Der schönste Sieg

27. Mai 2013

Es muss irgendwann kurz vor Mitternacht gewesen sein an jenem 19. Mai 2012. Der ultimative Moment der Leere. Bastian Schweinsteiger hatte den Ball eine Minute zuvor mit einem stacksigen Schuss an den Pfosten gesetzt. Wenige Momente später hatte uns Didier Drogba ins emotionale Nirwana versetzt. Aus. Verloren. Der FC Bayern hatte das CL-Finale im eigenen Stadion vergeigt.

Die Ernüchterung, die ich in diesen Augenblicken verspürte, war mehr als nur ein Hadern mit den vergebenen Möglichkeiten. Es war mehr als Frust über eine Niederlage, wie sie überflüssiger kaum hätte sein können. Es war auch nicht der bittersüße Schmerz eines Drama dahoam. Was mich in diesem Moment und in den Tagen so furchtbar fertig machte, war ein einzelner Gedanke:
Diese Chance wird so schnell nicht wiederkommen. Ein CL-Finale mit Bayern-Beteiligung würde es nach diesem frustrierenden Erlebnis so bald nicht mehr geben. Da war ich mir sicher.

Ich habe mich geirrt - zum Glück. Ein gutes Jahr später bot sich meinem FC Bayern die große Chance den Titel aller Titel zu erringen. Dieses Mal wurde die Chance genutzt. Endlich! Ich will mir nicht ausmalen, wie es sich angefühlt hätte, wieder - kurz vor dem großen Triumph - zu scheitern und mich Tage lang mit Konjunktiven rumplagen zu müssen. Mich fragen zu müssen, was hätte sein können, wenn… Zu hadern, zu schimpfen, zu resignieren.

All das brauche ich nicht zu tun. Wir haben die Champions-League gewonnen. Wir haben den Titel errungen, nach dem wir Bayern-Fans uns alle so lange gesehnt haben. Wir dürfen uns freuen über einen wunderbaren Sieg. Über eine Saison, wie sie besser nicht hätte sein können. Über den schönsten Moment im Fußball.

Ich freue mich. Nicht, weil wir es dem BVB jetzt gezeigt hätten. Ich verspüre keine Genugtuung. Keine Befriedigung. Keine Triumphgefühle. Nur Glück und Zufriedenheit. Über den schönsten Sieg, den man sich als Fußball-Fan nur vorstellen kann.

Immer so weiter

20. Mai 2013

Noch vier Monate, dann haben wir es endlich geschafft. Am 22. September steht die Bundestagswahl an, offizielles Ende des Wahlkampfes. Und das ist auch gut so. Denn schon jetzt kann man das schaurige Schauspiel im Grunde nicht mehr ertragen.

Die SPD dilettiert mal wieder vor sich hin, die Grünen suchen die offene Konfrontation mit dem Wähler und bei den Scheinliberalen übt man sich trotz bescheidener Umfragewerte in gewohnter Hybris, während die Bundeskanzlerin mal wieder das tut, was sie am besten kann: Nichts.

Ja, das Bild, das die deutsche Politik in diesen Tagen abgibt, ist abermals wenig ruhmreich. Nicht einmal die vermeintlich unverbrauchten Piraten vermögen es da, eine echte Bereicherung darzustellen. Ihre unbeholfenen Versuche, Struktur in das eigene Chaos zu bringen, wirken da mitunter wie eine Persiflage auf sich selbst.

Rund vier Monate trauriger Wahlkampf stehen uns also noch bevor. Große Unterhaltung oder – welch anmaßendes Ansinnen – inhaltsschwere Debatten dürfen wir nicht erwarten. Letzteres liegt vor allem an der Kanzlerin und ihrer Partei, die sich dem sachlichen Diskurs weitestgehend entziehen und in bewährter Tradition darauf verzichten, Konzepte oder gar Visionen zu liefern.

Das sieht bei Konkurrent Peer Steinbrück dann schon anders aus. Er gibt sich alle Mühe, die aktuellen politischen Fragen mit seinen persönlichen Antworten zu versehen und so echte Perspektiven aufzuzeigen. Er wäre womöglich ein guter Kanzler. Als Kanzlerkandidat wirkt er aber nach wie vor heillos überfordert, gelingt es ihm doch weiter hin nicht, den Ton und das Gefühl zu finden, welches man im hypersensiblen Wahlkampf leider braucht.

So wird es also kommen, wie es kommen muss. Es geht immer so weiter. Irgendwie. Und in vier Jahren ist das dann wieder Wahlkampf. Sind das nicht schöne Aussichten?

Noch vier Monate, dann haben wir es endlich geschafft. Am 22. September steht die Bundestagswahl an, offizielles Ende des Wahlkampfes. Und das ist auch gut so. Denn schon jetzt kann man das schaurige Schauspiel im Grunde nicht mehr ertragen.

Die SPD dilettiert mal wieder vor sich hin, die Grünen suchen die offene Konfrontation mit dem Wähler und bei den Scheinliberalen übt man sich trotz bescheidener Umfragewerte in gewohnter Hybris, während die Bundeskanzlerin mal wieder das tut, was sie am besten kann: Nichts.

Ja, das Bild, das die deutsche Politik in diesen Tagen abgibt, ist abermals wenig ruhmreich. Nicht einmal die vermeintlich unverbrauchten Piraten vermögen es da, eine echte Bereicherung darzustellen. Ihre unbeholfenen Versuche, Struktur in das eigene Chaos zu bringen, wirken da mitunter wie eine Persiflage auf sich selbst.

Rund vier Monate trauriger Wahlkampf stehen uns also noch bevor. Große Unterhaltung oder - welch anmaßendes Ansinnen - inhaltsschwere Debatten dürfen wir nicht erwarten. Letzteres liegt vor allem an der Kanzlerin und ihrer Partei, die sich dem sachlichen Diskurs weitestgehend entziehen und in bewährter Tradition darauf verzichten,  Konzepte oder gar Visionen zu liefern.

