Samstagabend-Shows adé

29. Dezember 2008

Wetten dass..?” ist das Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung, das seit geraumer Zeit allein auf hoher See segelt. Denn man vermisst die gute alte Samstagabend-Show, für die heutzutage “Wetten dass..?” das Monopol in Anspruch nimmt. Früher konnte man sich jeden Samstagabend eine andere große Show anschauen: “Die verflixte Sieben”, “EWG”, “Nase Vorn”, “Flitterabend” - um nur einige zu nennen.

Und heute? Außer “Wetten dass…?” Ebbe! Stattdessen gibt es Volksmusik im Dreivierteltakt: Silbereisen, Nebel und Borg! Wer einmal den Mut beweist, für zehn Minuten da reinzuschauen, kommt aus dem ungläubigen Kopfschütteln nicht mehr heraus. Niveau? I wo!

Am ehesten kann noch Stefan Raab mit seinem Spielewettbewerb “Schlag den Raab” den Anspruch auf eine echte Samstagabend-Show erheben, wenngleich seine Sendung freilich vorwiegend am jüngeren Publikum ausgerichtet ist.

Wieso also ist die gute alte Samstagabend-Show bis auf das Relikt “Wetten dass…?” ausgestorben?

Vielleicht wirkt auch hier der demographische Faktor. Das Publikum wird älter und die öffentlich-rechtlichen Sender, deren Konzept ohnehin auf “Ü 70″ ausgerichtet ist, tragen dem Rechnung, indem sie ihr Programm volkstümlicher gestalten.

Vielleicht sind die klassischen Samstagabend-Shows mit ihrem betulichen Rhythmus auch einfach nicht mehr zeitgemäß. Hm? Eher unwahrscheinlich, schließlich haben die nicht gerade spektakulären Quizsendungen ja auch unlängst ein Revival erfahren.

Vielleicht ist auch der Mangel an charismatischen Moderatoren schuld, dass man sich nicht mehr an eine ganz große Show herantraut. Echte Typen wie einen Kulenkampff oder Carrell wird man heute nicht mehr finden.

Vielleicht liegt es aber einfach an der Einfallslosigkeit der Programm-Macher, die es schlicht nicht schaffen, ein überzeugendes Konzept für eine neue Samstagabend-Show auf die Beine zu stellen.

Mir scheint Letzteres am wahrscheinlichsten. Denn die Generation Golf lechzt nach einer Renaissance der klassischen Samstagabend-Show. Wetten dass?

Deutsche Ideen

22. Dezember 2008

Aus Parteitagen gehen manchmal Vorschläge hervor, die so radikal neu sind, dass man glaubt, die Uhren würden ab sofort rückwärts gehen. Jüngstes Beispiel: Der CDU-Parteitag, auf dem die Idee laut wurde, Deutsch als Staatssprache in der Verfassung zu verankern. „Oha“ mag man denken, „was passiert nu?“ In der Tat könnte diese innovative Überlegung die Grundfeste unserer Republik, in der ja neuerdings nur noch ein unverständliches Kuddelmuddel aus Englisch, Türkisch und ein paar Brocken Deutsch gesprochen wird, in ihren Grundfesten erschüttern.

Nun also sollen wir wieder Deutsch reden. Und damit wir uns auch alle daran halten, schreibt man das gleich mal in der Verfassung nieder. Damit auch keiner kommen kann, von wegen „Wo steht das?“ - „Im Grundgesetz“, wird man dann bald, vielleicht, möglicherweise sagen können. Wenn, ja wenn das nicht so läuft wie sonst immer mit diesen ultimativ revolutionieren Ideen, an die sich spätestens nach zwei Wochen keine Sau mehr erinnert.

