Macht ‘ne Liste

28. September 2015

Schalke gegen Gladbach, Wolfsburg gegen Bayern, Bremen gegen Köln – bereits in der 2. Runde des DFB-Pokals erwarten uns echte Knallerbegegnungen mit hohem Unterhaltungswert. Das ist spannend, das ist interessant, das ist mitreißend – aber ist das auch im Sinne der Sache?

Der Nachteil liegt auf der Hand: Aufgrund des direkten Aufeinandertreffens scheidet manch namhafte Mannschaft zwangsläufig bereits früh aus dem Wettbewerb aus und kann diesen nicht weiter beleben. Dass dafür das eine oder andere unterklassige Team weiter kommt, kann man unter dem besonderen Charme des DFB-Pokals verbuchen. Ja, aber die Attraktivität leidet.

Nun ist es mit Reformen im Fußball so eine Sache. Sie verlaufen zäh, langwierig und beziehen sich meist eher auf Kleinigkeit. Aber eine leichte Modifikation des Pokals wäre im Grunde nichts anderes als eine Kleinigkeit. Von daher wäre es nicht nur wünschenswert, sondern wohl auch realistisch, im Pokal eine Art Setzliste zu etablieren, die ein allzu frühes Aufeinandertreffen der Top-Teams verhindert. Ich jedenfalls wäre dafür, im Sinne des Wettbewerbs.

Pep, bleib’ doch!

21. September 2015

Der Trainer grantelt und dem Sportdirektor gefällt’s. Die neue Übellaunigkeit von Pep Guardiola kommt bei Matthias Sammer nach dessen Bekunden gut an. Doch vieles spricht dafür, dass hier jemand gute Miene zum bösen Spiel macht, um langwierige Debatten möglichst im Keim zu ersticken. Auch Sammer dürfte die Schmalllippigkeit des Bayern-Coaches Sorgen bereiten. Dass Guardiola seinen bis 2016 laufenden Vertrag verlängern wird, scheint mehr als ungewiss. Alles sieht danach aus, als sollte es bei einem dreijährigen Intermezzo des Spaniers an der Säbener Straße bleiben.

Wie diese drei Jahre dann schließlich zu bewerten sind, wird sich erst nächstes Jahr zeigen. Vieles hängt vom Verlauf dieser Saison ab. Doch schon jetzt muss man die Befürchtung haben, dass die drei Jahre Guardiola den Verein langfristig nicht entscheidend weitergebracht haben. Die Qualität der Mannschaft, die Ansehnlichkeit des Spiels, die Dominanz in der Liga – all das ist unbestritten. Aber dass das System Guardiola nach einem Abgang im Jahr 2016 fortwirken wird, ist eher unwahrscheinlich.

Beim Bayern-Fan kann dieser Befund, so er ihn teilt, wohl zu unterschiedlichen Gemütsregungen führen. Entweder man hegt Gram gegen Guardiola und wünscht sich, er würde den Verein so schnell wie möglich verlassen. Oder aber man wünscht sich, er würde doch noch länger bleiben, um die von ihm eingeleitete Entwicklung fortzuführen und aus einem Intermezzo ein langfristiges Projekt machen.

Auch wenn ich selbst nicht so recht daran glauben mag, neige ich zur zweiten Betrachtung. Ich halte Guardiola nach wie vor für einen außergewöhnlichen guten Trainer und hoffe, er bliebe über das Jahr 2016 hinaus beim FC Bayern. Dabei will und kann ich nicht die Probleme übersehen, die sich im Laufe seiner Trainerschaft ergeben haben. Dass man in den letzten beiden Spielzeiten jeweils eine grandiose Hinserie abgeliefert hat, am Ende dann aber die Luft ausging. Dass die Mannschaft ein Stück ihrer Identität verloren hat und stattdessen übertrieben hispanisiert wurde. Dass es atmosphärisch weiterhin nicht optimal läuft. All das kann auch ich nicht leugnen. Und doch finde ich, hat sich die Mannschaft weiterentwickelt, spielt phasenweise grandiosen Fußball, ist taktisch noch reifer geworden und kann so flexibel agieren, wie kaum ein anderes Team der Welt. Was fehlt, ist noch der letzte Schritt, der aber auch nur dann möglich ist, wenn die Verletzungsprobleme nicht wie im Frühjahr dieses Jahres erdrückend sind.

Ich traue dem FC Bayern unter Guardiola Großes zu – diese Saison und in der weiteren Zukunft. Ich wünsche mir Kontinuität und einen Verbleib des Trainers. Also auch wenn derzeit wenig darauf hinzudeuten scheint: Bleib, Pep, bleib!

Fehlentscheidungen sind Mist

14. September 2015

Auch ich wollte es mir irgendwie schönreden: „Fragwürdige Entscheidung, ja, aber irgendwie doch vertretbar. Feulner blockt ihn ja. Costa wäre sonst an ihm vorbei. Und Kontakt ist ja da. Also schon doch nachvollziehbar.“ Doch letztlich konnte ich auch nicht anders, als mein inneres Herumgedruckse aufzugeben und klar festzustellen, dass es eine eindeutige Fehlentscheidung war, die meinem FC Bayern den Sieg gegen die Augsburger ermöglicht hatte.

Im ersten Schritt neigt man aber dazu, dem Unübersehbaren nicht ins Gesicht zu blicken und sich sein fußballerisches Weltbild zurechtzurücken. Denn niemand gewinnt gerne durch eine Fehlentscheidung. Weil die Erkenntnis, dass der Sieg nicht nur glücklich, sondern auch unverdient war, die Freude über den positiven Ausgang entscheidend trübt. Da kann man noch so lange herumargumentieren, dass man ja die überlegene und bessere Mannschaft gewesen sei, die doch die klareren Torchancen gehabt habe. Wenn man am Ende nur durch einen Patzer des Unparteiischen die drei Punkte holt, dann ist das schlicht ein entscheidender Makel. Insofern erstaunt es auch nicht, dass sich manch Fan und auch ein Thomas Müller im unmittelbaren Anschluss an das Spiel davor scheuen, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Man will sich eben mit aller Kraft noch einen Rest des guten Gefühls eines verdienten Sieges bewahren.

Aber das kann einem Bayern-Fan nach dem vierten Spieltag nicht gelingen. Dieser Sieg hat einen fetten Makel: Der Elfmeter, der ihn ermöglicht hat, war schlicht und einfach absurd. Dies kann ich trotz des auch mir eigenen Good-Feel-Bewahrungstriebs nicht leugnen und muss ich so deutlich feststellen. Bleibt also die Erkenntnis: Fehlentscheidungen sind Mist. Nicht nur für die Mannschaften, die unter ihnen leiden und so wie der FC Augsburg durch sie einen Punkt verlieren. Auch für den Profiteur sind sie letztlich nichts Erfreuliches. Denn echte Freude kann nach so einem Sieg nicht aufkommen.