Ikone des Neubeginns

26. Januar 2009

Barack Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Mit dem Amerika-üblichen Pomp wurde er am vergangenen Dienstag in sein Amt eingeführt und hält nunmehr die Geschicke der USA und nolens volens der gesamten Welt in seinen Händen. Die Begeisterung unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl im November und die Feierlichkeiten in den Tagen vor der Amtseinführung haben gezeigt, wie sehr Amerika diesen Wechsel herbeigesehnt hat. Die Vergangenheit soll ruhen, die Zukunft soll besser werden, dank des Heroen des neuen Amerikas.

Längst schon ist Barack Obama kein Politiker oder Staatsmann mehr. Selbst das Etikett des mächtigsten Mannes der Welt scheint dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht hinreichend gerecht zu werden. Er ist die Ikone einer Bewegung, Symbol des Neubeginns, mit dem sich alles, aber auch wirklich alles in den USA und auf der ganzen Welt zum Guten wenden solle. Ob Obama diese Erwartungshaltung zum Verhängnis wird, wird die Zeit zeigen. Fest steht bereits jetzt, dass er die in ihn gesetzten Hoffnungen unmöglich wird erfüllen können. Er ist nicht der Messias des 21. Jahrhunderts, zu dem ihn die Medien hochstilisiert haben. Barack Obama ist ein äußerst begabter Politiker, mit einzigartigem Charisma und der beneidenswerten Gabe, Menschen durch seine Aura begeistern und für sich gewinnen zu können, aber eben doch nur ein Politiker.

Es muss nachdenklich stimmen, dass zumindest die halbe Welt ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft an einem einzelnen Menschen festmacht. Systeme, Ideen und Überzeugungen scheinen wie weggewischt angesichts der Ausstrahlung eines Menschen. So positiv seine Erscheinung – vor allem auf dem Hintergrund des Auftretens seines Vorgängers – zu werten ist, so fragwürdig ist doch die derzeitige Fokussierung auf seine Person.

Es ist daher zu begrüßen, dass Obama in seiner ersten Rede als neuer Präsident darauf hingewiesen hat, dass es nicht das Können und die Visionen der Politiker waren, die das Land nach vorne gebracht haben, sondern die Tatkraft der Bürger. Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben. Auch unter einem Präsidenten Obama. In seinem Sinne bleibt zu hoffen, dass sich die vorbehaltlose Bewunderung in nachhaltiges Vertrauen verwandelt und auch in schweren Zeiten anhält. Good luck, Mr. President!

Besser gemacht?

19. Januar 2009

Ob Jürgen Klinsmann wirklich gewusst hat, was er da sagte, als er zu seinem Amtsantritt ankündigte, jeden Spieler ein Stück weit besser machen zu wollen? Wir wissen es nicht. Aber Fakt ist: Die individuelle Verbesserung eines jeden Spielers sollte eigentlich selbstverständliches Ziel eines jeden Trainers sein. Klinsmann jedoch hat es ausdrücklich zum Dogma erhoben und muss sich daran messen lassen. Redlicherweise sollte man ihm für sein Projekt jedoch Zeit gönnen. Insofern kann die Bestandsaufnahme zur Winterpause nur eine Zwischenbilanz sein.

Zu Beginn der Saison sah alles danach aus, als wäre Bastian Schweinsteiger der erste Spieler, bei dem Klinsmanns Projekt “Individual Improvement” Früchte tragen würde. Schweinsteiger traf, bereitete vor, wuselte über den Platz und schoss selbst die eine oder andere Ecke entgegen eigener Angewohnheit zielgenau in den gegnerischen Strafraum. Jetzt, nach 17 Spieltagen, fällt die Bilanz ungleich trister aus. Von der anfänglichen Verbesserung ist bei Schweini, der jüngst wieder in die alte Lethargie verfallen ist, nichts mehr zu sehen. Standardsituationen werden wie in den guten alten Zeiten fahrlässig verdaddelt, von Abschlussstärke ist nichts mehr zu sehen und auch die größte Schwäche Schweinsteigers, das mangelnde Durchsetzungsvermögen im Zweikampf, tritt in schmerzhafter Deutlichkeit hervor. Es bleibt also die ernüchternde Feststellung, dass sich bei Schweini im Endeffekt wenig bis gar nichts verändert hat. Er ist leider wieder ganz der Alte.

Schweinsteigers diskrete Leistungen fielen in der Vergangenheit jedoch kaum auf, da Ribéry groß aufdrehte zu und das Bayern-Spiel nachhaltig belebte. Das Auswärtsspiel in Stuttgart hat bewiesen, dass der Rekordmeister derzeit auf seinen quirligen Franzosen nicht verzichten kann, der sich im Laufe der Hinrunde peu á peu gesteigert hat. Zweifelhaft bleibt, ob diese Steigerung auf den Klinsmann-Effekt zurückzuführen ist. Denn genau genommen hat sich Ribéry nach seinem verletzungsbedingten Ausfall jetzt nur wieder an das Niveau herangetastet, das ihn bereits in der Vorsaison ausgezeichnet hat. Klinsmann dafür verantwortlich zu machen, bedarf schon hoher Argumentationskünste.

Eine positive Entwicklung kann man indes bei Phillip Lahm ausmachen, der sich mehr und mehr zu einem Linksverteidiger von Weltklasseformat mausert und auch in dieser Vorrunde ansteigende Form bewiesen hat. Auffällig ist vor allem eine beeindruckende Zweikampfstärke, wie man sie in dieser Dimension bislang nicht kannte. Wenn Klinsmann einen Spieler gemäß seiner Zielsetzung besser gemacht hat, dann Philipp Lahm.

