Wir sind Badstuber

29. Februar 2016

Dramen gehören bekanntlich zum Sport dazu. Sie machen ihn vielleicht sogar zu einem Großteil aus. Hochs und Tiefs, Siege und Niederlagen – das ist der emotionale Stoff, aus dem die Begeisterung für den Sport gemacht ist. Aber manchmal ist es dann eben doch zu viel des Dramas.

Die Verletzungspest, die Holger Badstuber zeit seiner Karriere anhaftet, geht weit über das hinaus, was ein Sportler an Tiefen während seiner Laufbahn einstecken können muss. Der Bayern-Verteidiger konnte seinen Sport in den letzten fünf Jahren über keinen längeren Zeitraum dauerhaft praktizieren. Immer wieder kamen, in der Regel schwere Verletzungen dazwischen. Die jüngst erlittene Sprunggelenksfraktur stellt da nur ein weiteres Glied einer langen Kette dar. Dass er sich immer wieder aufrafft und Optimismus versprüht, spricht eindeutig für ihn.

Bemerkenswert (und vielleicht das einzig Positive am ganzen Elend) ist, wie der FC Bayern München samt seiner Fans angesichts von Badstubers erneutem Rückschlag Zusammenhalt und Identifikation demonstriert. Nicht nur, aber vor allen die T-Shirt-Aktion vor dem Spiel gegen den FC Augsburg ist Ausdruck dieser durchaus bemerkenswerten Haltung.

In dem Sinne kann man gleichwohl nur hoffen, dass weitere Solidaritätsaktionen in der Zukunft nicht mehr erforderlich sind. Also: #GetWellsoon, Holger!

Peinlichkeit ist Eilenberger

22. Februar 2016

Zum journalistischen Handwerk gehört es, zuweilen mit bewussten Überspitzungen zu provozieren und Reizpunkte zu setzen. Kommentare müssen nicht immer wohl abgewogen und sachlich-distanziert sein. Und doch: Die Randdisziplin des professionellen Journalismus legitimiert keinen undifferenzierten Unsinn. Wolfram Eilenberger ließ sich dennoch dazu hinreißen.

So setzte der Philosoph und Publizist unlängst zu seiner persönlichen Abrechnung mit dem Handballsport an, den er im Zuge des jüngst errungenen Europameisterschaftstitels als Ausdruck einer reaktionären oder – wie er es blumig umschrieb – „kartoffeldeutschen“ Gesinnung betrachtet. „Wenn Fußball Merkel ist, dann ist Handball Petry“, pseudoräsonierte Eilenberger und rückte eine ganze Sportart damit in eine rechte Ecke.

Nun muss man Handball wahrlich nicht mögen. Ich selbst tue mich mitunter mit dem Sport schwer, beklage die vielen Fouls und störe mich am fehlenden Mittelfeldspiel. Aber ihn als Repräsentanten einer fragwürdigen Gesinnung zu diskreditieren, ist genauso bemerkenswert wie abwegig. Menschen praktizieren ihren Sport nicht aus einer politischen Grundüberzeugung heraus, sondern aus der bloßen Freude an ihm selbst. Also genau aus den Gründen, weshalb sich die Fans für ihn begeistern.

Nun mag jeder Sport seine ganz eigenen strukturellen Probleme haben; sein Wesen und damit seine Existenzberechtigung in Frage zu stellen, geht gleichwohl weit über das Ziel hinaus. So muss sich denn auch ein Wolfram Eilenberger fragen lassen, ob er mit seiner wohlfeilen Abrechnung letztlich nicht ganz einfach eines getan hat: Sportler und Fans beleidigt.

Wenn er sich fragt, wieso im deutschen Auswahlteam – anders als in der Fußballnationalmannschaft – keine Spieler mit Migrationshintergrund vertreten sind, dann ist dies eine berechtigte Frage. Sie aber mit dem Verweis auf den AfD-Charakter eines ganzes Sports zu beantworten, zeugt denn doch von einer kaum fassbaren Engstirnigkeit, die aus Sicht der Handballfans als Unverschämtheit aufgefasst werden muss.

Eilenberger wollte mit seinem Kommentar, den er nachträglich selbst als „Brecher“ bezeichnet hat, eine Diskussion einleiten. Dies scheint vordergründig betrachtet gelungen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die vermeintliche Diskussion vor allen Dingen als entrüstete Ablehnung gegenüber einem Essayisten, der seine persönliche abgrundtiefe Verachtung gegenüber einem Sport in ein peinliches Sport-Politik-Theorem zu kleiden versuchte.

Absurd

15. Februar 2016

Fußball ist ein einfacher Sport. Simpel, leicht verständlich, etwas für den kleinen Mann. Zu kompliziert darf es nicht werden, weshalb man vor größeren Veränderungen des Regelwerks regelmäßig zurückschreckt. Und das mag dann auch irgendwie der Grund sein, weshalb man weiterhin von einer Einführung des Videobeweises absieht. In der Tat gibt es schlagkräftige Einwände gegen den TV-Beweis im Fußball (Spielunterbrechungen, Abgrenzung zwischen überprüfbaren und nicht überprüfbaren Entscheidungen); doch sich ganz und gar einer technischen Lösung zu verschließen, erscheint nicht mehr zeitgemäß. Jedenfalls einen (vorsichtigen) Versuch kann man starten.

Was jedenfalls nicht passieren darf, ist das, was sich am 30. Januar in Dortmund zugetragen hat. Da zeigte die über die Videoleinwand eingespielte Wiederholung, dass Aubameyangs Treffer aufgrund einer Abseitsstellung irregulär war. Schiedsrichter Winkmann nahm davon Kenntnis, konnte seine Entscheidung aber nicht mehr revidieren, weil er es nicht durfte. Alle hatten es gesehen, aber keine konnte das Unheil verändern, weil es das Regelwerk sollte. Fußball ist eben nicht nur ein einfacher, sondern auch absurder Sport.