Vier Jahre ist es her, da wurde den Bond-Freunden in aller Welt mit „Stirb an einem anderen Tag“ ein Film präsentiert, der sie mit einem frustrierten Kopfschütteln zurückließ. In Ermangelung inhaltlicher Kniffe und geistreicher Dialoge ließ man keinen noch so albernen Special-Effect aus, um die eigene Einfallslosigkeit zu kaschieren. Heraus kam ein in weiten Teilen grotesker Comic, der wenig hoffnungsvoll stimmte. Als im Jahre 2005 mit Daniel Craig ein eher unbekannter Schauspieler als neuer James Bond nominiert wurde, der in großen Teilen der Fangemeinde als hypersensibler „James Blond“ verhöhnt wurde, schien für manche das Ende der Ära Bond gekommen zu sein. Allenfalls die Rückbesinnung auf die erste Fleming-Vorlage machte ein wenig Mut, dass der neue Bond ein anspruchsvoller Actionfilm im klassischen Gewand werden könnte.

November 2006, alle Mutmaßungen, Gerüchte, Hoffnungen und Befürchtungen sind Makulatur. Das Ergebnis liegt vor und es ist mehr als sehenswert. Was Martin Campbell mit seiner Crew auf die Leinwand gezaubert hat, ist ein klassischer Bond moderner Prägung – im allerbesten Sinn. Hart, zuweilen brutal, mitreißend, cool, einfach bondlike. Das liegt zunächst am neuen Bond-Darsteller. Daniel Craig hat alle Spötter und Kritiker eines besseren belehrt. Seine Verkörperung des britischen Superagenten in seinen Anfangszeiten ist glaubhaft und vielschichtig. Craig löst Bond von seinem eindimensionalen Charakter und gibt ihm neue Facetten, ohne das Wesentliche in seiner Figur zu vernachlässigen. Der neue Bond ist hart und zynisch, aber auch einfühlsam und verletzbar. Mit Craig ist Bond keine überzogene Comic-Figur mehr – Bond lebt realer denn je. Daniel Craig ist ein anderer James Bond als der, wie wir ihn kannten, aber er ist James Bond.

Begünstigt wird die realere Darstellung durch eine bodenständige und klassische Handlung. Es hat sich ausgezahlt, wieder auf einen Fleming-Roman zurückzugreifen und ihn in ein modernes Gewand zu kleiden. Dabei ist es bewundernswert, wie es den Drehbuchautoren Purvis, Wade und Haggis gelungen ist, die eher dröge Romanvorlage in einen spannungsgeladenen Actionfilm zu transformieren. Denn auch wenn Bond diesmal wieder Abenteuer an den ausgefallensten Plätzen dieser Welt erlebt, so stehen doch die Pokerszenen im Mittelpunkt des 21. Bond-Abenteuers. Für manch eingefleischten Fan mögen die Szenen im Casino Royale von Montenegro etwas zu lang ausgefallen sein, sie sind aber doch als sinnbildliche Rückkehr zu den klassischen Motiven eines der vielen Glanzlichter des Films.

Glanz versprüht auch Eva Green als wunderschöne zwielichtige Agentin Vesper Lynd, die sich wohltuend absetzt von den zuweilen stupiden Bondgirls der vergangenen Jahrzehnte. Auch Bond weiß ihren Charme zu schätzen und verliert sein Herz an sie. Echte Romanzen sind in Bond-Filmen eher die Ausnahme. Doch gilt für Casino Royale wie für den Klassiker „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ aus dem Jahre 1969, dass ein Abweichen von dem Grundschema durchaus eine erfrischende Erwirkung haben kann. Casino Royale ist in vielen Punkten ein Ausnahme-Bondfilm. Denn in der ersten Mission als 00-Agent steht nicht die Rettung der Welt im Mittelpunkt, sondern vielmehr der kraftraubende und zuweilen unmenschliche Kampf gegen Terroristen. Doch gerade dieser etwas bescheidenere Ansatz wirkt sich positiv auf die Glaubwürdigkeit der Handlung aus, die diesmal nicht so vorhersehbar ist wie in manchem der älteren Bondfilme. Stattdessen gibt es auch die eine oder andere überraschende Wendung. Das passt zu einem intelligent gemachten Film, der mit geistreichen Dialogen zu überzeugen weiß und bei dem auch sonst alles richtig gemacht wurde. Das fängt an mit der stylischen Spielkarten-Titelsequenz samt des rockigen Titelsongs und endet bei den perfekt umgesetzten Actionszenen.

Hatte man vor nicht allzu langer Zeit noch das Ende der großen Bondzeiten prophezeit, so wissen wir jetzt, dass Casino Royale der Aufbruch zu einem neuen, besseren Bond ist. Die Rückbesinnung auf den klassischen Superagenten in neuem Format war der goldrichtige Ansatz. Und Daniel Craig war eine eben solche Wahl. Man darf ihn schon jetzt, ohne übertreiben zu wollen, als den perfekten Bond-Darsteller bezeichnen. Sein Debüt ist mehr als gelungen und macht Appetit auf mehr. Bereits jetzt ist klar, Casino Royale hat einen festen Platz in der Reihe der Klassiker der Ära!

Saddam Hussein ist wegen der von ihm als irakischem Staatsführer begangenen Verbrechen vom Sondertribunal zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist vor allem in den USA auf Zustimmung gestoßen. Doch gleichwohl gilt: Wer die Todesstrafe aus Prinzip ablehnt, darf auch für Saddam Hussein keine Ausnahme machen. Denn die Haltung in dieser Frage ist von derart grundsätzlicher ethischer Natur, dass Kompromisse sich verbieten. Die Todesstrafe ist unmenschlich und darf deshalb auch nicht gegen diejenigen angewandt werden, die sich selbst als Unmenschen betätigt haben.

