Winter(olympiaden)schlaf

27. Februar 2006

Die Olympischen Winterspiele in Turin sind noch nicht ganz zu Ende und man kann bereits ein positives Fazit ziehen. Denn positiv war bei diesen Spielen vieles: Die Stimmung, die Leistungen und nicht zuletzt die Dopingtests der Österreicher.

Zufrieden dürfen auch die Deutschen auf die Olympiade zurückblicken, sofern sie nicht für die Gestaltung der Fernsehübertragung zuständig sind. Die zeitweilige Desorientierung der Berichterstatter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens überraschte uns jedoch nicht, sind wir diese ja schon seit längerem gewohnt. Hervorsticht vielmehr das misslungene Experiment einer sport-komödiantischen Late-Night-Show in der ARD. Dabei hatte man sich so viel Mühe gegeben. Man hatte den urigsten und geselligsten Sportmoderator und den gebildetsten und sportbegeistertsten TV-Unterhalter in ein Boot geholt. Allerdings in der naiven Hoffnung, der Doppelmaster würde alleine segeln. Doch Tatsache ist: Das als Luxusliner annoncierte Dreamteam um „Waldi & Harry“ entpuppte sich als lahmes Paddelboot, das alsbald unterging.

So saß dann Waldi gemütlich in Après-Ski-Laune mit seinen Duzfreunden der Pisten, Loipen und Schanzen zusammen und fragte freundschaftlich nach deren Befinden. Doch stets mit einem Auge zu seinem Side-Kick Schmidt linsend in gieriger Erwartung auf die nächste Pointe. Die kam tatsächlich auch dann und wann und weckte den einen oder anderen aus dem festen Winter(olympiaden)schlaf. Doch das war weder Waldi, der seinen Kollegen immer wieder zu mehr Engagement ermahnte, noch Harry selbst genug. Also mischte sich Schmidt mehr ein, stellte pseudo-interessierte Fachfragen, hängte den Medaillengewinnern Schals um und verteilte Geschenke, die möglichst erst am nächsten Tag in den Mülleimer geschmissen werden sollten. Und wenn auch das alles nichts half, gab es ja immer noch den Griff in die Klamotte. Da zog sich Schmidt einen hautengen Bob-Anzug an oder legte sich lasziv auf einen Rodelschlitten. Hach, was haben wir gelacht! Subtiler Humor vom Kleinsten!

Doch wäre das alles nicht schlimm genug, langweilte uns Schmidt regelmäßig noch mit seiner Kolumne „Avanti Harry“. Den Sport-Laien mimend fläzte er sich mit Bierflasche auf dem Sofa und betrachtete die Spiele gelangweilt am Fernseher oder mischte sich unter die Journalisten und spielte das Enfant terrible. Nicht lustig, nicht originell, aber immerhin zeitraubend. So ging dann stets nach gefühlten 120 Minuten eine Stunde „Waldi & Harry“ vorbei.

Die Harmonie zwischen den beiden Frontleuten war übrigens unübersehbar, und zwar so unübersehbar groß wie die zwischen den österreichischen Biathleten und den italienischen Carabinieri. Dies allein nährt unsere Hoffnung, dass wir bei zukünftigen Großereignissen von einer Fortsetzung dieses Experiments verschont bleiben.

Innen-Verteidigung

20. Februar 2006

Härtere Strafen für Kinderschänder, Deutschtests für Zuwanderer, Deutsch-Quote im Fernsehen und Radio, Einsatz der Bundeswehr im Inneren – vier anscheinend vollkommen verschiedene Themen, die doch eines gemeinsam haben. Wie die vier Jahreszeiten treten sie mit unbeirrbarer Regelmäßigkeit in den Fokus der öffentlichen Diskussion, von wo sie sich dann in aller Regel auch wieder rasch verabschieden. Einem Modetrend ähnlich sind sie für Tage, manchmal auch für Wochen, in aller Munde, um dann erst wieder Monate, ja Jahre später gut verdaut erneut das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken und dann auch wieder zu verschwinden. Und dies mit dem immergleichen Fazit: Im Sande verlaufen!

