Rassismus im Sport

27. August 2007

Die Affäre “Weidenfeller” erhitzt in diesen Tagen nicht nur die Fußballgemüter und hat sich zu einem Präzedenzfall für Rassismus im (Fußball-)Sport entwickelt.
Losgelöst von diesem Einzelfall sollte grundsätzlich darüber nachgedacht werden, wie auf rassistische Äußerungen in Bundesligaspielen seitens des DFB zu reagieren ist.

Dabei muss man zunächst die traurige Realität zur Kenntnis nehmen, dass auch im Profi-Fußball Beleidigungen zwischen den Akteuren an der Tagesordnung sind.
Es ist kein Geheimnis, dass auf den Spielfeldern beschimpft, provoziert und eben auch zuweilen übelst beleidigt wird. Bislang wird dagegen jedoch nicht vorgegangen. Nicht nur, weil es oftmals kaum zu beweisen ist, sondern weil dies angesichts der Fülle der Verbalinjurien einen Kampf gegen Windmühlen bedeuten würde.

Wieso also sollte im Falle rassistischer Beleidigungen anders zu verfahren sein? Ist es nicht vielmehr gleichgültig, worin sich eine herabwürdige Aussage manifestiert, wenn sie nur geeignet ist, die Ehre des anderen zu kränken? Ist Beleidigung nicht gleich Beleidigung?

Um es direkt zu sagen: Nein, es ist sehr wohl nötig, hier genau zu differenzieren. Rassistische Äußerungen sind besonders verabscheuenswert und verdienen eine klare Absage. Um dies zu begründen, muss man weder auf die deutsche Vergangenheit zurückgreifen noch juristische Argumente führen. Dass Rassismus in gesondertem Maße inhuman sind, zeigt ein näherer Blick auf ihren Aussagegehalt:
Die Beleidigungen des alltäglichen Leben sind zuweilen unverschämt, derb und niederträchtig. Für rassistische Bemerkungen gilt dies genauso. Aber sie unterscheiden sich von den gängigen Beschimpfungen doch in einem wichtigen Punkt: Während die tagtäglichen Ehrkränkungen substanzlose Meinungskundgaben sind, haben rassistische Bemerkungen einen substantiierten, besonders ekelhaften Aussagewert, der sich zumeist auf die Kurzform bringen lässt: “Du bist minderwertig, weil Du eine andere Hautfarbe hast!” So oder so ähnlich lassen sich die meisten der typischen Rassismus-Sprüche abstrahieren. Und so wird deutlich, dass rassistische Beleidigungen deshalb so gravierend sind, weil sie den Wert eines Menschen als gleichberechtigtes Wesen verkennen und somit zutiefst inhuman sind.

Dies sollte der DFB vor Augen haben, wenn er zukünftig mit rassistischen Äußerungen konfrontiert ist. Dabei darf zwar die emotionale Ausnahmesituation in einem Bundesligaspiel berücksichtigt werden. Gleichzeitig müssen aber die Vorbildwirkung von Sport und Sportlern sowie ihre gesellschaftliche Verantwortung in Anrechnung gebracht werden.
Am Ende müssen klare und harte Urteile stehen, die dem Rassismus im Sport die Rote Karte zeigen. Die Entscheidung im Falle Weidenfeller, die eine Sperre von drei Ligaspielen vorsieht, geht deshalb in die richtige Richtung, wenngleich sie letztlich noch zu milde ausgefallen ist.

Betrachten wir es mal ganz nüchtern: Das jüngste Auffinden eines Stasi-Papiers, das einen direkten und unmissverständlichen Schießbefehl beinhaltet, ist weder eine Überraschung noch bildet es eine Trendwende in der historischen Aufarbeitung des DDR-Regimes.
Denn niemand hat ernsthaft daran gezweifelt, dass es einen solchen Schießbefehl gegeben hat. Auch der Bundesgerichtshof hat dies im Rahmen seiner Rechtsprechung zu den sogenannten Mauerschützen stets vorausgesetzt. Die Beurteilung der Vorgänge an der innerdeutschen Grenze gewinnt daher jedenfalls keine neue juristische Qualität. Und dennoch ist das Dokument in seiner kompromisslosen und unnachgiebigen Formulierung bemerkenswert, zeugt es doch von erschreckender Inhumanität und Gefühlskälte.

Wenn dort die Rede davon ist, dass auch „mit Schüssen auf flüchtende Frauen und Kinder nicht zu zögern“ sei, so ist dies ein nachdrückliches Beispiel für das perfide und menschenverachtende System der DDR. Das Papier eignet sich daher als Vorzeigeobjekt gegenüber denjenigen, die sich in verklärter Vergangenheitsromantik die „guten alten DDR-Zeiten“ zurückwünschen. Zwar war in der DDR in der Tat nicht alles schlecht. Und es ist auch menschlich nachvollziehbar, nostalgische Gefühle für das einstige Heimatland zu entwickeln. Dies darf jedoch nicht dazu führen, all den Schrecken und all das Unrecht, das von dem System der DDR ausging, auszublenden. Die DDR konnte nur funktionieren, weil elementare Menschenrechte außer Kraft gesetzt wurden. Tagtäglich wurde im Namen der Stasi in die Persönlichkeits- und Intimsphäre der Menschen eingedrungen. Das Grundrecht der Freizügigkeit wurde schlichtweg geleugnet. Und zur Verteidigung der Staatsräson waren, wie das Dokument beweist, alle Mittel recht. Gewalt war gegen jedermann zulässig, solange es nur dem Erhalt des Systems diente. Für Menschlichkeit und Nachsicht blieb kein Platz. Wer also, wie beispielsweise Sarah Wagenknecht, immer noch die humanen Werte der DDR beschwört, dem kann fortan dieses Stasi-Papier als Zeugnis unnachgiebiger Menschenverachtung entgegengehalten werden.

