Blogspot360 (XVI)

27. November 2012

Die 16. Ausgabe von “Blogspot360” ist online! Fröhlich, Allofs & Co. liefern genug Gesprächsstoff.

Diesmal mit dabei Alex von Lizas Welt, Torsten Wieland (Königsblog) und Tobias Singer (Meine Saison mit dem SVW). Moderator? Auch beim 16. Mal meine Wenigkeit.

Schadenfreude gehört nicht unbedingt zu meinen großen Stärken (oder Schwächen). Auch wenn mein Humor zu einem Großteil durch die Slapstick-Filmchen in „Nonstop Nonsens” sozialisiert wurde (was für viele womöglich einem Armutszeugnis gleichkommen mag), nötigt mir die Ungeschicklichkeit und Unbeholfenheit anderer bestenfalls ein müdes Lächeln ab. Allein wenn der 1. FC Kaiserslautern, seines Zeichens der einzige Verein, dem ich leidenschaftliche Antipathie entgegenbringe, mal wieder in die 2. Liga stolpert, kann ich mir ein (un)verschämtes Grinsen nicht verkneifen.

Vielleicht ist es also dieser FCK-Effekt, der mir angesichts der zuweilen vernichtenden Kritiken der letzten Wetten dass..?-Sendung ein selbstzufriedenes Lächeln abnötigte, bestätigte dieses Feedback doch meine tiefe Überzeugung: Lanz kann’s einfach nicht. Die ZDF-Moderationsmaschine ist mit einer Samstagabendshow, die neben Charme und Wortgewandtheit vor allem Witz und Schlagfertigkeit erfordert, heillos überfordert. Genau dies scheint die Journaille jetzt nach der zweiten Sendung denn auch endlich einzusehen.

Ob es nun an Tom Hanks lag, der die dreistündige Sendung zutreffenderweise als albernen Kindergeburtstag bezeichnete, dass Lanz‘ mangelnde Eignung ins allgemeine Bewusstsein rückt, sei einmal dahingestellt. Fest steht, es wird immer offensichtlicher, dass die Inthronisation des Südtiroler Traumschwiegersohns die grundfalsche Wahl war. Weil er zwar smart und gutaussehend ist, aber eben nicht die Klasse besitzt, eine solch große Show souverän durchzumoderieren.

Was viele, mich eingeschlossen, nicht wirklich überrascht. Nicht erwartet hätte ich dagegen, dass Lanz seinen eh schon narzisstisch veranlagten Vorgänger in Sachen Selbstverliebtheit noch um einiges übertrifft. Wer in derart unbeirrbarer Penetranz die zurechtgelegten Pointen wider alle Vernunft und mit aller Gewalt über den Äther bringt, muss sich selbst mehr lieben als die Sendung, die er moderiert. Dies mag bei Gottschalk kaum anders gewesen sein. Doch verfügte er immerhin über die Gabe der Spontaneität, die manch spröden Ritus vergessen ließ.

Lanz dagegen ist weder spontan noch witzig, Lanz ist nervig - insbesondere wegen seiner dauernden Superlative: Wunderbar! Großartig! Grandios! Und nicht zu vergessen das allgegenwärtige Wooowoow! Nur seine Lieblingsfloskel vom dem höchst lesenswerten Buch behält er bislang noch seiner spätabendlichen Talkshow vor. Im Gegensatz  zum stupiden Begrüßungsbaustein „Schön, dass Sie da sind”. Auf den will und kann Lanz auch nicht bei Wetten dass..? verzichten, mögen es inzwischen mehr und mehr Zuschauer gar nicht mehr so schön finden, dass er da ist.

Was bleibt, ist das demütigende Bild eines überforderten Moderators, der mit fast kindlichem Staunen durch eine Sendung stolpert, die für ihn mindestens zwei Nummern zu groß ist. Ein Eindruck irgendwo zwischen Fremdschämen und Schadenfreude. Ich habe mich ausnahmsweise für Letzteres entschieden. Muss auch mal wieder sein.

Ein Jahr ist es nun her, dass die Aktion Libero ins Leben gerufen wurde - eine Initiative gegen Homophobie im Fußball, die Stellung bezieht und sensibilisieren will für ein Thema, das allmählich aus der Tabuzone heraustritt. Über Homosexualität im Profi-Fußball zu reden, ist längst kein tollkühnes Wagnis mehr. Und doch vollzieht sich die Debatte nach wie vor in einer Grauzone, kann man doch nur mutmaßen, wie Fans, Medien und Mitspieler auf Outing eines schwulen Bundesliga-Kickers reagieren würden. Denn noch hat sich kein Akteur getraut, seine Homosexualität öffentlich zu machen, weil - so wird gemutmaßt - die Angst vor der möglichen Diffamierung zu groß ist.

Ob dem wirklich so ist, bleibt spekulativ. Fest steht indes, dass die sexuelle Orientierung Privatsache ist und sich niemand dazu gehalten fühlte sollte, in aller Öffentlichkeit darüber zu reden. Wenn es aber so ist, dass Sportler aus reiner Furcht vor Anfeindung ein Versteckspiel treiben müssen, dann ist dies eine sehr traurige Angelegenheit. Umso wichtiger ist es da, positive Signale zu setzen, die Mut machen und zeigen, dass Homophobie zwar leider kein Phantom darstellt, aber eben doch nicht die Regel ist. Es gibt genug Fußballfans, die überhaupt kein Problem mit schwulen Fußballspielern haben und jede Form homophobe Ablehnung verurteilen.

Deshalb sage ich auch jetzt, ein Jahr nach Start der Aktion Libero:
Ich bin gegen Homophobie im Fußball und unterstütze die Aktion Libero mit voller Überzeugung!

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