Ich gebe zu, ich habe diesen Konfliktstadl zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund mit einiger Erheiterung zur Kenntnis genommen. Nicht weil ich als Bayern-Fan letztlich große Triumphgefühle hegen würde. Und auch nicht weil ich mich über den BVB lustig machen würde. Nein, Fußball ist eben nicht nur Sport, sondern auch zum einem großen Teil Unterhaltung, die von solchen mehr oder weniger inszenierten Duellen mit hitziger Begleitmusik lebt. Wir alle sind doch irgendwie froh, wenn uns die großen Zampanos des Business hin und wieder etwas Gesprächsstoff liefern. Daran kann man - jedenfalls mit einigem Abstand betrachtet - nichts Verwerfliches finden.

Und so stört es mich auch nicht, wenn man sich wechselseitig schlechte Manieren vorwirft oder dem anderen einen verbalen Tritt in den Allerwertesten verpasst. Das gehört zum Geschäft. Zumal ich, obwohl mein Herz nun einmal für den FC Bayern schlägt, den einen oder anderen Vorwurf Richtung Säbener Straße durchaus nachvollziehen konnte. Dass man im Fall Götze wohl nicht die ganz feine Art an den Tag gelegt hat, will und kann ich gar nicht bestreiten. Wenngleich hier mal wieder eine Petitesse zu einem imposanten Eklat aufgebauscht wurde.

Dass BVB und FCB sich dieser Tage spinnefeind zu sein scheinen, kümmert mich denn auch wenig. Und es schürt auch keine Hassgefühle gegenüber den Schwarzgelben in mir. Ich respektiere die herausragende Arbeit, die Watzke, Klopp & Co. in den vergangenen Jahren in Dortmund geleistet haben. Ich erkenne die großartigen sportlichen Leistungen der Borussen neidlos an. Und ja, ich glaube auch, dass das Wiederstarken meiner Bayern nicht zuletzt mit der Klasse des BVB zu tun hat, die den Ehrgeiz im Süden neu entfacht hat.

Und doch ist mir etwas ein Dorn im Auge: Die Koketterie, mit der man sich beim BVB in der Rolle des kleinmütigen Underdogs gefällt, der sich selbst zum Hort des Guten romantisiert. Nicht ohne Grund hat man in Dortmund das Motto Echte Liebe zum allgegenwärtigen Mantra gewählt, das der Konkurrenz eines signalisieren soll: Hier bei uns lebt man den Fußball noch in seiner ursprünglichen Form. Ihr da (in München) seid doch nur Erfolgsfans, deren Bekenntnis zum eigenen Verein einer reinen Laune des Augenblicks entspringt.

Wahrscheinlich wird man in Dortmund einer solchen Interpretation mit Vehemenz entgegentreten. Andere Clubs und andere Fans habe man doch nicht abwerten, sondern nur die Liebe zum eigenen Verein besonders hervorheben wollen. Doch was, muss man entgegnen, soll das kleine Wörtchen Echte in diesem Zusammenhang suggerieren wenn nicht eine Abwertung des vermeintlich Unechten? Steckt hierin nicht die mehr oder minder deutliche Behauptung, die Liebe zum Verein sei bei anderen Clubs eben nicht so unverfälscht und ehrlich wie beim BVB? Beinhaltet das Reklamieren von Echter Liebe nicht auch den Vorwurf mangelnder Wahrhaftigkeit gegenüber anderen? Ich sehe da keine andere Erklärung.

Wie auch immer man nun genau den BVB-Slogan interpretieren mag, die selbst beschworene Nostalgie hat dem Verein eine Fallhöhe verschafft, die man in diesen Tagen schmerzhaft zu spüren bekommt. Der Umgang mit den (Ex-)Spielern Santana und Lewandowski hat jedenfalls herzlich wenig mit Echter Liebe zu tun, sondern zeugt von einem eher kalten Kalkül, wie es im Profisport durchaus üblich ist. Das mag man Watzke & Co. also nicht vorwerfen. Das schwülstige Bekenntnis zu einer Fußball-Romantik, wie man sie heute nicht mehr umsetzen kann, dagegen schon.

Schlichtweg überfordert

17. Juni 2013

Die Wetten dass..?-Sendung war kaum beendet, da setzte sich der social-mediale Shitstorm, der die Show in ihren 150 quälend-nervigen Minuten begleitet hatte, nahtlos in den Kommentaren der virtuellen Presse fort. Von SPIEGEL ONLINE über Focus bis zum Berliner Tagesspiegel, alle waren sie sich einig: Diese Show war ein einziges großes Desaster, eine Zumutung für den Zuschauer, eine Bankrotterklärung des ZDF.

Nun sind ernüchterte Abgesänge auf das einstige Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung beileibe nichts Neues. Ein Thomas Gottschalk weiß, wie es sich anfühlt, als Sau durchs mediale Dorf getragen zu werden. Und doch hat die Kompromisslosigkeit, in der die diversen Kommentaren die jüngste Wetten dass..?-Sendung zugrunde richten, eine Dimension, wie wir so bislang noch nicht kannten.

