Der 3. Bundesligaspieltag ist Geschichte. Auch er liefert wieder zahlreiche Geschichten und Erkenntnisse:

Maradona für einen Tag
Baumjohann! Ein Name mit einem Charme irgendwo zwischen deutscher Eiche und holländischem Spielmacher. Alexander Baumjohann, seines Zeichens offensiver Mittelfeldspieler und in dieser Funktion weder bei Gladbach noch bei Schalke bislang besonders in Erscheinung getreten, sorgte mit seinem Sololauf durch die Bremer Defensive für das Highlight dieses Spieltags. Wie einst Maradona umkurvte er seine Gegenspieler und ließ Frings & Co. wie ehrfürchtige Engländer aussehen, um den Angriff dann gekonnt zu vollenden. Wunderbar! Zuletzt hat man eine solche Aktion in der Bundesliga am 10.4.1993 gesehen. Damals startete Jens Nowotny von der eigenen Strafraumgrenze zu einem unwiderstehlichen Alleingang über das Spielfeld, an dessen Ende der Ball im Bochumer Kasten zappelte. In der Folgezeit jedoch war Nowotny für feine Spielkunst in etwa so berühmt wie Lukas Podolski für ausgefeilte Rhetorik. Aber immerhin: Maradona für einen Tag! Bleibt für Baumjohann zu hoffen, dass ihm in seiner Karriere mehr spielerische Glanzlichter gelingen.

Prinzip Tischkante
Am gestrigen Samstag dürften zahlreiche Fußball-Fans vor Wut in die hauseigene Tischkannte gebissen haben. Zumindest diejenigen, deren Fußballleidenschaft sich in der Teilnahme an einem Managerspiel äußert und die den vermeintlich verletzten Bastian Reinhardt auf die Bank gesetzt haben. Denn diesem gelang ausgerechnet an diesem Spieltag das Kunststück, den Ball zweimal im gegnerischen Tor unterzubringen. Da Reinhardt aber auf der virtuellen Bank schlummerte, heißt das im Klartext: In den Wind…! Warum also trifft Reinhardt genau jetzt doppelt? Murphys Gesetz? Boshaftigkeit des Fußballgotts oder gar von Bastian Reinhardt höchstselbst? Egal. In meiner eigenen Community widerfuhr immerhin drei Hobby-Managern genau dieses Unglück. Und ich würde jetzt natürlich gerne in Hohn und Spott verfallen, wenn, ja wenn ich nicht wüsste, dass dies der wohl doch so boshafte Fußballgott baldmöglichst abstrafen wird. Denn mir ist klar, dass dann am nächsten Spieltag genau der Spieler einen Hattrick hinlegen würde, den ich vor lauter Ignoranz auf die Bank gesetzt habe. Muss ich nicht haben. Da schweige ich lieber demütig.

K-Fragen
Das Bild des Bundesligasamstags stammt aus der Schalker Veltins-Arena und zeigt Kevin Kuranyi, wie er an Pfosten, Fans und sich selbst zu verzweifeln scheint. Nach der xten vergebenen Großchance des Schalker Sturmführers verliert das heimische Publikum die Geduld und beginnt zu pfeifen. Kuranyi steht verloren im gegnerischen Strafraum; seine Gesichtszüge verraten den Zorn, der in dem chronisch schlecht gelaunten Schalker hochkommt. Es scheint, als könne es nur noch Sekunden dauern, ehe Kuranyi die Fassung verliert, sich das Trikot vom Leib reißt und unter obszönen Gesten das Spielfeld verlässt. So kam’s dann aber nicht. Trotz allem ein Bild des Jammers. Das Bild eines Spielers, der abermals mit Lethargie und Unfähigkeit die eigenen Anhänger zur Weißglut bringt. Fast so wie Elfmeter-Klose dieser Tage. Dennoch werden beide beharrlich in die Nationalelf berufen. Ganz im Gegensatz zu einem anderen K-Stürmer: Stefan Kießling. Der jedenfalls überzeugt Woche für Woche durch Einsatzwillen, Spielfreude und Mannschaftsdienstlichkeit. Einsätze in der Nationalmannschaft sind für ihn dennoch die Ausnahme. Da fragt man sich doch, was Kießling Schlimmes verbrochen hat. Riecht nach einer Neuauflage der Kießling-Affäre.

