Zugegeben, ich habe es ja nicht so mit Adenauer. Aber sein Mantra gefällt mir doch. Was habe ich Mitte Mai nicht noch meine chronische Unlust auf diese Weltmeisterschaft beschworen, habe nach den Gründen für meine fehlende Begeisterung gesucht und festgestellt, dass mir dieses Turnier im Grunde doch am Allerwertesten vorbei geht. Aber wisst Ihr was? Interessiert mich nicht mehr. Habe ich alles nie gesagt und falls doch, gilt es nicht mehr. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…

Freistoßspray, Torrekorde, absurde Elfmeterentscheidungen, absurde Abseitsentscheidungen, Favoritenstürze, Überraschungsteams, Spanien, England, Costa Rica, Chile, Dschungelspiele, Torlinientechnologie, Last-Minute-Tore, Thomas Müller, Torwartfehler, Traumparaden, Eigentore. Oder sagen wir es so: Das ist die unterhaltsamste Weltmeisterschaft, die ich bislang erlebt habe. Vielleicht nicht die qualitativ beste (was die Schiedsrichter angeht, ganz sicher nicht), aber eben doch mit einem kaum zu steigernden Entertainment-Faktor, irgendwo zwischen nervenzerreißendem Thriller, anrührendem Drama, amüsanter Comedy und alberner Groteske.

Ich bin mir nicht sicher, wieso gerade die Weltmeisterschaft in Brasilien mit einem derart hohen Unterhaltungswert aufwartet. Womöglich liegt es an den klimatischen Bedingungen Südamerikas, womöglich ist es schlicht eine Laune des Fußballgottes. Im Grunde sind mir die wahren Gründe auch herzlich egal, solange ein solches Turnier eben nur so amüsant und mitreißend ist.

Ich habe daraus nur eine feste Lehre gezogen, die ich als unerschütterlicher Zweckpessimist aber im Grunde schon immer verinnerlicht hatte: Immer nur alles richtig schlechtreden und miesmachen im Vorhinein. Du kannst am Ende nur positiv überrascht sein und Deine einstigen Unkereien letztlich als realitätsfernes Hirngespinst abtun. In diesem: Mir graut schon vor der anstehenden Bundesliga-Saison – wird doch eh wieder eine ganz öde Kiste.

Nein, ich will kein Oberlehrer sein – und kein Missionar. Und doch kann ich mir einen Appell nicht verkneifen. Angesichts der Tatsache, dass jährlich tausende Menschen sterben, die dringend auf ein Spenderorgan angewiesen wären und die Spendenbereitschaft hierzulande immer weiter abnimmt, kann man gar nicht genug auf diesen Missstand hinweisen.

In Deutschland gibt es keine Widerspruchslösung. Wer seine Organe nach dem Lebensende anderen Menschen zur Verfügung stellen will, muss dies ausdrücklich so erklären. Genau dies tun aber immer weniger Menschen. Weil sie von den jüngsten Skandalen abgeschreckt wurden. Weil ihnen die Vorstellung der Organentnahme nicht behagt. Aber eben oft vor allen Dingen weil sie sich mit ihrem Tod und den Folgen nicht auseinandersetzen wollen.

All das mag irgendwie menschlich und daher nachvollziehbar sein. Aber alles Verständnis nützt den kranken Menschen, die sehnsüchtig auf ein Spenderorgan warten, nichts. Ihnen sind wir es schuldig, dass wir uns alle mit der Frage auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen. Jeder von uns kann in diese Situation kommen und selbst von einer Organspende abhängig werden.

Wer selbst darauf hofft, im Falle eines Falles eine Organspende zu erhalten, kann die Frage, ob er selbst Spender sein will, nicht verneinen, ohne sich zum Heuchler zu machen.

In diesem Sinne sollten wir uns alle dieser Fragestellung nicht entziehen und eine Antwort für uns finden. Auch wenn die Vorstellung unangenehm sein mag. Aber das Leben ist eben nicht immer angenehm. Daher mein Aufruf:

Werdet Organspender, wenn Ihr es nicht eh schon seid.

7% für die AfD bei der Europawahl! Ich finde es erschreckend, dass eine Partei mit rechtspopulistischen Thesen und dem Schüren von subtilen, zum Teil fremdenfeindlichen Ängsten so einen Zulauf erfahren kann. Umso wichtiger erscheint es mir, sich mit diesem Phänomen konstruktiv auseinanderzusetzen und die billige Polemik der Partei zu entlarven. Ich halte es daher auch für sinnvoll, ihre Parteimitglieder in Talkshows einzuladen, um sie im Dialog zu entzaubern und als das zu präsentieren, was sie sind: Stimmungsmacher ohne klares politisches Konzept.

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat von diesem Angebot zuletzt häufig Gebrauch gemacht, obwohl er selbst moniert, in solchen Sendungen selten fair behandelt zu werden. Sein Vorwurf gleicht dabei oft einer Form von Paranoia, im Falle seines Auftritts bei „Markus Lanz“ war er berechtigt. Der ZDF-Talker hatte es in seiner Sendung am 10. Juni offenkundig darauf abgesehen, den AfD-Chef in die Ecke zu stellen, in der er ihn gerne sieht. Statt kritischer Recherche setzte er auf zuspitzende Ja-Nein-Fragen auch da, wo eine klare schwarzweißmalende Antwort abwegig erschien. So verbat sich Lucke auf eine uneingeschränkte Ja-oder-Nein-Position reduziert zu werden und fühlte sich, da Lanz von seinem vorgefertigten Schema nicht abzuweichen bereit war, durchaus zu Recht benachteiligt.

Es gab keinen Zweifel: Lanz wollte seine geplanten Fragenkatalog kurz und bündig abarbeiten. Um das Gespräch mit Lucke möglichst rasch zu beenden und um ihn in dem Lichte darzustellen, in dem er ihn sah. Mit fairem Journalismus hatte das alles wenig zu tun. „Ist ja nur Lucke“, mag man lakonisch anmerken. Aber auch als Gegner der AfD sollte man an einem fairen Umgang mit der Partei und ihren Mitgliedern interessiert sein. Nicht nur weil sich dies in einer Demokratie gehört, sondern weil alles andere auch kontraproduktiv wäre. Die AfD abzukanzeln und ihr mit aggressivem Impetus ans Schienbein zu treten, macht sie nur zu Märtyrern und damit letztlich stärker. Genau diesen Solidarisierungseffekt kann aber niemand, der der AfD kritisch gegenüber eingestellt ist, wollen.

Insofern gibt es keine Alternative, als sich mit dieser hoffentlich vorübergehenenden Erscheinung zwar hart und kritisch auseinanderzusetzen, sich dabei aber an dien Regeln von Anstand und professionellem Journalismus zu halten. Dies sollte auch Herr Lanz einsehen.