Im Defensivbereich fällt das Fazit ansonsten weit negativer aus. Bereits 24 Gegentreffer hat die Bayern-Abwehr zugelassen, nicht zuletzt weil Martin Demichelis nur selten an die großartigen Leistungen der Vorsaison anknüpfen konnte. Die Unsicherheit in der Defensive ist das große Manko des Bayern-Spiels. Klinsmann Verbesserungsprinzip hat hier, sieht man von der Reduzierung unnötiger Tempovorstöße Lucios ab, noch nicht gegriffen. Im Gegenteil. Hier hat sich einiges zum Schlechten verändert.

Bei der großen Vorher-Nachher-Bilanz kann positiv vermerkt werden, dass der sogenannte Aggressiv-Leader aus Holland sein Temperament inzwischen besser im Zaume hält und der Mannschaft regelmäßig über 90 Minuten zur Verfügung steht. Ein Abwärtstrend ist hingegen beim kompletten Sturm auszumachen: Luca Toni zeigt sich ungewohnt abschlussschwach, Miro Klose fehlt weiterhin das Feuer und Lukas Podolski… ist ein Fall für sich.

Ansonsten wird man wohl keine weiteren Spieler ausmachen, die sich gegenüber der letzten Spielzeit entscheidend verbessert haben. Allerdings sollte man, da dieses Projekt langfristig angelegt ist, Klinsmann Zeit geben, um dem einen oder anderen Akteur den nötigen Feinschliff zu verleihen.

Interessant ist in dem Zusammenhang eine Aussage des Chefcoaches, die er im Frühherbst zur Rechtfertigung seiner Rotationsmaschine tätigte. Seinzerzeit verwies Klinsmann darauf, dass er allen Spieler eine Chance geben wolle sich zu beweisen. Schließlich, so Klinsmann wörtlich, drängten sie in die Mannschaft. Ein Kroos, ein Borowski, ja sogar ein Sosa. Davon ist jetzt allerdings nichts mehr zu bemerken. Ein Kroos darf sich schon glücklich schätzen, wenn er einmal auf der Bank Platz nehmen darf. Und von einem Sosa, dem vermeintlichen Supertalent aus Südamerika, ist inzwischen noch weniger als von Breno zu sehen, dem der gleiche Ruf voraus eilte. Sosa scheint sich demnach in die Liste der Fehleinkäufe aus Südamerika einzureihen. Und in diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass Klinsmanns Grundsatz, jedermann besser machen zu wollen, vor allem schnellstmöglich bei der Scouting-Abteilung greift.

Thorstens Twitter

12. Januar 2009

Die Vögel zwitschern es bereits von den Dächern: Das mit der Landtagswahl in Hessen kann nicht gut ausgehen für die SPD. Und da Hessens charismatischer Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel auch gerne mal mitzwitschern möchte und da Zwitschern auf Englisch „tot witter“ heißt, twittert TSG jetzt, was das Zeug hält. Twitter ist eines dieser vielen sozialen Netzwerke im Internet, mit dem man – auf 140 Zeilen komprimiert – das in die virtuelle Welt hinausposaunen kann, was einem geradeauf dem Herzen liegt, ganz gleich ob es nun links oder rechts schlägt. Unter http://twitter.com/tsghessen kann man also nun nachlesen, welche bedeutungsschweren Botschaften der geheimste aller Geheimfavoriten auf den Posten des Ministerpräsidenten dieser Tage in die Welt entsendet.

Wer wissen will, was TSG in den letzten Tagen vor der Wahl alles so unternimmt, denkt, hofft und glaubt, ist hier richtig. Der KDW hat schon einmal vorgetwittert (der Übersichtlichkeit halber entgegen Twitter-Regeln chronologisch):

Ganztagsschulen für alle! Auch für Akademiker! 5:08 PM Jan 12th

2500 Euro sind mir! Verkauf gleich meinen 81er Ford-Taunus und kauf mir nen Opel Ypsilanti! # Konjunkturpaket 1:50 PM Jan 13th

Nächster Termin: Neujahrsempfang mit einem gewissen Matthias Platzeck! Wer war das nochmal? 6:45 PM Jan 13th

Morgen allerseits! War grad im Radio! Lief prima! Durfte mir auch ein Lied wünschen: „The Lonley Shepherd“ 8:07 AM Jan 14th

Mahlzeit! Mittagessen: Fischstäbchen mit Kohlrabi! Dazu ein sauer Gespritzter! # übler Schluckauf 1:01 PM Jan 15th

Der Spiegel lügt nicht! Den Schönheitswettbewerb mit der Gesichtspizza gewinn ich locker! 11:23 PM Jan 15th

Neueste Umfrage: Nur noch 15% Rückstand! Das schaffen wir! Wann war nochmal die Wahl? 18. Juli? 6:54 PM Jan 16th

Mist! Ist doch schon morgen! Wird knapp! 10:12 AM Jan 17th

Kreuzchen gemacht! Nach langem Hin und Her! Gar nicht so leicht bei der Auswahl! 11:19 AM Jan 18th

Prognose ist raus! Wir liegen mit hauchdünnem Abstand auf Platz 2. Die 19% holen wir noch # Prognosefehler 6:01 AM Jan 18th

Amtliches Endergebnis: Sieht nicht so gut aus. Immerhin drittstärkste Kraft! Podestplatz! Bronze! 10:58 PM Jan 18th

Ich geh nach Berlin, werd Bildungsminister! 12:00 AM Jan 19th