Und was war wirklich wichtig?
Die wichtigste Lehre dieses Spieltags lieferte bereits der Freitagabend. Und diese lautet: Fußball ist die wichtigste Nebensache der Welt - mit der Betonung auf “Nebensache”. Denn die Bilder des zusammenbrechenden Ümit Özat haben nachdenklich gestimmt. Fußball ist schön und gut, aber eben doch höchst nebensächlich. Dies zeigten die entgeisterten Mienen von Mondragon & Daum, die einen Moment lang das Allerschlimmste befürchteten. Zum Glück ging alles glimpflich aus. So dramatisch diese Minuten im Karlsruher Wildparkstadion jedoch auch waren, sie haben uns immerhin geholfen, den Fußball in der Bedeutungsskala richtig einzuordnen.
In diesem Sinne ist die zweiwöchige Bundesligapause zwar sehr bedauerlich, aber eben doch höchst nebensächlich!
Also, bis in zwei Wochen dann!

Hoffen auf Münte

25. August 2008

Silberstreif am sozialdemokratischen Horizont: Franz Müntefering kehrt zurück. Vielleicht! Denn der ehemalige Parteivorsitzende hat lediglich angekündigt, im Herbst wieder sein Bundestagsmandat wahrnehmen zu wollen. Mehr nicht. Was eine Rückkehr an die SPD-Spitze betrifft, hält er sich noch bedeckt. Und dennoch tröstet man sich bei der SPD jetzt mit Münteferings Comeback und hofft wie Umweltminister Gabriel oder Innenausschutzvorsitzender Edathy, dass er wieder eine Führungsposition bekleiden werde. Teile der Parteilinken wollen dagegen dem Rückkehrer eher eine kleine Rolle zugedenken.

Das Hoffen auf Münte sagt jedoch alles über die Befindlichkeit einer Partei, die die womöglich größte Sinnkrise ihrer Geschichte durchlebt. Die SPD hat sich auf der Suche nach ihrer eigenen Identität im Labyrinth der Wirklichkeit verirrt. Noch immer ist nicht klar, wo der Weg hingehen soll. Das Erstarken der Linke stellt die Daseinsberechtigung der Sozialdemokraten in Frage, jedenfalls solange es der SPD nicht gelingt, sich von der Lafontaine-Partei abzugrenzen, ohne sich deshalb bei der Union anzubiedern. Das Profil fehlt. Wofür steht die SPD im Jahre 2008? Für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit? Möglich. Doch ist dies nicht neuerdings die Domäne der Linke und hat sich die SPD nicht längst von diesen edlen Zielen verabschiedet?

Nein, die SPD muss sich vielmehr als Partei der sozialen Vernunft profilieren. Sie muss vermitteln, dass sie die Partei ist, die es schafft, das soziale Auseinanderdriften aufzuhalten, ohne dabei (wie es die Linke tut) einen Harakiri-Kurs zu Lasten der nachfolgenden Generationen zu fahren. Wenn ihr dies gelingt, könnte die SPD wieder Boden unter den Füßen gewinnen. Noch ist sie davon aber weit entfernt.

Fast noch schlimmer als die programmatische Orientierungslosigkeit ist jedoch der Mangel an Führungspersönlichkeiten. Es ist wahrlich keine neue Erkenntnis, dass der Politik die großen Persönlichkeiten mehr und mehr abgehen. Die SPD ist von diesem Phänomen aber besonders schwer betroffen. Selbst eine CDU, die schon auf Roland Koch als eine ihrer Gallionsfiguren vertrauen muss (das muss man sich mal vorstellen: Roland Koch!), ist da besser aufgestellt. Ja, wenn es schon ein derart blasser und ausstrahlungsarmer Jung-Sozi wie Hubertus Heil zum Generalsekretär schafft, dann ist etwas faul im Staate SPD.

