesüblichen Grundsatz gefolgt: Wenn die Kugel im Ziel landet, darf man dem Schützen die verdiente Belohnung nicht verweigern.

Miro
Unserem unumstrittenen Chefstürmer Klose eilt nun schon seit Jahrzehnten der zweifelhafte Ruf eines Leistungsspektrums zwischen Weltklasse und Kreisliga voraus. Auch intellektuell wurde er diesem Stigma zuletzt wieder absolut gerecht. So nutzte er die PK-Frage nach der Freizeitgestaltung zu einer ungeahnten Comedy-Einlage und witzelte drauf los, dass sich selbst die Kanzlerin vor Amüsement die Mundwinkel in die Horizontale gegrinst hätte. Denn mangels mitgereister Ehefrau müsse er ja anderweitig kuscheln. Mit dem Harry Stenger zum Beispiel. Aber da könne er sich schon Schöneres vorstellen. Hach, wie drollig. Und vor allem wie geistreich. Hätte man bei dem vorangegangenen Statement nicht für möglich gehalten: “Wir haben uns natürlich gefragt, ob die englische Mannschaft besser ist wie die Spieler, wo in England spielen.” Klingt wie eine persönliche Kriegserklärung an jeden Germanisten, ist aber Klose pur. Und der spielt doch allemal besser wie die, wo zu Hause geblieben sind.

Posch!
Für langwierige Debatten sorgt während der WM vor allem die Frage nach dem übelsten ärgernis dieser Tage. Während die einen in den blökenden Alphörnern Südafrikas das unübertreffliche Elend sehen und sich die anderen auf die kartenwütigen Schiedsrichter fokussieren, haben wir einen alten Bekannten als ultimativen WM-GAU ausgemacht. Und zwar einen 59jährigen Ex-Leichtathleten, der mit Fußball rein gar nichts zu tun hat. Genau: Poschi Poschmann (Code-Name Posch Greis), die öffentlich-rechtliche Bindehautentzündung mit der Lizenz zum Wegschauen. Für gewöhnlich brilliert ja Poschi, der auch bei harmlosesten Rückpässen die Stimme so spannungsgeladen oszillieren kann, als würde der eigene Magen-Darm-Trakt zur finalen Gewinnausschüttung ansetzen, mit der beneidenswerten Gabe, Spielernamen nach einem mysteriösen Random-System auszuwählen. Diesmal aber gelang ihm eine geradezu verzückend feine Stilblüte, wie wir sie dem Mainzer Scheinkommentator in dieser unscheinbaren Schlichtheit gar nicht zugetraut hätten. Denn als Brasiliens Lucio Crissi Ronaldo sanft in die Adduktoren grätschte, kommentierte Posch Greis die anschließende Beschwichtigungsgeste des Brasilianers mit einem subtilen “Da entschuldigt er sich, dass er ihn nur leicht getroffen hat!”. Richtig, denn eigentlich wollte er ihm ganz gepflegt die Kniescheibe perforieren. Hat aber leider nicht geklappt. übrigens, Poschi: Sorry, dass wir dich jetzt nur ein kleines bisschen durchgebasht haben. An sich wollten wir dich ja nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen. Naja, dann eben beim nächsten Mal.

Heiligtum
Sollte es noch irgendwelche Zweifel an der Vormachtstellung des Fußballs gegeben haben, so dürften diese spätestens seit Sonntag der Vergangenheit angehören. Denn König Fußball verdrängte ein nationales Heiligtum in die mediale Bedeutungslosigkeit. Statt der an sich an den Sonntagabend festzementierten Lindenstraße sendete die ARD – aus aktuellem Anlass – das Alkoholische Quartett mit Weißbier-Waldi in seiner Paraderolle als sprechendem überdruck-Fass. Die Nation will eben wissen, was ultimative Fußball-Experten wie Box-Birne Uli Wegener oder Travestie-Star Matze Knop zur Schlacht von Blomfontein zu sagen haben. Manch argloser Zuschauer, der lindenstraßenlüstern die ARD einschaltete, dürfte die Programmänderung aber gar nicht bemerkt haben. Na gut, Mutter Beimer wirkte ein wenig aufgedunsen und ihre neue Haartönung war etwas ungewohnt. Auch Erich Schiller war schon mal besser rasiert. Aber dass die Stammtischrunde vom Akropolis in den Biergarten umzieht, soll ja schon mal vorkommen.

Raus
Einer muss noch raus: Die USA sind raus und jetzt ist erstmal Wunden lecken angesagt. Zum Glück aber waren ja Billyboy Clinton und Zungenakrobat Jagger auf der Tribüne. Und wenn sich jemand mit Lecken (passiv und aktiv) auskennt, dann doch wohl die beiden. Und wo’s jetzt eh nicht mehr drauf ankommt: Wieso werden die Brasilianer gegen Holland keine Chance haben? Weil sie nur einen kleinen Robben haben. Oder wie sie sagen: Robinho.

Qual der Wahl
Da ist sie nun, die große unerträgliche Leere des Nichts: Zwei spielfreie WM-Tage, eine erste Andeutung des Grauens, das uns in knapp zwei Wochen erwartet. Doch zum Glück gibt es ja die technisch anspruchsvolle Bundespräsidentenwahl, die uns ein wenig vom fußballfreien Nirvana abzulenken vermag. Wir entscheiden uns übrigens für den Kandidaten mit dem besseren Ballgefühl und dem versierteren Stellungsspiel, der rechts wie links kann. Oder eben Kaiser Franz. In dem Sinne: Schau’ mer mal!