Während uns eine Fastfood-Kette dieser Tage mal wieder mit “Los Wochos” erfreut, hat der DFB, die DFL, die Uefa, Kaiser Franz oder wer auch immer nun für die Spieltagsplanung zuständig ist (als konsumgeiler Fan blickt da ja nicht mehr durch…) seinen Alltime-Klassiker auf dem Programm: Englische Woche. Im Klartext: Solide Hausmannskost, ein bisschen Kicks & Tricks, dazu ein paar harte Checks gewürzt mit Dirty Talk. Alles very british. Wem das nicht zusagt, der kann sich bei einer der vielen Koch-&-Kick-Shows Appetit holen:

Franz kocht
…vor Wut. Das Karlsruher Abwehr-Enfant-terrible Maik Franz bot beim Heimspiel seiner Karlsruher gegen die Knappen die komplette Bandbreite menschlicher Emotionen dar. Erst Unbeherrschtheit, dann Leidensfähigkeit und kurz darauf Leidenschaft, sowie schließlich ungezügelte Wut. Aber der Reihe nach: Der KSC-Kapitän war ob des 2:0-Rückstandes seiner Mannschaft – verständlicherweise - ziemlich angesäuert und verlieh seinem Frust – unverständlicherweise - mit einem brutalen Bodycheck gegen den Schalker Farfan Ausdruck. Diese Aktion nun wertete Schiri Fandel – wiederum unverständlicherweise – als unvorsätzlichen Zusammenprall und ließ die fällige Rote Karte stecken. Wenig später dann revanchierte sich der zu Boden gecheckte Schalker bei Franz mit einer kleinen Kung-Fu-Einlage, die dieser ganz mannhaft wegsteckte, um sodann mit leidenschaftlichen Gesten das eigene Publikum zum Support zu animieren. Dies nun wiederum missfiel dem Referee so sehr, dass er – abermals unverständlicherweise –Karlsruhes Mr. 100.000 Volt die zweite Gelbe Karte zeigte und ihn folgerichtig des Platzes verwies. Jetzt endlich sah Franz also Rot. Genauer gesagt Gelb-Rot. Das war dem Abwehrchef jedoch gleichgültig, denn er sah jetzt tatsächlich Rot und demonstrierte sein sanguinisches Temperament, indem er – verständlicherweise – voller Wu(ch)t gegen einen Stuhl trat, der es gewagt hatte, sich in den Weg des heißblütigen Feldverwiesenen zu stellen. Und was lernen wir also daraus? Emotionen sind auf dem Fußballplatz nicht mehr gefragt, außer man haut seinem Gegenspieler mal so richtig eine rein. Vielleicht handelt es sich aber auch nur um die etwas eigenwillige Interpretation der Englischen Woche. So sieht also englische Härte aus.

Laber! Läster! Mecker!
…gibt’s nicht mehr. Die neuartige Doku-Soap rund um schmollende Nationalkicker und gekränkte Eitelkeiten wurde bereits nach einer Woche wieder abgesetzt. Grund: Die Hauptdarsteller fanden sich in ihren Rollen nicht mehr zurecht und wollen stattdessen wieder ihre eigentlichen Talente beweisen. Obermotzer Ballack macht lieber einen auf kleinlaut, Mecker-Memme Frings konzentriert sich wieder aufs Kicken, ja, und selbst Mimosenhäufchen Kevin K. hat keinen Bock mehr aufs Rumnölen und Sich-aus-dem-Staub-Machen. Nein, Killer-Kevin geht dahin, wo’s wehtut: Nach vorne! Und genau da hat der Schalker Sturmführer in Karlsruhe ein grandioses Spiel gemacht. Ein Tor, zwei Vorlagen, Mann des Spiels. Besser geht’s nicht. Hach, Fußball kann so schön sein, wenn sich die Spieler nur aufs Wesentliche beschränken. In diesem Sinne: Einfach mal Klappe halten, dann klappt’s auch mit dem Kicken.

