Sportschau reloaded
16. August 2010
An dieser Stelle werden allwöchentlich aktuelle Themen kommentiert, ohne dass dies gleich in populistische Forderungen oder aufwieglerische Unterschriftenaktionen mündet. Es genügt in aller Regel, die eigene Meinung kundzutun – die Konsequenzen kann man getrost dem Leser überlassen.
Manche Themen sind jedoch zu wichtig, als dass man sich mit einer klaren Positionierung begnügen könnte. Manche Themen fordern einen eindeutigen Aufruf geradezu heraus. So zum Beispiel, wenn es um die gesellschaftspolitisch höchstrangige Frage geht, wieso die öffentlich-rechtlichen Sender in diesen Zeiten jeglichen Mist wiederholen, die alten Sportschau-Ausgaben uns aber vorenthalten.
Überall nur Wiederholungen: Traumaschiff, In aller Feindschaft, Soko 0815 – selbst die Tagesschau von vor 20 Jahren geht tagtäglich lauwarm über den Äther. Die wahren Perlen der Fernsehunterhaltung verrotten derweil in den Archiven des WDR. Der KDW ist der Meinung: Das kann und darf so nicht bleiben und fordert: Wiederholt endlich die alten Sportschau-Ausgaben!!!
Wir wollen sie noch einmal sehen, die kultigen Reportagen von Wilfried Luchtenberg, Karlheinz Fest oder Peter Jensen. Wir wollen sie noch einmal hören, die unvergessenen Moderationen von Dieter Adler, Werner Zimmer, Heribert “Gutnabendallerseits” Faßbender, Addy Furler & Co. Noch einmal Bayer Uerdingen gegen Waldhof Mannheim aus dem Jahre 87 oder Fortuna Düsseldorf gegen Borussia Dortmund anno 79.
Also ARD/WDR, tut das, was längst überfällig ist: Zeigt uns noch einmal die alten Sportschau-Ausgaben!
Und Dich, lieber Leser, fordern wir auf, dieser wichtigen Aktion Dein Gefolgschaft nicht zu versagen. Also tritt ihr bei, der Facbook-Gruppe „Wiederholt die alten Sportschau-Sendungen!“.
Danke!
Aufgemerkt!
26. April 2010
TV-Tipps zu erteilen, mag inzwischen ein wenig verpönt sein, noch dazu wenn es sich um eine Talkshow handelt. Andererseits sind die meisten Quasselsendungen dieser Tage so ernüchternd langweilig und banal, dass es schon Erwähnung verdient, wenn man ein erfrischendes Gegenbeispiel ausmacht.
„Aufgemerkt – Pelzig unterhält sich“ ist genau so ein erfrischendes Gegenbeispiel. Frank-Markus Barwasser in seinem Alter Ego als grantelnder Durchschnittsfranke Pelzig zeigt hier, wie unterhaltsam und vergnüglich eine Talkshowsendung sein kann, wenn man den Gästen nur hartnäckig auf den Zahn fühlt. Dabei ist Pelzig kein respektloser Provokateur, sondern ein geradezu liebenswürdiger Jedermann mit spitzer Zunge und großem Herz. Ein scharfsinniger Schelm, der sich einen unverkrampften Blick auf seine Umwelt bewahrt hat und der mit seinen bissigen Kommentaren stets den Nagel auf den Kopf trifft. Seine vermeintlich harmlosen Fragen entlocken den Gästen dabei immer wieder bemerkenswerte Statements, wie man sie von ihnen (aus herkömmlichen) Talksendungen nicht gewohnt ist.
„Aufgemerkt“ ist eine zwar unkonventionelle, aber gerade deshalb umso amüsantere Talkshow mit Kabarett-Elementen, wie es sie heutzutage viel zu selten gibt. Ein bisschen anders, ein bisschen böse – aber in jedem Fall bemerkenswert. Nur leider viel zu selten auf dem Bildschirm - alle paar Wochen spät donnerstagabends in der ARD.
Schweigen oder schreiben?
29. März 2010
Hat er oder hat er nicht? Das Rätsel um Schuld oder Unschuld von Wetterfrosch Jörg Kachelmann ist in diesen Tagen so etwas wie die Gretchenfrage der deutschen Journaille. Hat Kachelmann die ihm zur Last gelegte Vergewaltigung an seiner Freundin tatsächlich begangen oder nicht? Dabei sind die Dinge so klar, wie sie unklar erscheinen: Man weiß es schlicht und einfach nicht und sollte sich daher instinktiver Vorverurteilungen genauso enthalten wie spontaner Sympathiebekundungen.