Das Dokument bringt somit zwar keine bahnbrechenden historischen Erkenntnisse, es bildet aber gleichwohl eine wichtige Grundlage für die innerdeutsche Vergangenheitsbewältigung. Wer heute noch die DDR als humanes System betrachtet, dem ist die Lektüre dieses Stasi-Papier dringend nahe zu legen.

Die Saisonprognose

13. August 2007

Wer sich selbst als Fußballexperte bezeichnet und sich nicht als blutiger Laie outen möchten, der sollte tunlichst eines nicht tun: Prognosen über das Abschneiden einzelner Bundesligateams abgeben. Dieser Fehler wurde bereits so namhaften vermeintlichen Fachleuten wie Udo Lattek, Mario Basler und Rainer Holzschuh zum Verhängnis, deren Prophezeiungen schon seit langem niemand ernst nimmt.
T
rotz alledem soll in Kenntnis der Gefahr einer Blamage hier ein kleiner Ausblick auf die Bundesliga-Saison erfolgen und der Tabellenplatz der einzelnen Mannschaften vorhergesagt werden:

VfB Stuttgart: Das Jahr 1 nach dem überraschenden Meisterschaftserfolg wird für den VfB kein leichtes. Der Druck der Öffentlichkeit wird größer, die Unbeschwertheit der Meisterschaftssaison ist verflogen. Auf namhafte Neuverpflichtungen hat man bewusst verzichtet, um mit einem eingespielten Team an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen zu können. Doch die Personaldecke ist dünn, was sich bei einer Verletztenmisere bemerkbar macht. Für die Stuttgarter wird es daher eine durchwachsene Saison. Am Ende reicht es nur zu Platz 7.

FC Schalke 04: In der Abwehr und im Angriff sind die Königsblauen hervorragend besetzt, im Mittelfeld hapert es. Neuzugang Ivan Rakitic wird, wenn man den ersten Eindrücken Glauben schenken darf, nicht der große Denker und Lenker. Doch die Schalker haben in der Vergangenheit bei zahlreichen Ausfällen Lincolns bewiesen, dass sie ohne echten Zehner auskommen. Vom Potential sind sie die zweite Kraft und landen dementsprechend auf Platz 2.

Werder Bremen: Sieht man einmal vom Abgang des zuletzt glücklosen Miroslav Klose ab, so hat sich das Gesicht der Schaaf-Elf nicht entscheidend verändert. Carlos Alberto dürfte der ohnehin spielstarken Bremer Mannschaft weitere Impulse verleihen. Aber letztlich fehlt es den Werderanern doch an der nötigen Konstanz, um wie im Jahre 2004 den Titel einfahren zu können. Bremen wird Dritter.

FC Bayern München: Nach der großen Einkaufstour gilt der Rekordmeister als der Favorit schlechthin auf den Meistertitel. Zu Recht, denn mit dieser Mannschaft ist man allen Konkurrenten weit überlegen. Gleichwohl hat das Pokalspiel gegen Burghausen gezeigt, dass man sich gegen defensiv eingestellte Gegner schwertut. Und auf diese wird man in der neuen Saison häufig treffen. Deshalb wird es für das Starensemble um Klose, Toni und Ribéry sicher nicht der von vielen vorhergesagte Spaziergang. Am Ende kann für die Münchener aber nur Tabellenplatz 1 stehen – der FCB wird Meister.

Bayer 04 Leverkusen: Bei Bayer 04 stellt sich eigentlich nur eine Frage: Welche der beiden Saisonhälften versemmeln sie diesmal? Fast schon traditionsgemäß stehen sich bei den Leverkusenern Hin- und Rückrunde wie Tag und Nacht gegenüber. Die mangelnde Konstanz dürfte auch diese Saison dafür ausschlaggebend sein, dass es nicht nach ganz vorne reicht. Das Potential ist aber dank der Neuverpflichtungen Gekas und Friedrich gestiegen, so dass ein UEFA-Cup-Platz sicher erscheint. Bayer landet auf Platz 4.

1. FC Nürnberg: Bei den Franken scheint die personelle Zusammensetzung zweitrangig zu sein, solange die Mannschaft von Hans Meyer gecoacht wird. Meyer kann auch aus der größten Humpelhupen-Truppe noch etwas herausholen. In dieser Saison langt es immerhin zu Platz 9.

