Die Liga-Lehren diesmal mit Fokus auf das Derby-Wochenende in ulta-modernem Honk-Duktus:

Heiko
Heutzutage geht ja gar nichts mehr ohne Innovationen, frei nach dem Motto “Change happens”. Oder so ähnlich. Heißt für diese Reihe konkret: Immer den Finger am Puls der Zeit, immer nah dran an der Leserschaft. Die Lektüre der Kommentare ist daher unumgängliche Pflicht. Und eben dort in den Kommentaren starte ein User (der Vollständigkeit halber: es war ein Honk) eine reichlich unorthodoxe Initiative, indem er in Anspielung auf Bochums Jungcoach das altbackene “herrlich” mehrfach durch ein hippes “Heiko” ersetzte. Die Liga-Lehren greifen solch futuristische Ideen natürlich dankbar auf und fassen das Spieltagsgeschehen in Manuel Honk-Diktion so zusammen: Schwerer Albert zwischen Magath und Henkel. Julian-Vorwürfe gegen Babak Rafati. Demba Ba tanzt mit Arne Friedrich Du-Ri Du-Ri Du-Ri. Auf Herthas Klassenerhalt setzt man nicht mal mehr einen Dr. Theo. Cacau mausert sich zum Tor-Jonathan. Und die Nürnberger Arjen sich langsam nach vorne.

Im Konstantin
In dem Sinne stellen wir also fest: Die DFL ist ein Christian. Hat sich mal eben gedacht: Nach dem ganzen unwürdigen Rumgewürge zum Start der Rückrunde hauen wir mal so einen richtigen Hammerspieltag raus, mit neun absoluten Topkrachern und gefühlten zwölf Derbys, um den deutschen Fußball-Fan mal in einen veritablen Konstantin zu versetzen. Eine sehr Peer Überlegung. Oder sagen wir es etwas Paul: Fußball-Rob, was willst du mehr?

Gemüse
Das derbyiste Derby gab es dann gleich zu Beginn, sozusagen als Gegenentwurf zum Prinzip Brokkoli. War aber weder Fisch noch Fleisch, sondern ziemlich vegetarisch. Glaubt man nicht, ist aber so. Weil: Erst Saure-Gurken-Halbzeit. Dann Elfer, Schalker Schiri-Proteste, Vorwurf: Tomaten auf den Augen. Sahin interessiert das die Bohne, haut volle Möhre drauf. Danach gerät Dortmunds junges Gemüse in Unordnung. Abwehr ist nur noch Kraut und Rüben. Gegen Rakitics Hammer ist aber kein Kraut gewachsen. Zum Schluss noch etwas Hin und Her, aber das – macht den Kohl auch nicht fett. Der BVB verliert das Derby – da haben sie den Salat. Bon appetit.

Derby
Nur so nebenbei, tut ja eigentlich nichts zur Sache, aber: Was ist eigentlich ein Derby? Wir machen es kurz, sparen uns den ganzen historischen Schmonzes und rotzen einfach mal die wikipedia-Definition hin. Danach ist ein Derby ein Wettkampf, bei dem zwei stark rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinander treffen. Und da Rivalität laut wikidings so viel bedeutet wie Kampf um die Vorherrschaft, war das Samstagsabendmatch qua Definition kein Derby. Weil der 44 Jahre jüngere FC 48 noch immer mehr Tradition zu bieten hat als Bayer 04. Weil der FC schon drei Mal Deutscher Meister war, was Leverkusen, wie wir nicht erst seit Samstag wissen, nie sein wird. Weil einem zu dem Spieltagstopmatch, das trotz Kölner Leidenschaftsflash temperamentsmäßig diesmal schwer in Richtung Soldo ging, sonst rein gar nichts mehr einfällt. Und weil der FC-Fan nun einmal tierisch darauf steht, wenn man sich mal so richtig an ihn ranschmeißt. Genau deshalb stellen wir hier noch einmal fest, dass die Vorherrschaft des FC im Rheinland absolut unantastbar ist. Ranschmeißdanksagungen bitte unter per Kommentar.