Gleichwohl fühlen sich Hinz und Kunz gemüßigt, der Öffentlichkeit ihre unsubstantiierten Jas und Neins mitzuteilen. Im Internet-Netzwerk Facebook, in dem sich unter dem partisanischen Aufruf „Free Kachelmann“ eine stetig wachsende Unterstützergruppe zusammenfindet oder vor den Kameras in den Fußgängerzonen dieser Republik. Ein jeder glaubt, seine ganz eigene Schuldprognose trotz vollständiger Tatsachenunkenntnis in den Raum stellen zu dürfen.
Dabei hätte der traurige Fall Kachelmann durchaus zur Sternstunde des Konjunktivs getaugt. Im Boulevard kann man aber auf solch sprachliche Feinheiten bekanntlich keine Rücksicht nehmen. Da zählen reißerische Storys und billige Effekthascherei eben mehr als seriöse Berichterstattung. Soweit das altbekannte Phänomen.
Was bleibt, ist die Frage, ob nicht zumindest die (vermeintlich) vertrauenswürdigen Medien davon hätten absehen sollen, die Verhaftung Jörg Kachelmanns zu thematisieren. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier scheint genau dies zu verlangen, wenn er aus der verheerenden Wirkung der Reportage über einen bloßen Verdacht die Schlussfolgerung ableitet, schon über den Verdacht gar nicht erst zu berichten. Dabei geht es hier weniger um die Berichterstattung an sich, sondern um ihre Folgen und damit um die Frage gesellschaftlicher Verantwortung des Journalismus. Niggemeier verortet diese Frage unter dem Aspekt des Berufsethos von Journalisten.
Ein solch medienkritischer Zwischenruf aus dem Munde des Bildblog-Herausgebers Stefan Niggemeiers ist für sich genommen nicht überraschend, wohl aber doch bemerkenswert in einer Zeit, da Journalisten nur allzu gerne dazu neigen, jedwedes moralische Fragezeichen mit dem lapidaren Verweis auf Pressefreiheit und Reporterpflichten bei Seite schieben zu wollen.
Niggemeier hat natürlich Recht, wenn er eine Art Sozialverantwortung in den journalistischen Pflichtenkatalog einbezieht. Er irrt gleichwohl, wenn er aus diesem Dogma den Rückschluss zieht, die Verhaftung Kachelmanns sei für die Medien ein Tabu. Denn auch das Bewusstsein für gesellschaftliche Folgewirkungen kann Journalisten nicht zu einer kaum durchhaltbaren und damit absurden Selbstzensur veranlassen.
Fest steht: Jörg Kachelmann ist aufgrund seiner regelmäßigen Fernsehpräsenz eine Person des Zeitgeschehens, deren Schicksal die Medien (und nicht nur der Boulevard) nicht ignorieren können, selbst wenn sie es wollten. Das öffentliche Interesse ist schlichtweg zu groß, um über diesen Fall den medialen Mantel des Schweigens legen zu wollen, mag hinter der allgemeinen Aufmerksamkeit auch vor allen Dingen Sensationslust stecken.
Gegen eine Berichterstattung als solche ist daher im Grunde nichts einzuwenden. Eine andere Frage ist die nach der Art und Weise, in der sich die Medien dem möglichen Skandal nähern, wobei die abermals unrühmliche Rolle von BILD & Co. das obligatorische Kopfschütteln verdient. Doch auch eine sachlich-angemessene Auseinandersetzung dürfte nicht verhindern, dass Kachelmann durch den öffentlich gewordenen Verdacht auf lange Zeit gebrandmarkt wäre. Auch im Falle eines Freispruchs würde dem Schweizer Meteorologen das Stigma des möglichen Vergewaltigers anhaften.
Womit dann abermals bewiesen wäre, dass die Unschuldsvermutung zwar zum Glück juristische Wirklichkeit, aber leider keine gesellschaftliche Realität ist. Diesen Missstand in die Schuhe der Journalisten schieben zu wollen, ist, solange diese sachlich korrekt informieren, schlicht abwegig. Denn letztlich geht es doch nur um das Problem einer Gesellschaft, die zu fundierter Meinungsbildung und respektvoller Zurückhaltung oftmals genauso wenig Zeit wie Lust verspürt. Die Medien trifft hieran ausnahmsweise mal keine Schuld.