Der erste Auftritt eines russischen Staatspräsidenten bei der Sicherheitskonferenz hat für Empörung und Enttäuschung gesorgt. Wladimir Putin hat auf dem Sicherheitsgipfel in München das Streben der Vereinigten Staaten nach „monopolarer Weltwirtschaft“ kritisiert und ihnen gleichzeitig attestiert, „in fast allen Bereichen ihre Grenzen überschritten zu haben“. NATO und EU, die anderen Ländern ihren Willen aufzwingen würden, warnte er vor „ungezügelter Militäranwendung“.

Das Lösen der Fesseln der Diplomatie war ein kühner Schritt Putins, der vor allem von den USA als Provokation empfunden wurde. So reagierte US-Senator John McCain, einer der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, verärgert, indem er Russland neben dem Irak und Iran als Hauptbedrohung des Weltfriedens bezeichnete. Ablehnend und fast gekränkt war auch das Echo der europäischen Politik. NATO-Generalsekretär de Hopp Scheffers machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung und entdeckte einen Bruch in der Partnerschaft zwischen Russland und der NATO.

Augenscheinlich decken sich demnach die Erwartungen der NATO nicht mit den Vorstellungen, die Putin von der Partnerschaft hat. Während der Westen auf ein stärkeres „Miteinander“ hofft, will Russland die Zusammenarbeit dafür nutzen, den eigenen Standpunkt noch akzentuierter darzulegen.

Wo aber nun liegt die Wahrheit? Vermutlich auch hier wie so oft in der Mitte: Natürlich kann das für eine Partnerschaft erforderliche Vertrauen nur dann aufgebaut werden, wenn man den Gegenüber nicht unnötig brüskiert. Im Vordergrund muss die diplomatisch begründete Wohlgesonnenheit stehen. Nur sie ermöglicht einen vertrauensvollen und, wenn möglich, freundschaftlichen Umgang. Insofern war Putins Brandrede kontraproduktiv, hat sie das Fundament der noch so jungen Partnerschaft doch öffentlich in Frage gestellt. Andererseits kann eine konstruktive Zusammenarbeit auf Dauer nur funktionieren, wenn ein offener und unverblümter Meinungsaustausch möglich ist. Sobald jedoch unter dem Deckmantel der Kooperation jegliche kontroverse Auseinandersetzung im Keim erstickt wird, ist die Partnerschaft de facto tot.

Dies muss wohl auch Wladimir Putin so oder so ähnlich vor Augen gehabt haben, als er am 9. Februar vor der Weltöffentlichkeit das Vorgehen der USA und der NATO geißelte. Jedoch hat er es hier mit der Offenheit übertrieben. Er hätte sein Anliegen durchaus diplomatischer formulieren können, ohne damit in der Sache von seiner Auffassung abrücken zu müssen. Dem Vorwurf „monopolarer Weltwirtschaft“ haftet nun einmal der Mief des Kalten Krieges an. Die Zeiten des großen Ost-West-Konfliktes sind noch nicht lange genug vorbei, als dass man sorglos mit den Vokabeln der Vergangenheit spielen könnte. Hier wäre etwas mehr Sorgfalt bei der Formulierung wünschenswert gewesen, zumal eine solche Provokation auch in der Sache nicht förderlich ist. Denn Putin würde mit seiner Kritik wohl eher Gehör finden, wenn er sich des diplomatischen Floretts anstatt des bedrohlichen Säbels bedienen würde.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Putin mit seinen Vorwürfen, die im Übrigen in der Sache eines gewissen Wahrheitsgehaltes nicht entbehren, aufgrund der Art und Weise des Vortrags keine Diskussion initiiert, sondern nur Ablehnung geerntet hat. Auch und gerade in einer vertrauensvollen Partnerschaft muss Kritik formuliert werden können, aber eben so, dass sie von der anderen Seite akzeptiert und bedacht werden kann.

Serientipp: Monk

19. Februar 2007

Er ist ängstlich, er ist neurotisch, er ist bizarr und er ist genial. Adrian Monk, Titelfigur der amerikanischen Krimiserie, ist privater Berater der Polizei von San Francisco und schafft es, dank seines einzigartigen Spürsinns, auch die verzwicktesten Fälle zu lösen.

Seit dem tragischen Tod seiner Frau Trudy wird Monk aber von allerlei Phobien geplagt und ist daher für den täglichen Polizeidienst ungeeignet. Da die ansässige Polizei jedoch andererseits nicht auf dessen geniale Kombinationsgabe verzichten kann, greift sie regelmäßig auf seine Dienste zurück. Unterstützt von seiner Assistentin Sharona (später Natalie) begibt sich Monk an den Tatort und in das Umfeld der Opfer und Täter und gerät dabei in immer neue skurile Situationen. Dass sich Monk nach jeder Begrüßung aufgrund seines Reinheitsticks die Hände säubern muss, ist dabei eines der kleinsten Hindernisse. Schwieriger wird es dagegen, wenn er trotz seiner Höhenangst den Tatort auf einem Kirchturm besichtigen will oder bei seinen Recherchen auf einen Hund trifft. Die Liste der Ängste, die Monk plagen, ist schier endlos: Zahnarzt, Nadeln, Enge, Schmutz, ja selbst Milch lösen bei ihm panische Zustände aus. Nur gut, dass er selbst noch einen Überblick über seine Phobien hat und diese systematisch nach ihrer Schwere geordnet hat.

