Durchaus ansehnlich gestalten sich die Zahlen im ersten Zwischenfazit für die Schiedsrichter. Doch hier und da trügt der Schein. Derweil kann ein Neuling überzeugen, während der Flop der letzten Saison auch diesmal wieder oft daneben liegt. Den schwächsten Eindruck hinterlässt jedoch ein Unparteiischer, der gar nicht in der ersten Liga pfeift.

- Wenn, dann richtig: Der Blick auf die nackten Zahlen spricht für Konstanz. 0,69 Fehler pro Spiel bei einer Durchschnittsnote von 2,93 – dies sind ordentliche Werte als Zeugnis von in der Summe durchaus vorzeigbaren bis guten Schiedsrichterleistungen. Dies zeigt auch der Vergleich mit der Statistik der letzten Saison. So stand nach acht Spieltagen der Spielzeit 2014/15 eine Durchschnittsbewertung von 2,99 (bei dem gleichen Fehlerwert von 0,69) zu Buche.

Die insgesamt erfreuliche Bilanz darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Referees mitunter haarsträubende Patzer erlaubten. So lautet das Zwischenfazit nach knapp einem Viertel der Saison denn auch: Selten daneben, wenn aber, dann richtig. Beispielhaft dafür steht Florian Meyers Leitung der Partie zwischen Hertha und dem 1. FC Köln am 6. Spieltag. Der Burgdorfer Unparteiische erlaubte sich über die 90 Minuten nur eine Fehlentscheidung, lag da aber gründlichst daneben. Die Grätsche des Kölners Heintz‘ gegen Berlins Kalou nicht mit dem an sich gebotenen Elfmeterpfiff zu ahnden, bedurfte schon eines Höchstmaßes an kreativer Regelauslegung.

In eine ähnliche Kategorie fällt auch Felix Zwayers Auftritt im Spiel zwischen Darmstadt 98 und dem FC Bayern München am 5. Spieltag. Auch hier machte der Referee über weite Strecken des Spiels eine ordentliche Figur, erlaubte sich jedoch einen schwerwiegenden Fehler. Hollands Einschreiten gegen Bayerns Rode hätte zwingend einen Strafstoß nach sich ziehen müssen. Zwayer sah jedoch zur allgemeinen Verwunderung davon ab, erhielt wegen der ansonsten respektablen Leistung noch die SPOX-Note 3,5.


- Erfahrung und Jugend on Top:
Die Spitzenposition in unserer Schiedsrichtertabelle hat aktuell Manuel Gräfe inne. Der Berliner Schiedsrichter, der wegen seiner grotesken Leistung im Relegationsrückspiel zwischen Karlsruhe und dem KSC in den Fokus der Kritik geraten war, kam erst am 5. Spieltag zu seinem ersten von bis dato drei Einsätzen. In allen drei Begegnungen blieb der  42-Jährige fehlerlos und verdiente sich jeweils die SPOX-Note 2,0.

Der jüngst zum Schiedsrichter des Jahres gekürte Dr. Felix Brych lieferte bei seinen vier Saison-Einsätzen ebenfalls eine gute Gesamtperformance ab. Allein bei seinem letzten Aufritt am 8. Spieltag in der Partie zwischen Hertha und dem HSV offenbarte Brych Schwächen, als er sowohl bei Holtby und Skjelbred von der an sich gebotenen Verwarnung absah und mit seinem Gespann die Abseitsstellung von Ibisevic vor dem 3:0 übersah. Davon abgesehen überzeugt Brych auch in der neuen Saison durch abgeklärtes und selbstsicheres Auftreten.

Auf dem zweiten Rang findet sich derweil neben Dr. Jochen Drees und Wolfgang Stark mit Benjamin Brand ein Bundesliga-Neuling wieder. Der26-jährige Bamberger stieg zur neuen Saison in den Kreis der Erstligareferees auf und nahm den Platz ein, der durch das altersbedingte Ausscheiden von Thorsten Kinhöfer und Peter Gagelmann frei geworden war.

Bei seinen ersten beiden Auftritten (Schalke – Darmstadt am 2. Spieltag und Frankfurt – Hertha am 7. Spieltag) machte Brand jeweils eine gute Figur und erlaubte sich abgesehen von kleineren Unsicherheiten keine größeren Fehlern. Beide Spielleitungen wurden jeweils mit der SPOX-Note 2,5 bewertet.