Dresscode
Hier irgendwas von einem Nord-Süd-Derby erzählen zu wollen, wäre natürlich grober Unfug. Sagen wir also Traditionsmatch. Kommt hin, schließlich holten die Bayern zum 110. Geburtstag auch extra ihren ultramodernen 70er Jahre Retro-Zwirn raus. Hieß es vorher. War aber nicht so. Denn gegen eine Mannschaft aus Norddeutschland darf man nun einmal nicht aussehen wie ein Leuchtturm. Und weil man so mit Dresscode-Fragen beschäftigt war, geschah das, was man bei den Bayern unbedingt vermeiden wollte: Tabellenführung – zum ersten Mal nach gefühlten 110 Jahren. Aber nun ist es zu spät.

Angetäuscht
Überhaupt war das war ja ein ziemlich bunter Spieltag. Beispiel Mainz: Als Florian Heller Bremens orangenes Straßenreinigungsoutfit erblickte, sah er Rot, was Schiri Rafati farbadäquat zu beantworten wusste. Allerdings war Hellers Tätlichkeit gegen Hunt, wie Manager Heidel gesehen hatte, lediglich angetäuscht. Und zwar genauso angetäuscht wie Vanders Parade bei Bancés Ausgleichsschuss. Ganz schön gewieft, der Heller. Einfach mal so den Schiri reinzulegen. So ein Schlitzohr!

Sorry
Wir kommen nicht drum rum: Sorry, Cacau! Da haben wir dich letzte Woche nicht so ganz ernst genommen. Vier Tore gegen den FC. Kann ja jeder. Haben wir zwar nicht gesagt. Aber gedacht. Und das so zwischendenzeilentechnisch ein wenig durchblicken lassen. Doch nach einem Tor gegen Magic Barca und zwei Buden gegen Skibbes Ligaschreck leisten wir Abbitte und möchten den Fauxpas wieder gutmachen. Indem wir anregen, diese verstaubte “Phönix-aus-der-Asche”-Phrase umgehend durch ein ultramodernes “Wie Cacau von der Ersatzbank” auszutauschen. Oder durch eine Löw-Petition “Cacau für die Startelf”. Aber so wie wir Jogi kennen, steht zu befürchten, dass das gar nicht mehr erforderlich ist.

Heiko Haiku
Und als Abrundung noch ein kleines Heiko. Oder Haiku – wie man will:
Revierderby –
Dortmund trifft und Schalke doppelt.
Zweizueins.

Und was lernen wir daraus? So ein Haiku ist keineswegs Heiko, sondern ziemlich Philipp. Dann lieber Limerick:
Ein Magath traf auf einen Henkel,
altersmäßig fast sein Enkel,
der stellte Fragen, ziemlich fiese,
da kriegte Felix eine Krise
“Ach Jan, du gehst mir auf den Senkel!”.

Kommentar
Aber natürlich kann man solch einen handfesten TV-Eklat nicht so lapidar pseudo-lyrisch abarbeiten. Da bedarf es schon eines seriösen Tagesthemen-tauglichen Kommentars mit moralischem Zeigefinger. In dem Sinne, Herr Magath: Wenn man Trainer einer Mannschaft ist, die Woche für Woche einen menschenrechtswidrigen, herthaesken Rumpelfußball “spielt” , bei dem sich andere Fans (wie Arnd Zeigler) die Pulsadern öffnen würden, sollte man besser nicht auf die bösen Journalisten schimpfen. Oder frei nach Dieter Nuhr: Wenn man scheiße spielt, einfach mal Klappe halten. So, das war hoffentlich seriös genug.

Und was gab’s noch?
Das unwiderstehliche Schwaben-Katalanen-Derby mit aufopferungsvoll kämpfenden VfB-Horsts. Und eben jener Horst, Vorname Heldt, bilanzierte nach dem Match seltsam zweisilbig: “Bockstark!”. Was natürlich keine Anspielung auf das Leistungsniveau der Geißbock-Elf darstellen sollte. Vermuten wir mal. Denn die Leistung der Stuttgarter war so herausragend, dass es selbst die sonst so respektlosen Liga-Lehren nicht wagen würden, den VfB durch den Geronimo zu ziehen. Die VfB-Fans konnten wahrlich Alexander auf ihre Mannschaft sein. Denn wie die zeitweise ganz Christian aufspielte, das war schon ziemlich – Heiko.