Dabei gibt es an der Show wahrscheinlich vieles zu kritisieren. Angefangen bei der nervtötenden (aber kaum schlagfertigen) Assistentin über peinliche Zuschauer-Moderatoren-Contests bis zu den mitunter belanglosen Talkgästen. Das wahre Problem der Sendung ist und bleibt aber Markus Lanz, der mit der Aufgabe eines Samtagsabendunterhalters schlichtweg überfordert ist. Er besitzt weder die Souveränität noch den Witz, um ein solches Format angemessen über die Runden zu moderieren.

So entpuppen sich auch die ambitioniertesten Pointen als zielsichere Tritte ins bereitstehende Fettnäpfchen und investigativ formulierte Fragen als oberflächliche Phrasen, deren Beantwortung der Moderatoren in der Regel weder abwarten noch anhören will. Besonders offenkundig wurde die Lanz’sche Überforderung unlängst aber, als Zuschauer und Talkgäste die Übervorteilung einer Kandidatin reklamierten, deren peinliche Limbo-Einlage letztlich noch mit einer Reise nach Hawaii belohnt wurde. Geradezu hilflos versuchte Lanz die aufkommende Kritik bei Seite zu schieben und flüchtete sich in ein anrührend-konziliantes „Ist gut jetzt. Wir machen ja nur Spaß hier”, das seine fehlende Souveränität nur noch deutlicher offen legte.

Bei aller Häme und sarkastischen Frotzelei bleibt denn letztlich auch ein nüchternes Urteil: Markus Lanz hat sich mit Wetten dass..? übernommen. Er ist dieser Herausforderung nicht gewachsen. Dies sollte er, diese sollte das ZDF baldmöglichst einsehen. Und wenn es dafür nicht reicht, so möge er sich zumindest die gut gemeinten Ratschläge von SPIEGEL ONLINE zu Herzen nehmen.

Für alle, die den Gleichheitsgrundsatz in unserer Verfassung ernst nehmen, war es keine Überraschung: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Homosexuelle Paare, die ihre Lebensgemeinschaft haben eintragen lassen, haben einen Anspruch auf das Ehegattensplitting.

Das Urteil der Karlsruher Richter ist aber mehr als die bloße Stärkung der Rechte Homosexueller. Es bedeutet auch und vor allen Dingen eine schallende Ohrfeige für die Union, die sich einer solchen Regelung bislang hartnäckig verschlossen hat. Sie muss erneut einsehen, dass ihr verquastes Gesellschaftsbild, jedenfalls im Hinblick auf die Bewertung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften, nicht mit der zeitgemäßen Interpretation unseres Grundgesetzes in Einklang zu bringen ist.

Die Liberalen, die sich selbst gerne als das bürgerrechtliche Korrektiv der schwarzgelben Koalition sehen, feiern den Karlsruher Entscheid und werten ihn als unmissverständliches Signal an den konservativen Bündnispartner. Zu Recht, muss die Union doch spätestens jetzt einsehen, dass sie ihren rückständigen, mitunter reaktionären Kurs so nicht wird durchhalten können.

Es ist an der Zeit, dass CDU und vor allem CSU mit sich in Klausur gehen, um das eigene Gesellschafts- und Menschenbild von Grund auf zu hinterfragen. Warum tut man sich nach wie vor schwer, alternative Lebensmodelle zu respektieren und sie als gleichwertige Optionen rechtlich anzuerkennen? Warum sind Schwule und Lesben den Steinbachs, Geis‘ & Co. weiterhin ein Dorn im christlich-demokratischen/sozialen Auge? Was ist eigentlich in der Sache gegen solche Lebensgemeinschaften einzuwenden? Und was spricht gegen ihre rechtliche Anerkennung und Gleichstellung?

Die möglichen Erklärung würden - bei ehrlicher Beantwortung - von katholischer Indoktrination bis zu prinzipieller Borniertheit reichen, im um Mäßigung bemühten Politikerduktus aber wohl eher auf das klassische Familienbild und bürgerliche Moral hinauslaufen. Nun sind ethisch-moralische Bewertungen immer ein sehr persönliche Frage, die jeder eben für sich beantworten muss. Doch bleibt stets eine Erwägung, die die Union auch mit den abgebrühtesten Floskeln nicht wird vom Tisch schieben können:

Wem schadet es eigentlich, wenn man gleichgeschlechtlichen Paaren die gleichen Rechte zukommen lässt wie der Ehegemeinschaft zwischen Mann und Frau? Dem hier regelmäßig vorgebrachten Argument, eine Gleichstellung würde die in Art. 6 des Grundgesetzes verankerte Privilegierung von Ehe und Familie aushöhlen, hat das Verfassungsgericht längst die Grundlage entzogen. Es zeugt zudem auch von einer geradezu spießbürgerlichen Engstirnigkeit, die den gesellschaftlichen Status quo vor allem dadurch zu erhalten versucht, dass sie alles Neue ausgrenzt.

Umso wichtiger und erfreulicher ist es da, dass die Karlsruher Richter dieser Denke eine erneute Absage erteilt haben. Und umso dringender ist es nun, dass die Union ihr Gesellschaftsbild auf den Prüfstand stellt.

CSU-Politiker Markus Söder scheint da übrigens schon einen Schritt weiter zu sein. Er ist nach langem Zweifeln zu dem Ergebnis gekommen, dass man die Homo-Ehe wohl doch akzeptieren müsse, da sie eben auch irgendwie eine anerkennenswerte Lebensgemeinschaft sei. Na immerhin…