Der Blick auf junge Schiedsrichtertalente wie Benjamin Brand hat dieser Tage besondere Bedeutung, werden in den kommenden Jahren doch einige etablierte Unparteiische aus Altersgründen die Pfeife an den Nagel hängen müssen. Stark, Meyer, Kircher, Sippel – die Liste der demnächst ausscheidenden Referees dürfte nicht nur Schiri-Boss Herbert Fandel die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, auch wenn neben Brand mit jungen Leuten wie Bastian Dankert oder Christian Dingert doch einige hoffnungsvolle Kräfte vorhanden sind.

- Schwacher Perl – mal wieder: Auch der 45-jährige Günter Perl befindet sich auf der Zielgerade seiner Schiedsrichterkarriere. In seinem Fall jedoch dürfte sich die Besorgnis über das bevorstehende Ausscheiden aus dem Kreis der Erstligaschiedsrichter in Grenzen halten. Denn in der Vergangenheit hat der Pullacher nur selten mit überzeugenden Leistungen aufwarten können.  So lag er am Ende einer für ihn insgesamt enttäuschenden Saison 2014/15 auf einem schwachen letzten 23. Spieltag.

Auch nach dem 8. Spieltag der neuen Spielzeit findet sich Perl wieder am Ende des Tableaus wieder.  Dabei weist er mit 4,0 nicht nur die schlechteste Durchschnittsnote, sondern auch die höchste Fehlerquote auf. Nach seinen drei Spielleitungen kommt er aktuell auf 1,7 Fehler pro Begegnung.

Den absoluten Tiefpunkt erlebte der Bayer dabei am 5. Spieltag, als ihm bei der Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC das fragwürdige Kunststück gelang, gleich dreimal von dem an sich gebotenen Elfmeterpfiff abzusehen. Sowohl nach dem Foul von Stark an Draxler als auch nach den regelwidrigen Aktionen von Dante und Naldo gegen Weiser bzw. Ibisevic hätte Perl jeweils auf den Punkt zeigen müssen – seine Pfeife blieb jedoch in allen drei Fällen stumm. Die mit Abstand schwächste Schiedsrichterleistung der laufenden Saison wurde mit der SPOX-Note 6 bewertet.

- Der auffällige Kempter: Einen noch schlechteren Eindruck als Günter Perl hinterließ bislang nur Robert Kempter, der als Zweitligaschiedsrichter zwar gar nicht im Oberhaus pfeifen darf und doch zweimal in den Mittelpunkt der Diskussionen geriet.

In besonderer Erinnerung wird dabei vor allem sein Auftritt als Schiedsrichter-Assistent bei der Partie zwischen dem FC Bayern München und dem FC Augsburg am 4. Spieltag bleiben, als er Spielleiter Knut Kircher zu einer schwerwiegenden Fehlentscheidung veranlasste. Den Zusammenstoß zwischen Feulner und Douglas Costa als elfmeterreifes Foulspiel des Augsburgers zu interpretieren, war nicht nur völlig abwegig, sondern hatte zudem entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Spiels, das die Münchener durch Müllers verwandelten Elfmeter mit 2:1 gewannen.

Auch am 8. Spieltag spielte sich Kempter in den Vordergrund, diesmal in seiner Funktion als Vierter Offizieller. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking wegen eines Trittchens gegen die Trainerbank auf die Tribüne verbannen zu lassen, war genauso kleinkariert wie absurd und zeugte nicht gerade von Fingerspitzengefühl. Der alte Grundsatz, nach dem Schiedsrichter dann am besten sind, wenn man sie gar nicht wahrnimmt, gilt eben auch für Assistenten und Vierte Offizielle.

(Aus meinem Schiri-Check bei SPOX.com)

(K)ein Platz für Demagogen

19. Oktober 2015

Ein Rechtspopulist am Sonntagabend zu Gast in einer ARD-Talkshow – ist das eine gute Idee? Die Frage dürfte sich wohl auch die Redaktion von „Günther Jauch“ gestellt und letztlich mit Ja beantwortet haben. So kam es, dass AfD-Mitglied Björn Höcke in der jüngsten Ausgabe der Polittalkshow zugegen war und seine ganz eigene Sichtweise zum Thema „Flüchtlinge“ kundtun durfte.