Was wurde in den letzten Tagen nicht alles geschrieben und gesprochen in der sogenannten Affäre Amerell. Doch vieles dessen, was in der publizierten Meinung zu vernehmen war, kam über den Stellenwert von Spekulationen nicht hinaus. Dabei besitzt der Vorwurf der sexuellen Belästigung samt der sich daraus ergebenden Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des deutschen Schiedsrichterwesens eine Brisanz, die keine eiligen Vorverurteilungen duldet. An dieser Stelle soll es daher lediglich darum gehen, die Sachlage nüchtern einzuordnen – ohne jedwede Polemik.

Worum geht es: Manfred Amerell, Schiedsrichtersprecher des DFB und Mitglied des Schiedsrichterausschusses, soll Bundesligareferee Michael Kempter sexuell belästigt haben. Es handelt sich dabei wohl gemerkt um einen Verdacht, der sich auf eine Mitteilung Kempters an den DFB gegründet. Daraufhin eingegangene Meldungen anderer DFB-Schiedsrichter über weitere Belästigungsfälle sind indes nur weitere Indizien. Einen Beweis liefern sich als solche nicht. Beweischarakter besitzt auch nicht der Rücktritt Amerells, der von DFB-Präsident Theo Zwanziger gleichwohl ausdrücklich als Schuldeingeständnis gewertet wurde. Für den Rücktritt Amerells kann es auch andere, gut nachvollziehbare Gründe geben. So könnte Amerell auf diesem Wege versucht haben, einen Teil des öffentlichen Drucks von sich abzuschütteln.

Denn Fakt ist: Der ehemalige Schiedsrichtersprecher bestreitet die Vorwürfe gegen seine Person und prangert das Vorgehen des DFB an, welcher ihm die Einsicht in die vorliegenden Akten verwehrt. Der DFB wiederum verweist darauf, dass sich die Angelegenheit durch Amerells Rücktritt erledigt habe und somit ein zur Akteneinsicht berechtigendes Verfahren nicht mehr existiere. Daran ist richtig, dass die Klärung der gegen Amerell erhobenen Vorwürfe als solche nicht in die Zuständigkeit des Deutschen Fußballbundes fällt. Sexuelle Nötigung stellt einen Straftatbestand dar, dessen Behandlung vor den ordentlichen Gerichten erfolgen muss. In einem solchen Verfahren würde Amerell dann auch rechtliches Gehör und damit auch Akteneinsicht gewährt werden.

Es geht andererseits aber eben nicht nur um einen strafrechtlich relevanten Vorwurf, sondern vor allem um Verflechtungen innerhalb des deutschen Schiedsrichterwesens. Denn fest steht, dass Amerell und Kempter ein sehr privates Verhältnis gepflegt haben. Amerell selbst räumt ein, dass die Freundschaft “sehr eng” gewesen sei. Wie intim diese Beziehung genau gewesen war, mag die Öffentlichkeit zunächst einmal nichts angehen. Privatsphäre muss Privatsache bleiben. Andererseits aber bestand zwischen Schiedsrichterbeobachter Amerell und Protégé Kempter ein Abhängigkeitsverhältnis. Ob Amerell dieses wirklich missbraucht hat, kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilen. Doch allein das Aufkommen entsprechender Mutmaßungen ist eine Katastrophe. Für Manfred Amerell, der in akute Rechtfertigungszwänge geraten ist. Für Michael Kempter, der sich gegenüber der Öffentlichkeit und insbesondere den Schiedsrichterkollegen dem Vorwurf erwehren muss, den persönlichen Aufstieg durch private Beziehungen ermöglicht zu haben. Und nicht zuletzt für das Schiedsrichterwesen als solches, dessen Ruf jüngst stark gelitten hat.

