Dann lieber FDP

29. September 2014

Ich gebe zu, ich habe in den letzten Jahren regelmäßig Schadenfreude empfunden angesichts der immer schlechter werdenden Wahlergebnisse der FDP. Nun ist Schadenfreude nicht gerade die honorigste menschliche Tugend, aber eben doch so menschlich und im Falle der FDP auch sehr verbreitet. Was wohl letztlich vor allem in dem großspurigen, zuweilen überheblichen Auftreten der Westerwelles und Röslers begründet liegt. Wer sich mit selbstherrlicher Dekadenz als Heilsbringer der deutschen Wirtschaft geriert, um gleichzeitig nahezu sämtliche Ideale der liberalen Idee zu verraten, darf sich nicht wundern, wenn einem nach und nach die Sympathien abhandenkommen.

Und so empfand auch ich heimliche, später immer offener zelebrierte Freude angesichts des nahenden Untergangs der sogenannten Liberalen, die eben schon lange keine Liberalen mehr waren. Ich begrüßte das Siechtum der FDP, der ich zu Beginn dieses Jahrtausends durchaus positiv gesonnen war, um dann nach und nach festzustellen, dass diese Partei das Gegenteil von dem war, was ich eigentlich wollte.

Nun also ist die FDP im Grunde genommen tot, weder im Bundestag noch in den Landesparlamenten vertreten, zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, ohne dass sich in absehbarer Zeit ein Ausweg daraus erkennen ließe. Und ich? Bedauere dies inzwischen. Nicht weil mir die Partei ob ihres Herabsinkens zu einem niedlichen Vertreter der ‚Anderen‘ plötzlich sympathisch geworden wäre oder weil ich in ihr einen ganz neuen Charme entdecken würde. Aber wenn gleichzeitig eine rechtspopulistische Partei wie die AfD zweistellige Wahlergebnisse einfährt, dann stimmt etwas nicht im Lande Deutschland. Und wenn sogar die braune NPD auf knappe 5% kommt wie in Sachen, dann erst recht.

Nein, ich werde auf meine alten Tage als Mitdreißiger nicht zum FDP-Anhänger oder gar -Wähler. Aber mir sind neo- und auch pseudo-liberale politische Ansätze noch immer lieber als jede Form von Nationalismus und Rassismus. Die selbsternannte Alternative für Deutschland macht Ressentiments und Verdruss für sich nutzbar und geht mit genauso einfachen wie rückwärtsgewandten rechten Parolen auf Stimmenfang. Man kann der FDP vieles vorwerfen, aber das hat sie (von einigen traurigen Ausnahmen abgesehen) nicht getan.

Ich sage es ganz klar: Ich wünsche mir eine FDP in den Parlamenten zurück, wenn dadurch die Populisten der AfD von der Bildfläche verschwinden. Für unsere Demokratie wäre das mal wieder ein Schritt nach vorne.

Kalles Eigentor

22. September 2014

Thiago, Martinez, Bernat, Reina, Xabi Alonso und dazu Trainer Pep Guardiola – der FC Bayern setzt unübersehbar auf spanische Kräfte. Die Medien sprechen denn auch von einer Hispanisierung und hinterfragen den neuen Trend beim Rekordmeister kritisch. Das kann man für richtig oder falsch halten. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge findet’s falsch und legt noch einen oben drauf, wenn er im Bayern-Magazin von Stimmungsmache spricht auf den wichtigen Kampf gegen Rassismus verweist.

Nun ist Rassismus nach meinem Verständnis die bewusste Diskriminierung Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe, die als minderwertig erachtet und mit Wort oder Tat bekämpft werden sollen. Die Kritik an der Transferpolitik des FC Bayern hat mit einer solchen Form der Ausgrenzung rein gar nichts zu tun. Es muss doch erlaubt sein die Frage zu stellen, ob der inzwischen fast reflexartige Rückgriff auf spanische Spieler der richtige Weg ist und ob man sich an der Säbener Straße mit einer solchen Vorgehensweise wirklich einen Gefallen tut.

Man kann diese Frage durchaus kontrovers diskutieren, sich mit ihr zu befassen, ist aber in jedem Falle legitim. Der Begriff des Hispanisierung ist in diesem Zusammenhang durchaus zutreffend, beschreibt er das Phänomen doch recht plakativ. Mit Blick auf das Personal wird man nicht bestreiten können: Der FCB kommt dieser Tage ziemlich spanisch daher. Ob man es nun gut findet oder nicht.

In einem solchen Falle zur Geißelung der Kritik die Rassismus-Keule zu schwingen, ist nicht nur ziemlich abwegig, sondern vor allem auch gefährlich, wird dadurch doch letztlich der wahre Rassismus verniedlicht und verharmlost.

Karl-Heinz Rummenigge wäre gut beraten, seine Argumentationsmuster etwas sorgfältiger zu überdenken. Er täte nicht nur der Sache, sondern auch sich selbst damit einen Gefallen, würde er so doch zumindest etwas von der verlorenen Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft zurückgewinnen.

Der Zweck und die Mittel

15. September 2014

Ich gebe zu, ich war schnell genervt. Allerlei Promis oder eben solche, die sich dafür halten, schütten sich einen Eimer voller Eiswasser über das Haupt, um diese ultimative Mutprobe dann auch gleich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Der Gag der #IceBucketChallenge erschloss sich mir nicht wirklich. Im Gegenteil, bildete er für mich doch eher den traurigen Höhepunkt einer schier endlosen Reihe höchst überflüssiger Social-Media-Trends aus dem World Wide Web.

Als ich die Hintergründe der ulkigen Aktion erfuhr, sah ich mich gezwungen, meine Meinung zu überdenken. Schließlich geschah (und geschieht) das Ganze doch im Sinne einer guten Sache. Aufmerksamkeit für die seltene Muskelkrankheit ALS  schaffen und gleichzeitig Spendengelder eintreiben – da ist die Art und Weise der Umsetzung doch letztlich egal. Der Zweck heiligt die Mittel.

Und in der Tat: Wer wirklich etwas bewegen will, darf sich nicht mit wohlgemeinten, aber drögen Appellen begnügen. Wirkliche Veränderung im Kopf und in der Sache kann in diesen Zeiten nur mit spektakulären und außergewöhnlichen Maßnahmen gelingen. Die #IceBucketChallenge ist so eine ungewöhnliche Aktion und hat, wie jedenfalls die Zahlen beweisen, den gewünschten Erfolg gezeitigt.

Womit sich im Grunde jede Diskussion verbietet. Positive Auswirkung einer albernen Idee – alles gut? Ja, aber… So schön und so wichtig die Aufmerksamkeit für die Krankheit ALS ist, so sehr sollte man doch nicht vergessen, dass es noch viele andere Krankheiten, Behinderungen und Schicksale gibt, die bis dato kaum oder nur wenig von der Öffentlichkeit bemerkt werden. Ich sage das auch als jemand, der selbst an einer seltenen Muskelerkrankung leidet, die der Allgemeinheit wohl kaum bekannt sein dürfte und für deren Erforschung und Bekämpfung verhältnismäßig wenig Geld gespendet wird.

Ich fürchte, es wird nicht möglich sein, für alle seltenen Erkrankungen ähnliche, Aufmerksamkeit stiftende Aktionen ins Leben zu rufen wie die #IceBucketChallenge, eben auch weil hier schnell eine Sättigung eintritt. ALS verdient Beachtung und Spenden, gewiss, aber nicht ganz alleine.