Und wenn man jetzt schon alle Hoffnungen auf einem Mann setzen muss, der erst einmal einen schweren Schicksalsschlag verkraften muss, dann zeigt dies, wie schlecht es um die Partei bestellt ist. Das Warten auf Münte ist jedoch vor allem ein Schlag ins Gesicht von Kurt Beck und deutliches Zeugnis seiner Arbeit. Im Sinne der SPD mag man Müntefering daher dieser Tage zurufen: Übernimm wieder das Ruder. Es ist besser so – für alle.

Nachdem die Lehren des 1. Spieltags noch unter “Momentaufnahme” fielen, sehen wir jetzt schon alle ein wenig klarer:

Hoffenheim wird Meister und Gladbach kann schon wieder für die 2. Liga planen. Oder nicht? Sei’s drum. Hier kommen also die ultimativen Erkenntnisse dieses Spieltags:

van Bommel sieht Rot
Alle guten Vorsätze, alle selbstkritischen Versprechen - alles dahin. Mark van Bommel hat’s wieder getan und zugeschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Diesmal tat er es der Herberger-Elf gleich und gab einem Ungarn einen auf die Mütze. Van Bommel sah Rot, genauer gesagt Gelb-Rot. Denn Schiedsrichter Fandel zeigte sich gnädig und beließ es bei einer Matchstrafe. Kommendes Wochenende hat der impulsive Holländer folgerichtig spielfrei und darf mit Klinsmanns Psycho-Guru Laux ein wenig in seiner Kindheit graben. Vielleicht findet er so auch die Ursache für seine mangelnde Selbstdisziplin. Experten mutmaßen bereits: Dauernder Schaufelklau im Sandkasten - da sah schon das dreijährige van Bömmelchen immer Rot.

Der Tausch der Ringe
Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, ob das Wechselspielchen Petric - Zidan erste Früchte tragen würde. Premiere-Moderator Dieter Nickles plapperte denn auch die allgegenwärtige Legende vom Ringtausch nach. Ein Ringtausch ist jedoch nach gängiger Definition ein Tausch zwischen mindestens drei Beteiligten, die ihre Tauschobjekte untereinander, also quasi im Ring, weitergeben. Was BVB und HSV dieser Tage veranstaltet haben, war… genau… ein simpler Tausch. Und sonst gar nichts. Den letzten Ringtausch im Profifußball gab es übrigens im September letzten Jahres. Damals schritten FC-Trainer Daum und seine Angetraute Angelica Camm von den Torauslinien des RheinEnergie-Stadions aufeinander zu, um sich im Mittelkreis das Ja-Wort zu geben und - ja! - die Ringe zu tauschen. Ein surreales Szenario in Köln-Müngersdorf, ganz anders als das höchst reale 1:1 gegen die Frankfurter Eintracht.

Zwischen Hui und Pfui
VfB- Keeper Lehmann arbeitet weiter hartnäckig an seinem Ruf, nicht der Konstanteste seiner Zunft zu sein. Weltklasseparaden wechseln sich wie schon zu seinen Londoner Zeiten (also damals, als er noch ran durfte) mit haarsträubenden Patzern ab. Da Lehmann vergangene Woche klasse parierte, war eigentlich klar, was an diesem Wochenende gegen Leverkusen folgen würde. Diese regelmäßige Hin und Her zwischen tollen Reflexen und üblen Fehlgriffen kannte man zuletzt nur von einem anderen Ex-Nationaltorhüter, der seine Karriere inzwischen beendet hat. Wie hieß er noch? Längst vergessen…

Und was war noch?
Reif rastet aus. Als der populäre Premiere-Mann bei seiner Reportage aus dem Bremer Weserstadion von einem nervigen Kollegen gestört wurde, verlor er nicht nur kurzzeitig die Fassung, sondern auch die Off-Taste aus den Augen. Und so wurde der Zuschauer Zeuge von Reifs verbaler Blutgrätsche. Dabei schreckte er nicht einmal vor dem bösen A-Wort zurück und sprach dem Störenfried die unmissverständlichen Empfehlung aus: “Schleich dich”. In diesem Sinne, ich schleich mich jetzt. Bis nächste Woche!