Kritiker bemängelten immer wieder die mangelnde Transparenz und sahen in dem von Volker Roth nach Gutsherrenart geführten Schiedsrichterausschuss ein System der Vetternwirtschaft. Auch hierbei handelt es sich nur um Vermutungen und Wertungen, die sich einer detaillierten Nachprüfung entziehen. Doch die Vorgänge der letzten Wochen und dabei insbesondere Volker Roths Hinhaltetaktik, die ein Publikwerden der Vorwürfe verhindern sollte, stützen die Thesen der Kritiker. In jedem Falle müssen die verkrusteten Strukturen im deutschen Schiedsrichterwesen endlich aufgebrochen werden. Entscheidungsprozesse müssen transparenter und damit nachvollziehbarer werden, insbesondere wenn es um die Einstufung und Förderung deutscher Topschiedsrichter geht. Mit Herbert Fandel, der Volker Roth noch dieses Jahr im Amt des Schiedsrichterausschussvorsitzenden nachfolgen wird, könnte sich hier aber schon einiges zum Besseren wenden.

Natürlich wird es aber demnächst in besonderem Maße um die Frage gehen, wie Spieler und Zuschauer mit der Homosexualität eines Schiedsrichters umgehen. Zugrunde liegt hier im Übrigen kein Verdacht. Denn bei einem Verdacht handelt es sich definitionsgemäß um die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Übels. Homosexualität ist, zumindest heutzutage und hierzulande, aber eben kein Übel mehr. Soweit die Theorie. Ob die praktische Wirklichkeit genauso aussieht, muss man bezweifeln. Der Fußball als eine mit patriarchisch-chauvinistischen Stereotypen belegte Männerdomäne hat sich mit dem Thema Homosexualität bislang allenfalls am Rande beschäftigt. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind im Männerfußball nach wie vor tabuisiert. Und insofern wird man abwarten müssen, wie die Beteiligten mit dieser Thematik umgehen. Eigentlich sollte sie als Teil der Privatsphäre für Dritte keine Bedeutung besitzen. Wahrscheinlich wird dies auf dem Feld auch so sein. Ob die Zuschauer auf den Rängen, die – geschützt durch die Anonymität der Masse – eh nicht zimperlich mit Verunglimpfungen der Unparteiischen sind, genauso sensibel sind, wird man bezweifeln müssen. Michael Kempter kann man nur die Kraft wünschen, um den bevorstehenden Spießroutenlauf einigermaßen zu überstehen.

Schließlich, und das könnte letztlich sogar die wichtigste Lehre sein, lässt der neuerliche Eklat weitreichende Rückschlüsse auf den Führungsanspruch des DFB-Präsidenten zu. Jener Theo Zwanziger, der sich durch besonnene Rhetorik und persönliche Unabhängigkeit so wohltuend von seinem Vorgänger absetzte, scheint zusehends überfordert, wenn es darum geht, die Geschicke des größten Fußballnationalverbandes in die richtigen Bahnen zu lenken. Dies hat das unglückliche Auftreten im Konflikt mit Joachim Löw und Oliver Bierhoff nahelegt. Und dies wird angesichts der Begleitumstände des Falles Amerell allmählich unübersehbar. Dass Schiedsrichterboss Volker Roth einen Monat lang davon abgesehen hat, seinen Präsidenten von den bestehenden Vorwürfen in Kenntnis zu setzen, mag man Zwanziger nicht anlasten. Es zeigt aber eben auch, dass er seinen Laden nicht im Griff hat. Die hemdsärmeligen und unsubstantiierten Vorverurteilen im Fall Amerell belegen indes, dass Zwanziger schlicht überfordert ist.

Dabei merkt man Theo Zwanziger an, mit viel Herzblut er sein Amt begreift. Doch so sympathisch einem dessen emotionale Haltung auch sein mag, so hinderlich ist sie doch in diesen Tagen, da der DFB einen souveränen Manager bräuchte, und eben keinen spontanen Instinktpräsidenten. Professionalität statt Provinzialität – so oder so ähnlich muss das Credo für die Zukunft lauten. Und wenn dies die Lehre aus der Affäre Amerell ist, dann war es zwar ein Schock, aber letztlich doch ein heilsamer.