Und wahrscheinlich wird es auch diesmal so kommen. Denn irgendwie haben wir ja doch dringendere Sorgen als so etwas Selbstverständliches ins Grundgesetz zu schreiben. Zumal das in der Sache wohl auch nichts ändern würde. Jeder wird weiter so sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und das ist auch eigentlich richtig so. Aber in der Tat wären ein bisschen mehr Deutsch und ein bisschen weniger multi-linguales Kauderwelsch durchaus wünschenswert. Doch was das Grundgesetz damit zu tun hat… Keine Ahnung.

Haken wir das Ganze also ab unter W wie Wahlkampfgetöse. Denn mit solch einer Diskussion führt die Union ihrer Wählerschaft abermals vor Augen, wie besorgt sie doch ist, um Sprache, Kultur und Anstand im Vaterland. Das soll sie ruhig tun, wenn sie sonst keine anderen Sorgen hat. Bemerkenswert ist übrigens, dass der Parteitag, der diesen genialen Vorschlag hervorbrachte, in Stuttgart standfand. Also in der Hauptstadt eines Bundeslandes, dessen Leitspruch lautet: Wir können alles  – außer Hochdeutsch.

Die Vorweihnachtszeit gilt als Zeit der Besinnlichkeit und Barmherzigkeit, ist aber auch und vor allem stets eine Ära der Scheinheiligkeit. Denn mit einer großzügigen Gabe für einen karitativen Zweck kann man kurz vor dem großen Fest noch etwas Gutes tun und das angeschlagene Gewissen ein wenig besänftigen. Das mag bigott sein, ist aber letztlich doch so menschlich. Und da am Ende ja doch ein positiver Effekt steht, ist dieser scheinheilige Zug des Menschen letztlich gut erträglich.

Unerträglich sind hingegen die groß aufgezogenen Spendengalas im Fernsehen, die auf dem altbekannten Leitzsatz „Tu‘ Gutes und sprich darüber“ aufbauen. Soll heißen: Wenn der eigene Name zusammen mit der geleisteten Spendensumme im Fernsehen eingeblendet wird, ist dies ein guter Anreiz, um auch einmal etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen. Diese Kosten-Nutzen-Überlegung wäre ja durchaus verkraftbar, würde die vermeintlich edelmütigen Spender nicht mit dem Habitus der Selbstlosigkeit auftreten.

Das gilt für den privaten Spender von nebenan, aber insbesondere für die Unternehmen dieses Landes, die die Unterstützung karitativer Einrichtungen weniger als soziale Pflicht denn als Marketing-Investment begreifen. Denn wird eine Spende öffentlichkeitswirksam präsentiert, fördert sie das Image. Wäre es anders, könnten die betreffenden Unternehmen auch im Geheimen spenden, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nähme. Sie tun es jedoch nicht.

Den Veranstaltern solcher Spendensendungen kann man ihr Vorgehen natürlich nicht verübeln. Sie wollen möglichst viele Spenden sammeln, ganz gleich ob sie nun aus wahrhaftiger Mildtätigkeit oder Geltungsdrang herrühren. Letzteres stört sie nicht. Im Gegenteil, sie machen sich diese Unsitte gerade zu nutze, um das Spendenaufkommen zu erhöhen. Und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Denn hier gilt mehr denn je: Der Zweck heiligt die Mittel!

Gleichwohl sollte man all denjenigen auf den Zeigefinger klopfen dürfen, die eben jenen in die Luft recken als wollten sie sagen „Seht mal her, wie großherzig ich doch bin!“. Ihnen darf man ein ehrliches „Seid ihr nicht“ entgegenrufen und unumwunden feststellen, dass vorgetäuschte Barmherzigkeit widerwärtig ist.

Im Sinne des Spendenaufkommens mag das Prahlen mit der eigenen Mildtätigkeit sogar positiv wirken, kann sie doch ähnlich veranlagte Menschen dazu animieren, nach dem gleichen Prinzip vor zu gehen und selbst mal den einen oder anderen Euro zu erübrigen. Solch ein Domino-Effekt ist der Sache zuträglich, aber gleichsam kein gutes Zeichen für den moralischen Status quo der Gesellschaft.