Die Noch-Profis
Die alten Herren der Liga im Spätherbst ihrer Karriere haben den Jungen Wilden mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Schalkes Grand Seigneur Marcelo Bordon ließ hinten nichts anbrennen und schoss, weil es ihm im eigenen Strafraum ein wenig langweilig wurde, zur eigenen Unterhaltung ganz einfach mal das 1:0. Bei den Bayern beeindruckt derweil Opa Zé Roberto mit beispielloser Wandlungsfähigkeit und gab beim Gastspiel in Frankfurt zur Abwechslung einen gepflegten Linksverteidiger. Ja und selbst Herthas alte Tante Pante, mit 30 Jahren inzwischen auch dem Liga-Kindergarten entwachsen, stellte im Heimspiel gegen biedere 96er seine hervorstechende Eigenschaft unter Beweis: Torgefährlichkeit. Und da hat ein junger Bulgare namens Domovchyiski ganz genau hingeschaut und flugs einen auf Pante gemacht und den Ball im gegnerischen Kasten versenkt. Vorbildlich, diese alten Herren.

Labbadissimo
Hm! Hmm! Hmmm! Lecker! Ja, was der Bayer-Bruno Woche für Woche auf die Fußballtafel zaubert, ist ein echter Genuss für Feinschmecker. Ein absolut schmackhaftes und äußerst deliziöses 11-Gänge-Menü. Diesmal servierte er eine sortierte Viererkette an frischem Adler, dazu kleine, aber feine Offensiv-Amuse-Gueules auf luftig-leichter Mittefeld-Pastete. Nur den Bremern stieß diese fein abgestimmte Zusammenstellung auf den Magen. Kein Wunder, schließlich mussten sie die Rechnung für diesen Festschmaus zahlen – und die fiel mit 0:2 ziemlich happig aus. Der wahre Gourmet kann sich indes an Brunos kulinarischer Kick-Kunst gar nicht satt sehen. Doch Vorsicht: Leverkusens Fußball hat in Fachkreisen den gleichen schlechten Ruf wie die von Alfred Biolek vollmundig angepriesenen Küchenweine: Fruchtiges, vielversprechendes Bouquet, aber große Schwächen bei der Geschmacksentfaltung, gefolgt von einem zumeist ungenießbaren Abgang. Soll heißen: So schön und erfolgreich Bayer jetzt auch spielen mag, so trist könnte das sein, was uns die Werkself in der zweiten Saisonhälfte präsentiert. Aber warten wir es ab: Vielleicht ist Brunello 08/09 ja auch eine ganz besonders gelungene Spätlese…

Koch-Arena
…ist nicht nur der Name eines etwas skurrilen Cooking-Contests im Formel 1-Format, sondern taugt an sich aus als flapsige Bezeichnung für das Frankfurter Bundesligastadion. Deren Bau wurde immerhin zu knapp 10% mit Landesmitteln finanziert und darf somit auch irgendwie als Projekt des ehemaligen, noch amtierenden oder zukünftigen (in Hessen weiß man das selbst nicht so genau) Ministerpräsidenten Roland Koch gelten. In just dieser (Roland-)Koch-Arena durfte sich diesmal niemand Geringeres als der Deutsche Rekordmeister der Weltöffentlichkeit präsentieren und weißwurschtelte sich irgendwie zu einem knappen 2:1 durch. Aber zurück zu Roland Koch. So heißt auch der Sidekick von Christoph Daum (Diese Überleitung ist übrigens bereits für den Goldenen Delling nominiert!). Und eben dieser Daum musste mit ansehen, wie sein FC gegen den BVB ohne jede Chance war und auf wundersame Weise nur einen Gegentreffer kassierte. Noch verwunderlicher war jedoch, dass Schiri Fleischer Mohamads Monstergrätsche gegen Kuba mit einer läppischen Gelben Karte bedachte. Englische Härte? Dann lieber kontinentale Fairness.

Und zum Dessert
…gibt’s mal wieder Hoffenheim. Die zarteste Versuchung, seit es Aufsteiger gibt. Cremig-weich und unwiderstehlich, was Rangnicks Jungs Spieltag für Spieltag bieten. Da kann man nur mit der Zunge schnalzen, zumal wenn Demba Ba den Ball mittels Hackentrick ins Tor zuckert. Deliziös. Ja, dieser Spieltag machte Appetit auf mehr. Am kommenden Wochenende heißt es dann wieder Essen fassen, denn dann steht Spieltag 11 auf der Menükarte. Njam!