Der Alltag des Adrian Monk ist aber vor allem durch seinen neurotischen Ordnungswahn geprägt. Wann immer die Symmetrie gestört ist, muss Monk eingreifen. Ob schiefhängende Bilder, unsystematisch gesaugte Teppiche oder kleine Fusel auf der Kleidung, Monk muss tätig werden. Denn die Störung seiner Äthestik beeinträchtigt ihn im Denken. Jedoch ist seine größte Schwäche auch gleichzeitig seine größte Stärke. Denn sein ausprägter Sinn für Ordnung lässt ihn auch die kleinsten Ungereimheiten am Tatort aufspüren und so auch die kuriosesten Fälle lösen. Dabei entlarvt er selbst die schlüssigsten Alibis als Täuschungen und kommt zu Ergebnissen, die Polizeichef Captain Stottlemeyer und seine Crew nur ungläubig mit dem Kopf schütteln lassen. Am Ende kann Monk seine Theorie jedoch immer beweisen und behält mit seinen genialen Schlüssen stets Recht.

Dass Monk mehr ist als ein genialer Ermittler mit diversen Phobien, nämlich ein durchaus einfühlsamer und liebenswerter Mensch, verdankt er der eindrücklichen Darstellung durch Tony Shalhoub. Er schafft es, die Figur mit ihren Stärken und vor allem all ihren Stärken so glaubhaft und so sympathisch zu verkörpern, dass man unweigerlich mit ihr fühlt. Und irgendwie entdeckt man schließlich, dass in einem selbst auch ein kleiner Monk steckt.

Die Mischung aus skurilen Fällen, einem phobischen, genialen und doch so anrührenden Ermittler und einer Menge Situationskomik sorgt dafür, dass Monk ein absolutes Highlight unter den Krimiserien ist. Auch für angstfreie Menschen sehr zu empfehlen!

Späte Erkenntnisse

12. Februar 2007

Kaum ist die Bundesliga in ihre Rückrunde gestartet, dreht sich das Trainerkarussel mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit. Bereits nach dem 19. Spieltag entließen mit dem FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach und dem Hamburger drei Vereine ihren Cheftrainer. Allen drei Fällen ist gemein, dass die Vereinsführung nach einer verkorksten Hinrunde auf Besserung hoffte und glaubte, diese mit dem alten Coach herbeiführen zu können. Dreimal wurde die Hoffnung jäh enttäuscht. Dreimal währte die Geduld nicht lange. Dreimal sah man keine Alternative zu einem Wechsel.

Der Zeitpunkt der Entlassungen wirft Fragen auf: Warum hat man den Wechsel nicht bereits nach dem Ende der Hinrunde vollzogen? Wieso hat man nicht frühzeitig einen neuen Trainer geholt, der so bereits in der Vorbereitung mit der Mannschaft hätte arbeiten und sie so gemäß seiner Konzeption hätte einstellen können? Jetzt jedoch muss der neue Trainer innerhalb kürzester Zeit die Mannschaft kennen lernen und sie von heute auf morgen auf Erfolgskurs bringen. Weitsichtige Planung sieht anders aus.

Der Grund für die späte Erkenntnis liegt in einer Mischung aus Gutgläubigkeit und Illusionismus. So sah man zwar bei den Vereinsoberen des FC Bayern, dass das Verhältnis zwischen Felix Magath und der Mannschaft in Scherben lag. Man vertraute aber wohl auf die Fähigkeiten Magaths, der die Bayern in den letzten beiden Jahren zweimal zum Double geführt hatte. Vielleicht war es dann auch Dankbarkeit, die die Solidarität zu einem Trainer bestehen ließ, dem es nicht mehr gelang, der Mannschaft ein taktisches Korsett anzulegen.

Menschliche Motive waren es wohl auch, die die Borussia lange Zeit davor zurückschrecken ließ, sich von dem altgedienten Borussen Jupp Heynckes zu trennen. Hinzu kam, dass man ihn erst zu dieser Saison als neuen Trainer installierte hatte, um mit ihm die Fohlen-Elf wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Den Verantwortlichen war bewusst, dass eine Entlassung von Jupp Heynckes ein Eingeständnis in die eigene Fehlplanung wäre.

Ein wenig anders war die Situation beim HSV. Hier wollte man augenscheinlich ein Exempel statuieren. Gegen alle Widerstände und vor allem gegen die nicht enden wollende Erfolglosigkeit beabsichtigte man am beliebten und verdienstvollen Thomas Doll festzuhalten. Man wollte allen beweisen, dass man beim HSV langfristig denkt und auch in der Lage ist, dafür Misserfolge in Kauf zu nehmen. Diese Devise brachte dem Hamburger SV eine Menge Sympathie ein – aber eben auch Niederlagen, die nunmehr ein unerträgliches Ausmaß annahmen.

So sehr man es den Verantwortungsträgern zum Vorwurf machen muss, dass sie – aus unterschiedlichen Gründen – nicht früher den fälligen Schritt unternommen haben, so richtig ist es doch, dass sie jetzt die Reißleine gezogen haben. Es hätte nichts genützt, aus Angst vor dem Eingeständnis der eigenen Fehlplanung weiter zuzuwarten. Die Verantwortung gegenüber dem eigenen Verein verpflichtete sie dazu, jetzt einen Neubeginn zu wagen. Der Schritt war spät, ob er zu spät war, werden die nächsten Monate beweisen.