Mit der Einladung Höckes beschritten Günther Jauch und seine Redaktion einen schmalen Grat. Der Erwägung, sich mit den fremdenfeindlichen Thesen Höckes in einem öffentlichen Diskurs konstruktiv auseinanderzusetzen, stand die Befürchtung gegenüber, der rechte Demagoge könne die Sendung zu seinem Forum machen, um seinen polemischen Phrasen Gehör und sich damit neue Anhänger zu verschaffen. Der Zwiespalt, in dem sich dieser Tage zahlreiche Politredaktionen befinden, kann kaum allgemeinverbindlich beantwortet werden. Es gilt, von Fall zu Fall zu entscheiden und abzuwägen, wie hoch das Risiko einer Inszenierung rechter Propaganda gegenüber der Chance ist, populistische Schlachtrufe als billige und realitätsferne Polemik zu entlarven.

Im Falle des Höcke-Auftritts bei Günther Jauch durfte man mit Fug und Recht zweifeln, ob es wirklich schlau war, den AfD-Fraktionsvorsitzenden aus Thüringen in die Sendung zu holen. Zum Glück hat sich die Besorgnis letztlich nicht bestätigt. Und das lag vor allem an Björn Höcke selbst, dem es nicht gelang, seine hohlen Phrasen auch nur ansatzweise überzeugend über den Bildschirm zu bringen. Stattdessen verlor er sich in albernen Provokationen der anderer Gesprächsteilnehmer und präsentierte sich als das, was er ist: Ein narzisstischer, mitunter peinlicher Schreihals, dem es vollständig an einer sachlichen Argumentationsgrundlage mangelt.

Dass Höcke in der Talkshow nicht reüssieren konnte, geht indes nicht auf das Konto des Moderators. Günther Jauch vermochte es nicht, den Demagogen mit klugen Fragestellungen zu entlarven und versäumte es, ihn konsequent zu stellen. Dass Höcke seine Frage, ob er die ARD und insbesondere die Talksendung als einen Teil der gleichgeschalteten Presse betrachte, vollständig ignorierte, schien Jauch nicht im Geringsten zu stören. Die zwingend gebotene Nachfrage unterließ der Moderator – aus welchen Gründen auch immer.

So muss man froh sein, dass Höcke letztlich an sich selbst gescheitert ist. Günter Jauch hätte ihm nicht im Wege gestanden.

As good as it gets

12. Oktober 2015

Acht Siege nach acht Spieltagen. 28:4 Tore, sieben Punkte Vorsprung. Dazu 8:0-Tore nach den ersten beiden Champions-League-Spielen. Ich gebe zu, mir als Bayern-Fan fällt es dieser Tage schwer, nicht in Euphorie zu verfallen und nur Rosarot am Bayern-Himmel zu sehen. Dabei befindet sich die Saison gerade in der Anfangsphase. Die Entscheidungen fallen, auch wenn sich in der Liga wieder mal ein Durchmarsch andeutet, erst in einem halben Jahr. Und trotz der aktuellen Überform ist es durchaus möglich, dass auch diese Saison im Frust endet, wenn es eben in der Königsklasse wieder ein frühes (unglückliches) Aus gibt.

Und dennoch gilt es einmal wieder den Moment zu genießen. Abseits von Titeln und Triumphen macht augenblicklich einfach jedes Spiel Freude. Beeindruckende Dominanz, souveräne Siege und spektakuläre Torfestivals in steter Regelmäßigkeit. „Besser geht’s nicht“, dürfte Uli Hoeneß mit Blick auf einen gewissen Jack Daniels resümieren und damit die Leistungen auf den Punkt bringen. Natürlich bringen alle Kantersiege und Offensivfeuerwerke nichts, wenn am Ende der Saison nicht die gewünschte Titelausbeute steht. Und doch kann man sich auch einfach an dem erfreuen, was einem dieser Tage dargeboten wird.

Denn ach so selbstverständlich, wie manch verwöhnter Beobachter meint, sind die Leistungen dann doch nicht. Mit Blick auf die letzten drei, vier Jahre könnte eine gewisse Gewöhnung und Saturiertheit aufkommen. Wer aber weiter zurückschaut, auf das Ende des letzten Jahrzehnts oder gar auf die doch vergleichsweise mauen 90er Jahren wird erkennen, dass eine Dominanz wie in dieser Form keineswegs logisch oder zwangsläufig ist. Was genau die Ursachen sind für die wohl beste Phase der Vereinsgeschichte, darüber mag man lange philosophieren. Man kann es aber auch ganz einfach genießen.