EPOlog

27. Oktober 2008

ARD und ZDF haben sich entschieden: Im nächsten Jahr zeigen sie keine Live-Bilder von der Tour de France. Grund sind die neuerlichen Enthüllungen über systematisches Doping unter Tour-Teilnehmern, die das Fass nunmehr zum Überlaufen gebracht haben.

Die Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Sender ist konsequent, wenn auch verspätet. Es hätte nicht mehr der Kohls und Schumachers bedurft, um dem Rad-Zirkus die Rote Karte zu zeigen. Dass der Radsport im Dopingsumpf zu versinken droht, ist längst eine gesicherte Erkenntnis. Eine Abwendung der Medien ist seit langem überfällig.

Gleichwohl darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, dass der Radsport durch den Rückzug von ARD und ZDF reformiert wird. Zu sehr ist die Disziplin vom Doping-Virus verseucht. Andererseits kann nur Druck von außen, konkret durch Medien und Sponsoren, das Dopingsystem zum Einsturz bringen. Dies heißt aber auch, dass sich andere Sender der Devise von ARD und ZDF anschließen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Eurosport beispielsweise sieht von einem Tour-Boykott ab und macht weiter wie bisher.

So richtig der Entschluss der beiden Sendeanstalten auch ist, so sehr werden sie sich in Zukunft auch daran messen lassen müssen. Denn er bedeutet ein klares Zeichen gegen Doping und verpflichtet ARD und ZDF dazu, Sportarten, in denen Doping zur Tagesordnung gehört, konsequent zu meiden. Man darf gespannt sein, ob beide Sender diesem selbst gestellten Anspruch gerecht werden.

Spieltag 9 ist schon wieder vorbei. Spannend war’s und vor allem lehrreich:

Klinsis Philosophie
Fußball ist vor allem deshalb so beliebt, weil es so einfach ist. Und dementsprechend gibt es auch nur genau zwei Fußball-Philosophien. Die eine stammt von einem holländischen Defensiv-Weisen und lautet „Die Null muss stehen“. Das Gegenmodell heißt „Stets mindestens ein Tor mehr schießen als der Gegner“. Namhaftester Vertreter dieser Theorie ist ein 44jähriger Schwabe mit Bäcker-Ausbildung, der seit dieser Saison ganz große Brötchen backen darf und den deutschen Rekordmeister auf Erfolgskurs bringen soll. Das sonnige Gemüt des Trainer-Novizen, das ihm auch schon den Beinamen „Grinse-Klinsi“ einbrachte, schlägt sich nun auch in seiner Fußball-Philosophie wieder: „Immer nur nach vorne, weil: Verteidigen ist langweilig“. Und genau das war auch das Erfolgsrezept der Bayern an diesem Spieltag gegen Wolfsburg. Der einkalkulierte 0:2-Rückstand ließ den Bayern-Reformator denn auch ganz kalt. Lässig befahl er seinen Mannen, doch jetzt einfach Tore zu schießen, und zwar mindestens drei. Die taten, wie ihnen befohlen und gewannen am Ende ganz locker 4:2. Haken an der Sache: Die Niedersachen hätten gegen die Wackelpeter-Abwehr eigentlich auch noch wenigstens zwei Tore machen können oder müssen. Machten sie aber nicht. Und deshalb wird in München auch weiterhin das „Modell Bremen“ praktiziert. Soll heißen: Stürmen, bis der Arzt kommt. Der ist allerdings längst da. Wird also Zeit, dass MüWo den Bayern-Kickern ein Abwehrmittel verschreibt. Wie wär’s mit Disciplina defensiva – hilft immer gegen Morbus Klinsmann.

Alles neuer macht der Meyer
…heißt es nun seit einer Woche in Mönchengladbach. Oder nicht ganz. Denn tatsächlich hat der 65jährige Trainerfuchs und Reporter-Schrecken nicht alles anders gemacht, sondern wohl nur vieles besser. Denn kaum ist er da, läuft’s wieder bei der Borussia. Und so wurde der KSC gleich mal mit einem 1:0-Kantersieg nach Hause geschickt. Hans Meyer ist eben die personifizierte Erfolgsgarantie und vermittelt allen Borussen das sichere Gefühl, dass es wieder aufwärts geht. Oder wie es der Meister der launischen Verbalattacke mit seinen Lieblingsformulierungen zum Ausdruck bringen würde: Gehen Sie ruhig davon aus, dass die Fohlen aber mal so richtig erfolgreich sein werden. Gehen wir, Hans, aber mal so richtig. So bleibt uns Meyer noch lange erhalten. Und das ist auch gut so. Denn Meyer macht nicht nur manches neuer und vieles besser, sondern die Liga auch sehr viel interessanter.

