Filmtipp: Die Verurteilten

25. Dezember 2006

Wer einen Blick auf die Liste der beliebtesten Filme bei der Internet Movie Data Base (IMDB) wirft, wird überrascht sein. Denn dort findet man neben Klassikern wie “Der Pate” oder “Der Herr der Ringe” auf Platz 2 einen Film namens “The Shawshank Redemption” (zu deutsch: “Die Verurteilten”).

Auch ich war seinerzeit so überrascht und beschloss herauszufinden, warum dieser eher unbekannte Filme in der Gunst der Zuschauer so hoch steht. Nach dem ich den Film dann das erste Mal gesehen hatte, wusste ich, was die Faszination dieses Streifens ausmacht.

Dabei ist die Story des Filmes schnell erzählt. Bankier Andy Dufrense wird fälschlicherweise des Mordes an seiner Frau und deren Geliebten verdächtigt und zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Im Gefängnis angekommen, lernt er schnell die Brutalität und Unmenschlichkeit des Knastalltags kennen. Doch die Freundschaft zum Miteinsaßen Redding sowie sein unerschütterlicher Lebensmut helfen ihm, die schweren Zeiten zu überstehen. Dank seiner Schlauheit gelingt es ihm, die Haftbedingungen für sich und die Mithäftlinge zu verbessern - dabei verliert er nie sein großes Ziel aus dem Auge: Die Freiheit.

Was nach einem einfachen Gefängnisdrama klingt, ist in Wirklichkeit ein anrührendes Plädoyer für Menschlichkeit, Freiheit und vor allem Freundschaft. Tim Robbins als Dufresne und Morgan Freeman als Redding spielen so glaubhaft, dass man sich wünscht, ihre Freundschaft sei echt. “Die Verurteilten” ist aber auch bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt und besticht durch eine geradlinige und doch anspruchsvolle Handlung, so dass die 142 Minuten niemals langweilig werden. Der Film hat Aussage und er hat die Kraft, die Zuschauer zu beeindrucken und ihnen etwas mitzugeben - wenn es auch nur die Erkenntnis ist, dass es sich im Leben lohnt, niemals aufzugeben und immer weiter zu kämpfen.

“Die Verurteilten” war übrigens 1995 für 7 Oscars nominiert. Leider hat er keinen erhalten. Leider insbesondere deshalb, weil ihm so der verdiente Ruhm vorenthalten wurde, der diesen brillanten Film noch viel mehr Menschen bekannt gemacht hätte.

Die Empörung war groß, als die Bilder des Stinkefinger zeigenden HSV-Spielers Atouba Mitte der vergangenen Woche die Runde machten. Atouba hatte unmittelbar nach seiner Auswechslung im Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau den eigenen Fans mittels des ausgestreckten Mittelfinger seine Abneigung dokumentiert und so für einen Eklat gesorgt.

Für die BILD-Zeitung war der Vorfall naturgemäß ein gefundendes Fressen. Sie wetzte sogleich die verbalen Messer und startete eine Kampagne, in der sie auch vor fremdenfeindlichen Ressentiments nicht zurückschreckte. Atouba wurde sogleich an den hauseigenen Pranger gestellt, als Söldner bezeichnet, der kein Recht auf eine solche Reaktion hätte.

Was bei all dem unter den Tisch fiel (weil es nicht recherchiert wurde oder weil man es nicht wahrhaben wollte), war, dass Atouba zuvor nicht nur von den eigenen Fans ausgepfiffen, sondern mit rassistischen Rufen beleidigt wurde. Die (Damen und) Herren von der Haupttribüne nutzten ihre fortdauernde Unzufriedenheit, um den in ihnen schlummernden braunen Hetzparolen ein Ventil zu verschaffen. Mit ihren indiskutablen Verschmähungen erreichten sie auch zunächst ihr Ziel: Atouba ließ sich provozieren und wurde – nicht zuletzt unter gütiger Mithilfe der BILD – zum neuen Sündenbock des HSV.