Ausgerechnet das letzte der vier Themen, der Einsatz der Bundeswehr im Inneren, scheint diese fast schon heilige Regel wohl in diesen Tagen brechen zu wollen. Es riecht nach Revolution! Denn ein Einsatz deutscher Soldaten bei der Fußball-Weltmeisterschaft dieses Jahres wird immer wahrscheinlicher. „Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hält trotz des Votums des Bundesverfassungsgerichts gegen den Abschuss entführter Flugzeuge an seiner Absicht fest, Soldaten bei der Weltmeisterschaft einzusetzen.“ In diesem Wortlaut vermeldete es Mitte der Woche der ARD-Videotext und lässt uns angesichts dieses konstruierten Konzessivzusammenhangs irritiert fragen: „Wird Jürgen Klinsmann trotz der Vogelgrippe an seiner Viererkette festhalten?“ Doch dies nur nebenbei.

Wirklich überraschend ist vielmehr, dass der seit jeher diskutierte Bundeswehreinsatz innerhalb der deutschen Grenzen wohl nicht bei einem El-Kaida-Attentat oder bei einer Nazi-Demonstration stattfindet, sondern bei einer von der Fifa initiierten Großveranstaltung, die unter dem Motto steht „Zu Gast bei Freunden“! Man mag dies als Perversion unserer eh schon so verkommenen Welten betrachten, man mag aber genauso an der Notwendigkeit dieses Planes zweifeln, was an dieser Stelle ausdrücklich geschehen soll. Gewiss, angesichts der Defensivprobleme der deutschen Nationalmannschaft mag ein Verteidigungseinsatz der Bundeswehr im Inneren gerade recht kommen (dieser abgedroschene Kalauer sei an dieser Stelle nur der Vollständigkeit erwähnt). Aber was machen wir, wenn es im Sturm nicht läuft? Ob Innenminister Schäuble diesbezüglich bereits Überlegungen unternommen hat, ist indes nicht bekannt.

Fakt ist aber: Die Weltmeisterschaft wird sicher, und zwar mit Sicherheit. Bleibt nur zu hoffen, dass alles auch so fröhlich und freundlich wird, wie es die Ecstasy-Pillen auf dem WM-Logo versprechen – dies ist jedenfalls momentan gar nicht sicher.

ABM beim DFB

13. Februar 2006

Nach seiner Niederlage bei der Besetzung des Sportdirektoren-Posten geht Jürgen Klinsmann auf Konfrontationskurs mit dem DFB. So will er auch für andere Aufgaben unorthodoxe Vorschläge machen und damit die Führungsregie des Verbandes in Verlegenheit bringen.
Einem aktuellen Gerücht zur Folge will sich der Bundestrainer bei der Suche nach einem Pressedirektor für Wetten-dass-Moderator Thomas Gottschalk aussprechen. Auf das Gerücht angesprochen, äußerte Klinsmann bereits Interesse: „Der Thomas ist ein anerkannter Experte in den Medien. Der kennt sich aus. Durch seinen Wohnsitz in den USA hat er genau die Distanz, die man braucht.“

Gottschalk wird aber wohl nicht die einzige ungewöhnliche Idee Klinsmanns bleiben. Während er für das Amt des Ausländerbeauftragten für die Bundesliga das ehemalige Bundestagsmitglied Cem Özdemir favorisiert, soll nach Klinsmann Willen Dieter Bohlen als Kulturexperte im DFB installiert werden. Bei DFB-Boss Zwanziger haben diese Ideen indes nur ungläubiges Kopfschütteln ausgelöst. Die Vertrauenskrise scheint unterdessen derart fortgeschritten, dass das DFB-Präsidium an eine vorzeitige Ablösung von Klinsmann & Co. denkt.

Nachfolger soll jedoch nicht, wie allseits vermutet, direkt Matthias Sammer werden. Der DFB sucht neuerdings auch nach fachfremden Lösungen und denkt über eine Verpflichtung des TV-Enfant-terrible Oliver Pocher nach, der als Nationaltrainer Sansibars bereits erste Erfahrungen im Fußball-Geschäft hat sammeln können. Zwanziger gab auch zu dieser Vermutung ein erstes, zustimmendes Statement ab: „Pocher ist ein interessanter Mann, der neue Akzente zu setzen vermag. Im Gegensatz zu Klinsmann verfügt er über Humor, Fachwissen und einen deutschen Erstwohnsitz!“ Zu dem Gerücht, dass Stefan Raab als neuer Manager verpflichtet werden soll, wollte sich Zwanziger dagegen nicht äußern.

Die Umbesetzungswelle beim DFB scheint jedoch damit noch nicht zu Ende zu sein. Denn aus gut informierten Kreisen ist zu erfahren, dass beim nächsten Bundestag eine Absetzung Zwanzigers beabsichtigt ist. Heißester Kandidat auf seine Nachfolge: Ex-Kanzler Gerhard Schröder.