Das sieht bei Konkurrent Peer Steinbrück dann schon anders aus. Er gibt sich alle Mühe, die aktuellen politischen Fragen mit seinen persönlichen Antworten zu versehen und so echte Perspektiven aufzuzeigen. Er wäre womöglich ein guter Kanzler. Als Kanzlerkandidat wirkt er aber nach wie vor heillos überfordert, gelingt es ihm doch weiter hin nicht, den Ton und das Gefühl zu finden, welches man im hypersensiblen Wahlkampf leider braucht.

So wird es also kommen, wie es kommen muss. Es geht immer so weiter. Irgendwie. Und in vier Jahren ist das dann wieder Wahlkampf. Sind das nicht schöne Aussichten?

Mein alter Feind…

13. Mai 2013

Wie lange ist es nun her, dass wir uns das erste Mal begegnet sind? 25 Jahre? 26? Ich weiß es nicht mehr, es muss eine Ewigkeit her sein. Ich erinnere mich nur, dass ich Dich auf den ersten Blick nicht ausstehen konnte. Du nahmst Dich einfach viel zu wichtig in Deinem Gönnertum, wolltest anderen immer ein bisschen Muße gewähren, ohne Dich um die Sorgen der Masse zu scheren. Ja, auch meine Not war Dir stets gleichgültig. Mein verzweifeltes Flehen nach ein wenig Erbarmen hast Du immer wieder aufs Neue ignoriert, hast mich sitzen lassen in meiner Tristesse.

Nein, Du bist wahrlich nicht beliebt, Du bist verhasst im ganzen Land und hast Dir eine Unbeliebtheit selbst zuzuschreiben. Die Selbstverständlichkeit, mit der Du jedes Jahr neu in die Öffentlichkeit trittst und Dein Recht einforderst, provoziert Abneigung und Hass. Kompromisse sind Dir fremd, nur alle zwei Jahre nimmst Du Dich ein wenig zurück, um im Folgejahr wieder mit der altbekannten Unnachgiebigkeit zuzuschlagen.

Du bist der Miesepeter der Nation, ach was sage ich, der Welt. Der Spielverderber, der sich am Darben anderer Menschen erfreut und es bis zum letzten Moment auskostet. Du bist der Motor der Langeweile, die Mutter der Sinnlosigkeit, das Loch unter den Löchern. Du bist das pure Nichts und willst auch gar nichts anderes sein. Gerade das macht uns alle so wahnsinnig.

Mit Fußball hast Du nichts im Sinn. Man könnte fast sagen, der Kampf gegen ihn ist Dein einziges Sinnen und Trachten, ja Deine einzige Existenzberechtigung. Ohne Fußball würde es Dich nicht geben. Genauso wenig wie eine Polizei ohne Straftaten, einen Arzt ohne Krankheiten, einen Kammerjäger ohne Kakerlaken. Du hast Dich dem Kampf gegen den Fußball verschrieben und bist doch froh, dass es ihn gibt. Weil es sonst auch Dich nicht gäbe. So pervers ist unsere Welt.

Ich habe nie so recht verstanden, worum es Dir im tiefsten Inneren Deines Herzes eigentlich geht. Du schwafelst meist irgendetwas von Kontemplation, innerer Einkehr, Auszeit, Krafttanken und Neubesinnung. Ich kann damit nichts anfangen, für mich sind das nur hohle Phrasen. Ich will Leben, Spannung, Aufregung, Unterhaltung, Leidenschaft. Und Du sprichst mir diesen Wunsch ab. Ich sei angeblich unersättlich und solle mich doch anderem hingeben als immer diesem seltsamen Fußball.

Anmaßend finde ich Dein Auftreten. Mit welchem Recht ziehst Du meine Wünsche ins Lächerliche? Mit welchem Recht nimmst Du Dich so dermaßen wichtig und fügst uns allen Jahr für Jahr dieses unermessliche Leid zu, dessen wahre Ausmaße Du doch gar nicht zu erahnen vermagst? Du kannst gar nicht einschätzen, wie sehr Du uns immer wieder zusetzt.

Ja, ich weiß es zu schätzen, dass Du Dich jetzt wieder eine ganze Zeit lang zurückgenommen hast. Dass Du uns mit Deinem selbstverliebten Geschwafel verschont und unserer Leidenschaft überlassen hast. Das war, so ehrlich will ich sein, sehr nett von Dir. Und doch weiß ich, dass Du schon bald wieder mit Deiner ganzen Eiseskälte zuschlagen wirst. Ich weiß es, denn ich bin es so gewohnt von Dir. Jahr für Jahr, Du erbarmungsloses Nichts.

In wenigen Wochen stehst Du wieder vor der Tür, mit Deinem dämlich-blöden Grinsen und einem sanft gehauchten ‚Hallo, da bin ich wieder‘, dem wir alle am liebsten mit dem ausgestreckten Mittelfinger begegnen würden. Aber wir haben ja Respekt und wissen, dass auch Dein Dasein, so unverständlich es uns erscheinen mag, wohl so seine Gründe haben mag. Auch wenn wir sie nicht anerkennen wollen.

Ja, ich habe sogar versucht, mich mit Dir anzufreunden. So wie mit Glatteis im Winter oder Heuschnupfen im Frühjahr. Und doch habe ich schnell erkennen müssen: Du bist die Pest.

Darum lass‘ Dir eines gesagt sein:

Sommerpause, ich hasse Dich von ganzem Herzen!

Dein ewiger Feind
Voegi

(auch veröffentlicht im Rahmen des SPOX-Blogpokal)