Nun kann man sich lange über die Bewertung von Atoubas Reaktion streiten. Man mag anführen, dass ein Profi-Fußballer die Contenance bewahren muss und sich nicht provozieren lassen darf. Gleichwohl sollte man sich aber vor Augen halten, wer hier der eigentliche Aggressor ist, nämlich die Fans, die mit übelsten rassistischen Beleidigungen den Skandal heraufbeschworen haben. Natürlich ist es weder anständig noch vorbildlich, anderen Menschen den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen. Doch wer will das dem HSV-Spieler angesichts der schlimmen Verunglimpfungen verübeln? Ist es nicht menschlich, dass man in so einer Situation die Anstandsregeln über Bord wirft und sich gestenreich zur Wehr setzt? Dies ist gewiss keine Lösung zur Konfliktbewältigung, aber andererseits doch eine nachvollziehbare Reaktion.

Dass die BILD-Zeitung all dies ausgeblendet hat und stattdessen nach wie vor vom “Söldner aus Afrika” spricht, dem all das in Wirklichkeit egal sei, ist der zweite Skandal der Atouba-Affäre. Doch dass die BILD-Zeitung aus ihren Fehlern lernt und fortan eine saubere journalistische Recherche pflegt, ist nicht zu erwarten.

Etikettenschwindel

11. Dezember 2006

Es war im Dezember 2004, da wurde der deutschen Öffentlichkeit eine obskure völlig neuartige Rock-Band präsentiert, die sich anschicken sollte, das deutsche Musikbusiness zu revolutionieren. Der Name dieser damals so groß annoncierte Band ist längst in Vergessenheit geraten: Es war Nu Pagadi, das Produkt der vierten Popstars-Staffel. Eine Gruppe, die genauso schnell verschwand, wie sie gekommen war und an die sich heute (knapp zwei Jahre später) kein Mensch mehr erinnert. Doch das Beispiel von Nu Pagadi ist sinnbildlich für die Kurzlebigkeit im deutschen Castingshow-Geschäft.

Casting-Shows, ob sie sich nun DSDS, Popstars oder Starsearch schimpfen, treten mit dem Anspruch auf, den Nachwuchs zu fördern und sich so in den Dienst einer gemeinnützigen Sache zu stellen. Die Vergangenheit hat aber bewiesen, dass von echter Nachwuchsförderung keine Rede sein kann. Die gecasteten Interpreten und Bands werden werbewirksam vermarktet, mit ein, zwei hitverdächtigen Songs ausgestattet und sodann meist ihrem Schicksal überlassen, das die mediale Bedeutungslosigkeit bedeutet. Von Nachhaltigkeit keine Spur. Castingshows sind ein übler Etikettenschwindel. Es geht eben nicht darum, viele junge Talente nach vorne zu bringen, sondern – was auch sonst? – um die Steigerung der Einschaltquote. Das ist nicht unbedingt ehrenrührig, gehört es doch gerade bei Privatsendern zum Geschäft. Es ist aber gleichsam verlogen, wenn man in der Öffentlichkeit mit sozialen Motiven argumentiert.

Wenn es Bohlen, Soost & Co. wirklich ernst meinen würden, dann müssten sie den Platz hinter ihrem Jury-Pult verlassen und sich einmal in der “Provinz” umschauen. Denn hier begegnen einem oft junge, hoffnungslose und ehrgeizige Bands, deren Musikalität eine einizige Frischzellenkur ist gegenüber dem Gejaule, was einem in den Castingshows geboten wird. Hier lauert eine Menge Potential, das bislang – weil nicht quotenträchtig – unentdeckt geblieben ist.

Die einzig wirklich erfolgreiche Casting-Band waren übrigens die No Angels, an denen sich auch die neuformierte Mädchen-Band “Monrose” orientiert. Es bleibt abzuwarten, ob ihnen langwieriger Erfolg beschieden ist. Mit ihrem ersten Lied “Shame” (Schande) bringen sie aber jedenfalls zum Ausdruck, was Castingshows für den deutschen Musiknachwuchs wirklich sind.