Einfach versteigern

27. Dezember 2010

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat uns das gelehrt, was wir alle eigentlich schon längst wussten: Geld regiert die Welt. Und die FIFA ist die Welt. Man mag sich darüber aufregen und in Jammern verfallen, aber man wird daran nichts ändern können. Die Strukturen des Fußball-Weltverbandes sind derart verkrustet, dass nachhaltige Reformen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten sind.

Aber wenn die Ausrichtung einer Fußball-Weltmeisterschaft doch offensichtlich an die wirtschaftliche Potenz des jeweiligen Landes gebunden ist, wieso dann nicht gleich die WM verkaufen? Oder aber, wie die Sportexpertin von Transparency International, Sylvia Schenk, unlängst vorgeschlagen hat, die Ausrichtung meistbietend versteigern. Was vordergründig wie sarkastische Resignation klingt, ist bei näherem Betrachten vielleicht genau der richtige Weg, um dem Filz in der FIFA den Garaus zu machen.

Mit einer öffentlichen Versteigerung würde endlich Transparenz geschaffen. Die Zeit der Hinterzimmer-Politik hätte ein Ende. Jeder wüsste, wo er dran ist. Für konspirative Absprachen bestünde kein Raum mehr. Allerdings wäre genau dies auch der Grund, weshalb sich die FIFA wohl nicht so leicht auf ein solches Procedere einlassen würde. Flösse der bei einer solchen Versteigerung zustande kommende Betrag aber wohltätigen Zwecke zu, geriete der Verband schnell in moralische Argumentationsnöte.

Wie sollte man einem solchen Anliegen entgegentreten, ohne als hartherzig und starrsinnig zu erscheinen? Womöglich mit dem Argument, dass eine Versteigerung die ärmeren Länder dieser Welt deutlich benachteiligen würde. Doch ist es andererseits nicht so, dass die vielbeschworene Breitenwirkung, die von einem Sportereignis auf die Entwicklung eines Landes ausgehen soll,  in der Praxis relativ schnell verpufft? Ist das, was man an Hoffnungen und  Wünschen in eine WM-Ausrichtung zu projizieren pflegt, nicht weit überzogen? Die Antwort dürfte man auch bei der FIFA kennen. Aber Aufrichtigkeit ist dort eben keine sonderlich gepflegte Tugend.

Liga-Lehren 10/11

19. Dezember 2010

Die Liga-Lehren, exklusiv auf SPOX.com!

____________________________________

Die 17. Ausgabe: Pinkeln mit Frontzeck

Im luftleeren Raum

19. Dezember 2010

Homosexualität im Profi-Fußball – gibt es nicht? Gibt es sehr wohl, wie wir alle mehr ahnen denn genau wissen. Die Erkenntnis, dass im vermeintlich so machohaften Fußballsport auch schwule Profis aktiv sind, hat sich inzwischen durchgesetzt. Und das ist, um ein in diesem Zusammenhang gern verwendetes Wort zu bedienen, auch gut so.

Paradoxerweise musste aber erst ein furchtbarer Unglückfall herhalten, um die Debatte allmählich in Gang zu bringen. Denn nach Robert Enkes Selbstmord diskutieren wir alle darüber, wie menschlich das Fußball-Business mit seinen Protagonisten umgeht. Der Befund ist jedoch ernüchternd. Und so fürchten wir, dass ein homosexueller Fußballer nach seinem Outing einem brutalen Spießroutenlauf ausgesetzt sein wird. Doch ob es wirklich so kommen wird, wissen wir nicht.

So findet die jetzige Diskussion offenkundig im luftleeren Raum statt. Sie ist gekennzeichnet von Mutmaßungen, Befürchtungen und wagen Vorahnungen. Wirklich konkret wird der Diskurs über Homosexualität im Fußball nur selten. Profunde Beiträge wie dieses Interview mit dem Vorsitzenden eines Mainzer Schwulen-Fußballfanclubs bilden rühmliche Ausnahmen.

Es bleibt letztlich abzuwarten, wie die Reaktionen ausfallen, wenn sich der erste prominente Profi-Fußballer zu seiner Homosexualität bekennt. Wenngleich „bekennen“ hier sicher nicht der passende Ausdruck ist. Denn zum Glück sind doch große Teile der Gesellschaft inzwischen so weit zu erkennen, dass man sich für seine sexuelle Orientierung nicht zu schämen braucht.

Vielleicht ergibt sich aus diesem Kreise der Vernünftigen auch eine Initiative, die schwulen Fußballern signalisiert, dass man sie nach einem Outing nicht fallen lässt, sondern gerade dann öffentlichkeitswirksam unterstützt. In einer Zeit, da für jeden Hokuspokus eine Facebook-Gruppe aufgemacht wird, sollte das doch möglich sein…