Der Tag der Zweiten
Der 9. Spieltag war auch der Tag der Ersatztorhüter. Fromlowitz, Vander, Eilhoff und Gospodarek sicherten ihren Teams mit ihren Paraden wichtige Punkte. Umgekehrt bot jede Mannschaft, die an diesem Spieltag verlor, ihren Stammtorhüter auf. Ob sich die Herren Kessler, Kornetzky, Piplica, Renno, Hesl und Lenz jetzt Hoffnungen machen dürfen? Eher unwahrscheinlich. Aber immerhin lernen wir daraus:  Mit dem Zweiten hält man besser!

Immer wieder Hoffenheim
Hoffenheim mal wieder. Haut den HSV mal ganz locker 3:0 weg. Einfach mysteriös. Da sind alle Erklärungsversuche zum Scheitern verurteilt. Weil: Erklären kann man das nicht. Außer man heißt Udo Lattek. Der hat bislang noch jedes vermeintlich unerklärliche Fußballphänomen mittels einer verblüffend simplen Erklärung auf die Verständnisebene des naiven Fußball-Fans runtergebrochen. Also Udo, hilf. Wir verstehen es nicht mehr. Sind es nun die vielbeschworenen Automatismen oder ist es die mystischen Kraft der Erfolgserlebnisse oder aber die Euphoriewelle eines Aufsteigers? Also Udo, sag’s uns! Wir sind ratlos!

Rheinische Rivalitäten
Bereits am Freitag fand das explosivste, heißeste, kribbeligste Derby der Welt statt. Bayer gegen den FC! Leverkusen und Köln, das ist ja wie Feuer und Wasser, wie Nitro und Glycerin, wie Ballack und Löw. Inzwischen nimmt man es mit der Rivalität aber nicht mehr so genau. Und so finden sich heute auf Seiten von Bayer mit dem hochsterilisierten Bruno und dem treffsicheren Patrick zwei ehemalige Kölner wieder. Auch beim FC setzt man auf Kräfte aus den Reihen des Erzrivalen und lässt die Spielerwaden nur noch von Miraculix Trzolek durchkneten. Trainieren darf die Mannschaft mit Christoph Daum ebenfalls ein Ex-Leverkusener. Der übrigens sollte nach dem Spiel zum Premiere-Interview erscheinen, blieb aber lieber in der Kabine, um sich dort – als Erinnerung an alte Leverkusener Zeiten – erstmal das Näschen zu pudern. Vielleicht war er aber auch einfach genervt – nach einer 2:0-Niederlage ist man ja schon mal… verschnupft!

Und da war doch nach was?
Genau! Der Nationalmannschaftszwist zwischen Bruce Löw und Michaela Ballack hing bleischwer über diesem Spieltag. Kein Interview ohne die ultimative Standardfrage nach einem Statement zum DFB-Kindergarten. Derzeit redet alle Welt über die beiden Streithähne, die vorerst aber nicht miteinander reden. Lassen wir dieses Thema daher beiseite und wenden uns lieber dem Topspiel dieses Wochenendes zu. Das endete 1:2. Gemeint ist natürlich das legendäre Lokalderby zwischen dem TuS Birk und dem FSV Neunkirchen-Seelscheid, dem das DSF an diesem Sonntag eine Live-Übertragung mit allem Pi, Pa und Po widmete.  „Was soll der Spökes?“ fragt sich da der Fußball-Freund ganz zu Recht. Vielleicht will der Gewinnspielsender mit diesem Ausflug an die Basis sein angeschlagenes Image aufpolieren. Und ganz nebenbei neue Kundschaft für das hauseigene Sport-Quiz akquirieren. Bald heißt es also nicht mehr „Automarken mit A“, sondern „Kreisliga-Mannschaften mit B“.  Apropos A & B, das war’s mit dem dieswöchigen Fußball-ABC.