Gegen Rechts

30. Juli 2012

Allmählich geraten die bestialischen Morde der NSU wieder aus dem Blickfeld des Interesses. Schritt für Schritt ebbt die Berichterstattung über die braune Anschlagsserie ab. Und sukzessive verflüchtigt sich damit auch das Problem des Rechtsradikalismus aus dem allgemeinen Bewusstsein.

Das Schema ist altbekannt: Aufgeschreckt durch rechtsextreme Gewalttaten widmet sich die Öffentlichkeit der Braunen Gefahr, beschwört die allgemeine Sensibilität und mahnt überfällige Maßnahmenprogramme an, um all das doch recht schnell wieder aus dem Fokus zu verlieren.

Die beschriebene Symptomatik ist irgendwie menschlich, aber eben doch sehr bedauerlich. Ihr entgegenzuwirken, erscheint schwierig bis unmöglich. Hilfreich sind womöglich antizyklische Bekenntnisse gegen Rechts, also klare Stellungnahmen gegen den braunen Sumpf, die nicht unter dem Eindruck aktueller Schreckensnachrichten stehen.

In diesem Sinne stelle ich an dieser Stelle - ohne jeden besonderen Anlass - fest:

Ich bin gegen Rechtsradikalismus. Ich verurteile jede Art von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass. Ich bin für eine weltoffene, tolerante und menschliche Gesellschaft, in der Menschen keine Nachteile zu befürchten haben, nur weil sie eine andere Hautfarbe, Rasse oder Religion haben als die Mehrheit. Ich wünsche mir ein respektvolles und friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen in Deutschland. Ich lehne jede Art von Gewalt, egal ob von Rechts oder von Links, ab. Ich bin für Toleranz und gegen Hass.

Unglaublicher Feigling

23. Juli 2012

Die meisten dürften schon von dieser Organisation gehört haben: Transparency International. Ist uns allen irgendwie ein Begriff. Wenngleich nur die wenigsten wissen, was genau eigentlich Idee und Ziel dieses Unternehmens sind. Irgendwas mit Transparenz eben. Doch so richtig vermag man dann doch nicht einzuordnen, worin die Hauptaufgabe dieser weltweit agierenden Organisation besteht. Sie hat sich, so heißt es, der nationalen wie internationalen Korruptionsbekämpfung verschrieben, und zwar sowohl in volks- als auch betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Wem das alles letztlich zu abstrakt ist, für den kann man es auch ganz einfach auf den Punkt bringen: Transparency International ist das Gegenstück zur FIFA.

Der Weltfußballverband ist, wie wir alle seit Jahr und Tag mehr wissen denn ahnen, ein einziger großer Schmelztiegel von Vetternwirtschaft, Vertuschung und Bestechlichkeit. Nur Phantasten und ergebene Blatter-Bewunderer konnten dies bislang leugnen. Es ist bis dato nicht geklärt, wozu der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger während seiner Amtszeit gehört hat. Blatter-Intimus oder Realitätsverweiger - eine dieser beiden Haltungen muss es wohl gewesen sein, die den einstigen Boss des Deutschen Fußball-Bundes von der Einsicht in das Offensichtliche abgehalten haben. Und so bleibt offen, was Zwanziger im vergangenen Jahr zur vorbehaltlosen Unterstützung und Wiederwahl des FIFA-Chefs veranlasst haben.

Was immer es also auch gewesen sein mag, das Zwanzigers Rückgratlosigkeit verursacht hat, es scheint sich verflüchtigt zu haben. Denn neuerdings vernimmt man vom nunmehr einstigen DFB-Boss deutlich forschere Töne. Noch vor Blatters Frontalangriff gegen den DFB ließ sich Zwanziger zu einer ungewohnt klaren Kritik am FIFA-Chef herab und forderte erstmals eine rückhaltlose Aufklärung der im Raume stehenden Vorwürfe. Die neuesten Enthüllungen, die zumindest eine Mitwisserschaft Blatters belegen, schienen nunmehr auch Zwanziger dazu zu bewegen, die noch im Vorjahr schwülstig beschworene Nibelungentreue aufzukündigen.

Doch es bleibt das ungute Gefühl, dass Zwanzigers längst überfälliges Aufbegehren weniger mit den neuerlichen Erkenntnissen als vielmehr mit seinem Rückzug vom Amt des DFB-Präsidenten zu tun hat. Als Chefrepräsentant eines großen Verbandes schickt es sich eben nicht, auf Konfrontation mit dem obersten Boss zu gehen. Da fährt man lieber Schmusekurs, um ja keine weiteren Baustellen aufzumachen. Auch wenn ein deutliches Zeichen längst überfällig wäre.

Der Sportjournalist Jens Weinreich hat Theo Zwanziger einst als „unglaublichen Demagogen” bezeichnet und damit einen grotesken Rechtsstreit heraufbeschworen. Vielleicht hätte er ihn also ganz schlicht als Feigling titulieren sollen. Zwanziger hätte sich womöglich sogar geschmeichelt gefühlt.

Ach Loddar

16. Juli 2012

Der Mensch neigt bekanntlich gerade in jungen Jahren zu mitunter peinlicher Unbedachtheit. Schreibt ulkige Liebesbriefchen, hört alberne Disco-Liedchen und ergibt sich in grenzenloser Heldenverehrung gegenüber seinem großen Idol. Die dann auch manchmal darin mündet, eben jene Verehrung seinem Held in Form eines devoten Fanbriefs kundzutun. Ich selbst habe mir in jungen Jahren manch Peinlichkeit geleistet - meinem Idol einen Brief zu schreiben, gehörte gleichwohl nicht dazu. Wenn, dann hätte er sich aber wohl so gelesen:

Lieber Lothar!
Du bist mein absoluter Star. Niemand spielt Fußball so, wie Du es tust. So schnell, so temporeich, so großartig. Dein Tor gegen Jugoslawien war das schönste, das ich je gesehen habe. Wie Du über den halben Platz gerannt bist, alle Gegner wie Laternenstangen hast stehen lassen und den Ball dann voller Wucht ins Tor geschossen hast, hat mich einfach nur begeistert. Du bist für mich der beste Fußballer der Welt. Und das wirst Du auch immer bleiben - egal, was kommt. Bleib einfach der, der Du bist. Lass diese Frauengeschichten sein. Schreib nie ein Tagebuch. Sprich nicht zu viel mit der Presse. Sei einfach weiterhin dieser großartige Fußballer. Vielleicht wirst Du ja eines Tages einmal Trainer - bei einem großen Club, bei meinem und unserem FC Bayern. Geh nicht ins Ausland zu anderen Vereinen - da verliere ich Dich zu leicht aus den Augen. Such Dir erstmal einen kleinen Verein in Deutschland. Bleib da ein paar Jahre und zeig allen, was Du kannst. Und dann gehst zu einem großen Club und wirst dort viele viele Jahre bleiben. Du wirst ein ernsthafter Trainer sein, über den die Zeitungen nur wegen seiner Erfolge schreiben. Du wirst nur durch den Sport für Schlagzeilen sorgen. Durch sonst nichts. Vielleicht wird man mehr von Dir wissen wollen. Dein Privatleben auskundschaften. Aber Du wirst nichts Preis geben. Du wirst ganz bestimmt nie Fernsehkameras in Dein Haus lassen und allen Menschen zeigen, dass Du nicht einmal ein Spiegelei braten kannst. Du wirst immer elegant und zurückhaltend bleiben. Du wirst Deine Würde behalten. Bitte, versprich es mir!

Dein größter Fan

Schade, dass ich diesen Brief nie geschrieben habe…