Die Verbrechen des Saddam Hussein sind unbestritten. Er hat ein unbarmherziges Regime des Schreckens geführt, Menschenrechte mit Füßen getreten und Massenmord befohlen. Deshalb gebührt ihm die härteste, mit Menschenrechten zu vereinbarende Strafe. Und dies kann nur eine lebenslange Freiheitsstrafe sein. Emotional mag dies vielleicht nicht zufrieden stellen, verlangt der in uns allen wohnende Rachewunsch doch nach mehr. Doch es ist richtig, die Menschenrechte absolut, das heißt für jedermann gelten zu lassen.

Lehnt man somit die Todesstrafe schon dem Grunde nach ab, so stellt sich die Frage nach Sinn und Zweck nicht mehr. Doch all diejenigen, die das Urteil gegen den Ex-Diktator gutheißen, müssen sich damit auseinandersetzen, welche Wirkungen von der Vollstreckung ausgehen könnten. Denn so sehr sie auch Opfer und Angehörige wie breite Teile der Öffentlichkeit befriedigen mag, so gefährlich kann sie doch sein: Eine weitere Radikalisierung der Anhänger Husseins steht jedenfalls zu befürchten und dies ist schädlich für ein Land, das endlich Ruhe und Frieden braucht.

Malade Bundesliga

13. November 2006

Ein Drittel der Bundesliga-Saison ist vorbei. Man möchte fast sagen: Leider erst ein Drittel. Denn was die die oberste deutsche Fußballliga bislang geboten hat, war äußerst dürftig. Außer Werder Bremen ist es bislang keiner Mannschaft gelungen, durchweg zu überzeugen. Bayern München, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund – keine der favorisierten Mannschaften hat die selbst gesteckten Ansprüche erfüllen können, vom Hamburger SV ganz zu schweigen. Stattdessen mischen so namenvolle Teams wie Energie Cottbus, Arminia Bielefeld oder zeitweilig auch Alemannia Aachen vorne mit. Wirkliche Klasse findet man in der Bundesliga nur selten. Und deshalb überrascht es kaum, dass die deutschen Mannschaften auch international ein eher erbärmliches Bild abgegeben haben. Was ist also der Grund für den Verfall der einstigen Vorzeigeliga, für die inzwischen sogar die britische Times nur noch Mitleid übrig hat.

Nie um eine Antwort verlegen ist Udo Lattek, der für jedes Phänomen eine passende, wenn auch noch so konstruierte Erklärung parat hat. Eine an den Fakten orientierte Analyse kommt jedoch zu dem nüchternen Ergebnis, dass es schlicht und einfach an der Qualität mangelt. Zwar stimmt die Nachwuchsarbeit nach der inzwischen schon sprichwörtlichen Vernachlässigung in den 90er Jahren durchaus hoffnungsfroh. Doch das Problem liegt weniger bei den selbst ausgebildeten Jungtalenten als vielmehr bei den aus dem Ausland verpflichteten Kräften. Diese sind nämlich zumeist nur von mittelprächtiger Qualität. Dies liegt zum einen an den beschränkten finanziellen Mittel deutscher Vereine im Vergleich zur Konkurrenz aus England und Spanien. Allerdings lässt sich dieses Defizit durch eine bedachte und konzentrierte Personalpolitik ausgleichen. Von der war aber in den letzten Jahren bei vielen Topvereinen nicht viel zu merken. Bayern hat sich zweitklassige Kräfte aus Paraguay und dem Iran geholt, der HSV hat zwar Topspieler von internationalem Format verpflichtet, aber durch übermäßig viele Käufe und Verkäufe die Struktur der Mannschaft kaputt gemacht. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Bremer, die nicht zum ersten Mal ein Näschen bewiesen haben, als sie den eher unbekannten Diego eingekauft haben, der inzwischen bester Mittelfeldspieler der Liga ist. An der Personalpolitik der Hansestädter könnten sich andere Vereine ein Beispiel nehmen.

Dem Niveau der Bundesliga passt sich auch die Berichterstattung durch den pay-TV-Sender arena an. Diese ist nämlich nicht nur in weiten Teilen schlecht, sondern – wie im Falle des dummdaherschwafelnden Günter Koch – zuweilen einfach unerträglich. Hinzu kommen lustig glucksende Moderatoren vom Schlage eines Steven Gätjen, deren Fachkompetenz ein ewiges Mysterium bleiben wird. Auch Oliver Welke, Moderator der großen Bundesliga-„Show“, die entgegen ihrer Bezeichnung nichts anderes als eine Spieltagszusammenfassung mit aufgestacheltem Publikum ist, weiß bislang nicht zu überzeugen. Stattdessen wird die Liste seiner Fehler von Spieltag zu Spieltag länger. Arena hat sich auch nicht gescheut, etablierte Field-Reporter wie Uli Köhler oder Christian Sprenger zu Kommentatoren umzufunktionieren – ein Experiment, das schon jetzt als misslungen betracht werden darf.
Die vollmundige Ankündigung des Senders, mit ihrer Berichterstattung etwas „für die Fans“ zu tun, war eine Seifenblase, die längst geplatzt ist.

Die Bundesliga ist malade. Heilung nicht ausgeschlossen, aber vorerst nicht in Sicht. Armes Fußball-Deutschland, das nach der berauschenden WM Besseres verdient hätte.