Während in Vancouver die Winter-Olympioniken um Medaillen und Werbeverträge kämpfen, liefert unsere geliebte Bundesliga das übliche Potpourri aus bezaubernden Eigentoren und ernüchternden Verbalinjurien. Doch auch die deutsche Eliteliga zeigt sich beeindruckt vom olympischen Geschehen, wie die Liga-Lehren Teil 23 beweisen:

Appetizer I
Ein kleiner Kalauer zum Warmwerden: Warum wäre Mario Gomez ein ziemlich lausiger Slalomläufer? Weil er immer wieder mal ein Tor auslässt! Muss man nicht lustig finden. Kann man aber.

Appetizer II
Und noch einer: Was hat Philipp Lahms Kopfballspiel mit Langlaufskiern gemeinsam? Beide kann man nur auf einem Wege nachhaltig verbessern: Durch Wachsen! Und ja, der war auch irgendwie – durchwachsen.

Rätsel
Genug der Wortspiele, weiter mit einem Rätsel: Man schiebt ihn nach vorne und lässt ihn gleiten, man stöhnt und kreischt und schrubbt hektisch dran rum und hofft am Ende doch nur, ihn irgendwie hineinzubringen. Wer jetzt frivole Gedanken hegt, ist ein Ferkel. Denn natürlich geht’s hier um die Kultsportart dieser Olympischen Winterspiele: Curling, diese eisig-kontemplative Mischung aus Bügeln und Darts, steht kurz davor, Fußball als des Deutschen Lieblingssport abzulösen. Und wer sich am Samstag das Gewürge in Hamburg und Mainz angeschaut hat, weiß auch warum.

Unglaublich
Und nun eine Überleitung, die Gerry Delling, unumstrittener Meister des verbalen Brückenschlags, die Freudentränen in die olympischen Augen treiben dürfte: Curling ist in aller Regel ja eine ziemlich eisige Angelegenheit. Richtig eisig war aber auch die Darbietung der Bayern in Nürnberg. Nun ja, sagen wir unterkühlt. So sah das zumindest Dieter Nickles, das zottelige SKY-Maskottchen, das sich nicht scheute, den frostigen Befund umgehend dem Bayern-Coach mitzuteilen, für den Widerspruch gegenüber der Journaille ja so etwas wie ein persönliches Mantra ist. Und so ätzte dieser dann auch in gewohntem van Gaal-Antizyklus zurück: Das sei ja absolut unglaublich. Von wegen unterkühlt. Tausend mal besser als gegen Florenz sei das gewesen. Aber Journalisten seien ja zum dumm, um sowas zu erkennen. Und zu blind. Und das SKY-Maskottchen habe ja mal gar keine Ahnung. Und überhaupt alles absolut unglaublich. Unglaublich. Und ja, falls er es noch nicht gesagt habe: Unglaublich sei das. Und dazu können die Liga-Lehren, für die Zustimmung zum Bayern-Trainer inzwischen gleichfalls mantraähnliche Bedeutung hat, nur eines sagen: Wer bei einem derart heißblütigen Offensivfestival wie in der 1. Halbzeit von Unterkühlung spricht, ist wohl als Kind zu heiß gebadet worden. Unglaublich ist sowas. Einfach unglaublich.

Biathlon
Ach Hanni 96, ehrlich, uns fehlen die Worte. Bei dem, was du dir derzeit so zusammenstümperst, weiß man wirklich nicht mehr, was man sagen soll. Und wie man es beschreiben kann. Man könnte es ja mit Biathlon-Methaporik versuchen. Und dann so blumig davon reden, dass du versucht hast, die Verfolgung aufzunehmen. Dass du dir in der Winterpause ein paar Nachlader besorgt hast. Dass euer ratloser Mirko eure Spieler jeden Sonntag Strafrunden laufen lässt. Dass das in Dortmund ja mal wieder ein übles Scheibenschießen war. Und dass euer Schweizer ja auch gerne mal auf die eigenen Scheiben ballert. Ja, das könnte man machen. Aber solch hanebüchene Wortspiele werden euch einfach nicht gerecht. Lassen wir also weg und stellen nüchtern fest: Mit einem Witz im Tor, einer Abwehr im Rausch (oder umgekehrt) und sogar einem Kind als Präsidenten kann man eben nicht in die (Erfolgs-)Spur zurückfinden.