Hamburger SV: Die Hamburger dürften zu den positiven Überraschungen der neuen Saison gehören. Nach der total verkorksten Hinrunde der vergangenen Saison geht es für die Stevens-Elf kontinuierlich bergauf. Mit van der Vaart als Passgeber und Zidan als Vollstrecker verfügen die Hanseaten über eine äußerst gefährliche Offensive. Das reicht am Ende zu Platz 5.

VfL Bochum: Der Abgang von Torjäger Gekas wird sich schmerzhaft bemerkbar machen. Er hinterlässt eine Lücke, die keiner der VfL-Stürmer zu schließen imstande ist. Das Niveau der eingespielten Koller-Elf ist aber letztlich so gut, dass man dem Abstieg entgehen kann. Bochum landet auf Platz 12.

Borussia Dortmund: Der BVB hat sich gezielt verstärkt und verfügt nunmehr über eine auf allen Positionen überdurchschnittlich besetzte Mannschaft. Allein die Seniorenabwehr um Wörns und Kovac könnte Probleme bereiten. Für die Dortmunder wird es jedoch eine positive Saison, die sie als Sechste abschließen.

Hertha BSC Berlin: Der Aderlass der Herthaner steht einem Anspruch auf einen Platz im internationalen Geschäft entgegen. Boateng, Bastürk und Gimenez wurden abgegeben und werden der Mannschaft fehlen. Große Sprünge sind so nicht möglich. Die Hauptstädter landen – wie auch in der vergangenen Saison – auf Platz 10.

Hannover 96:
Die graue Maus der Liga, nicht Fisch nicht Fleisch. Solide, aber nicht herausragend. Unter dieser Prämisse wird auch die kommende eine durchschnittliche Saison ohne große Hochs und Tiefs. Dank Bruggink, Rosenthal & Co. reicht es zu Platz 8.

Arminia Bielefeld: Jahrhunderttrainer Ernst Middendorp ist zurück. Doch auch er wird es mit der eher spielschwachen Mannschaft schwer haben. Kampf ist angesagt auf der Alm. Mit viel Glück entkommt man am Ende dem Abstieg und erreicht Platz 15.

Energie Cottbus: Der Verlust von Munteanu und Radu wiegt schwer. Es sieht alles nach einem unmöglichen Unterfangen aus, die Klasse zu halten. Die Substanz reicht einfach nicht, der Abstieg ist unvermeidbar. Für die Cottbusser wird es eine desaströse Saison – Energie wird Letzter.

Eintracht Frankfurt:
Eine Mannschaft ohne großen Stärken und Schwächen. Doch wenn der Trainer Funkel heißt, sind große spielerische Momente nicht zu erwarten. Für die Eintracht steht der Kampf im Mittelpunkt. Denn gerade zu Saisonbeginn wird es angesichts der vielen Ausfälle in der Defensive schwer. In der Endabrechnung werden die Frankfurter aber dem Abstieg entgehen – die Eintracht belegt Platz 14.

VfL Wolfsburg: Mit Felix Magath als Trainer, Manager und Geschäftsführer verspricht man sich in Wolfsburg den ganz großen Sprung. Doch Vorsicht: Die Geduld des Felix Magath, der unbedingt zu einem europäischen Spitzenclub wollte, ist begrenzt. Und so stark wie die VfL-Mannschaft geredet wird, ist sie keinesfalls. Allein Marcelinho dürfte für die Glanzpunkte zuständig sein. Große Erfolge sind aber nicht drin – der VfL landet auf Rang 11.

Karlsruher SC: Die Übermannschaft der 2. Liga der vergangene Saison wird schnell auf dem Boden der Erstliga-Realität ankommen. Mit dem Abgang Giovanni Federicos wurde der KSC-Elf das Herzstück genommen. Spielerisches Potential ist gleichwohl in ausreichendem Maße vorhanden. Der KSC hat mit dem Abstieg nichts zu tun und belegt Platz 13.

FC Hansa Rostock:
Für die Hansa gibt es nur ein Ziel: Nichtabstieg. In personeller Hinsicht sind die Aussichten allerdings mehr als trübe. Nur wenn Oldie Beinlich Akzente zu setzen weiß, haben die Hanseaten eine geringe Chance. Doch alles sieht danach aus, als würde die Pagelsdorf-Truppe nach einer Saison in Liga 2 zurückkehren – für Hansa bleibt nur Platz 16.

MSV Duisburg: Der prädestinierte Absteiger. Duisburg hat sich im Laufe der Jahre zu einer echten Fahrstuhlmannschaft entwickelt und gilt auch in dieser Saison als einer der Topfavoriten auf die Rote Laterne. Ganz so schlimm wird es nicht. Ailton bleibt zwar blass, aber dank des neuen Wunder-Stürmers Ishiaku schafft der MSV immerhin Platz 17.

Und übrigens: Der FC schafft den Aufstieg wieder nicht. Nach den ersten Misserfolgen wird der Unmut immer lauter. Und irgendwann schickt man Trainer Daum in die Wüste. Nachfolger Neururer macht’s aber auch nicht besser. Der FC wird nur Achter!
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