Wo ist der Anstand?

5. Juli 2018

Womöglich ist es weise, de AfD mit Nichtbeachtung zu strafen und ihre polemischen Tiraden einfach zu überhören. Und doch darf der Charme des entspannten Ignorierens nicht dazu führen, dass wir gleichgültig werden.  So müssen die jüngsten Thesen von Alexander Gauland eine klare Antwort erfahren. Nicht jede Unverschämtheit kann unter dem Mantra demokratischer Gelassenheit bloß müde lächelnd zur Kenntnis genommen werden.

Den Status quo in Deutschland mit den letzten Monaten der DDR zu vergleichen, ist nicht nur historischer Unfug, sondern vor allem eine Verhöhnung der Opfer des DDR-Regimes.  Nicht minder unverschämt (und absurd) ist es, die Bundeskanzlerin mit Erich Honecker gleichzusetzen.  Ja, man mag sich bei Alexander Gauland an die fortwährenden Tabubrüche gewöhnt haben. Aber man darf es eben nicht unkommentiert lassen, wenn die Nazi-Diktatur als „Vogelschiss in 1000 Jahren deutscher Geschichte“ abgetan wird. Was in der vergleichsweise kurzen Zeit von zwölf Jahren an Unrecht und Barbarei verübt wurde, war alles, nur keine Bagatelle. Wie verletzend und empörend müssen solche Worte in den Ohren der Opfer des NS-Regimes und ihrer Angehörigen klingen.

Dass Gauland, Hoecke & Co. skrupellos die Geschichte verdrehen und banalisieren, ist das Eine. Vielleicht noch schlimmer ist es, dass so viele ihnen auf den Leim gehen und sämtliche Unverschämtheiten akzeptieren oder gar goutieren. Wo ist der Aufstand der Anständigen? Oder ist Anstand keine deutsche Tugend mehr?