Mitleid
Wo wir schon mal beim Stichwort “Mitleid” sind, ist der Weg zum FC traditionell nicht weit. Weniger weil die derbe 1:5-Klatsche gegen den VfB jedem halbwegs empathisch veranlagten Fußballfan die Tränen in die Augen schießen lässt. Sondern wegen der 4 (in Worten: vier) Treffer von Geromimo Cacau, der sonst nicht einmal gegen irgendeinen No-Name-Club, sagen wir Hannover 96, trifft. Denn diese 4 Dinger lassen sich nur durch eines erklären: Mitleid. Oder wie man in Köln sagt: Rheinisches Anstandsgefühl . In dem Sinne: FC, du hast ein großes Herz. Und genau deshalb lieben wir dich so.

Perouette
Für all diejenigen, die sich – wie der Autor – die Frage stellen, weshalb diese Reihe unter dem Titel Liga-LEHREN läuft (zumeist ist sie ja so lehrreich wie ein Grammatik-Seminar mit Stefan Effenberg), hier endlich mal eine aufschlussreiche Erkenntnis: Wenn man von der elterlichen Natur mit einem derart winterolympionesken Namen wie Per Nilsson gesegnet ist, sollte man besser davon absehen, den Beruf des Fußballprofis zu ergreifen. Wie an diesem Freitag eindrucksvoll bewiesen wurde. Denn die eingesprungene “Perouette” mit manuellem Telemark (Haltungsnote 20.0) hätte in Vancouver für mindestens zwei Goldmedaillen gereicht, war fußballtechnisch aber doch eher kontraproduktiv. Und bildete den ulkigen Ausgangspunkt für die Handballfestspiele von Hoffenheim. Mit Fußball hatte das Ganze jedenfalls wenig zu tun. Deshalb gibt es auch noch eine, diesmal gänzlich fußballfreie Lehre aus dem Erfahrungsschatz einer anarchischen Schweden-Göre: Herr Nilsson macht sich gern zum Affen.

Nomen est omen
Die besten Haltungsnoten verdiente sich an diesem Wochenende aber zweifellos Bayers Adler. Mit dem Namen muss man einfach segeln, und manchmal eben auch am Ball vorbei. Solche nomen-est-omen-Torwart-Spielchen sind jedoch genau so abgedroschen wie abwegig. Oder sah Manuel Neuer beim Ausgleichtreffer nicht ziemlich alt aus? Eben!

Und was gab’s noch?
Hertha plant wieder für die Euro League. Der HSV verflucht die Euro League. Und Udo Lattek, das feuerrote Schluckmobil vom DSF, hat seinen blauen Pullover aus dem heimischen Weinkeller geholt. Um der Fußballnation eine alt bekannte Botschaft zu vermitteln: “Ich bin wieder blau!” Ist natürlich Quatsch. Uns Ouzo wollte nämlich nur als Glücksbringer für den FC fungieren. Hat allerdings mehr so suboptimal geklappt. Suboptimal war übrigens auch die Leistung des FCB im CL-Achtelfinalhinspiel. Aber da sieht man eben mal wieder, was passiert, wenn man die Bayern zeitgleich zum olympischen Abfahrtslauf spielen lässt: Weit weg von der Ideallinie, mit vielen steilen Pässen, und die Zuschauer blieben mal wieder auf der Strecke. Am Ende wäre man gar beinahe eingefädelt. Doch zum Glück kam der Schiedsrichter aus Norwegen, wo man bekanntlich eine gewisse Vorliebe für den Alpinen Sport besitzt. Und deshalb nahm dieser auch keinen Anstoß daran, dass Miro Klose bei seinem Siegtreffer gefühlte zehn Skilängen im Abseits stand, obwohl dies genau genommen ja ein Torfehler war. Doch wer der Ziellinie am nächsten ist, hat den Sieg ja auch irgendwie verdient. Ob der reicht, wird man sehen. Denn Champions League ist ja ein bisschen wie Slalom: Man muss sich zweimal durchwurschteln. In dem Sinne: Schaun mer mal…