Die Liga-Lehren zum 19. Spieltag mit: Karneval, Rückenschmerzen, Sprachforschung und einer ordentlichen Portion Matthäus:

Unkölnig
Beginnen wir ausnahmsweise mit einer positiven Nachricht: In nicht einmal drei Wochen ist Karneval. Für den Rheinländer im Allgemeinen und den Kölschen im Besonderen heißt das fünf Tage Moralanarchie auf kulturellem Krankenschein. Da fallen dann schlagartig alle sittlichen Anstandshemmungen und es wird gebechert und geschnackselt, was das Zeug hält. In München kennt man das auch – unter dem Arbeitstitel Weihnachtsfeier. Einer der wenigen, die diese regionalen Feierfeinheiten bis zum Exzess ausgelotet haben, ist FC-Maskottchen Podolski. Und er weiß: Das schlaucht. Das macht der Körper nicht lang mit. Und so meldete er sich dann rechtzeitig für die jecken Wochen mit gebrechlichem Horst-Schlämmer-Wehklagen ab: Hab Rücken. Kann nit mie. Weißte Bescheid. Hieß aber auch, dass mit Fußballspielen erst mal Essig war. Folge: Das vor Anmut und Esprit nur so sprühende Kölner Mittelfeld offenbart plötzlich ein klitzekleines Kreativdefizit. Welches man laut Ex-Spieler Falko Götz doch durch Yildiray Bastürk, die wandelnde Bänderdehnung aus Stuttgart, ausgleichen solle. Tolle Idee. Erinnert irgendwie an ein Altenheim, das Jopi Heesters als Hausmeister einstellt. Um mal so ein bisschen frischen Wind in den Laden zu bringen. Diesmal gab’s übrigens drei ganz unkölnige Auswärtstore, allerdings gegen einen ziemlich unmeisterlichen Meister mit karnevalistischen Abwehreinlagen. Wolfsburg geht halt auch ohne Poldi – und ohne Bastürk.

Unverständlich
Das war’s dann allerdings auch schon mit den guten Neuigkeiten. Wenden wir uns also dem Unerfreulichen zu. Also Lothar Matthäus. Oder Hannover 96. Oder aber beiden. Denn dass man den Bergmann wieder unter Tage geschickt hat, mag man ja verstehen. Dass man die historische Chance, einen Lothar Matthäus, also der wo sich doch wirklich anbieten tut, zu verpflichten, vertan hat, ist und bleibt absolut unverständlich. Jedenfalls für Loddar. Und für uns alle auch. Denn was hat Mirko Slomka schon zu bieten? Ein abgeschlossenes Mathematik-Studium, Erfahrung als Bundesliga-Trainer, sachlich-nüchterne Rhetorik. Und sonst? Nix! Das Portfolio der fränkischen Heiratsmaschine liest sich dagegen ungleich facettenreicher: Vier gescheiterte Ehen, Grundkenntnisse in deutscher Sprache, Hausaufgabenbetreuung bei bayrischen Abiturientinnen und nicht zu vergessen ein mehrtägiges Trainer-Engagement bei Borussia Banana. Sowas nennt man Schlüsselqualifikationen, die in Hannover aber natürlich keine Sau interessieren. Und wer keinen Clown haben möchte, der verliert sogar gegen einen Karnevalsverein. Selber schuld!

Unheilig
Die Bezeichnung einer Sache oder Person lässt bekanntlich keinen unmittelbaren Rückschluss auf ihr Wesen zu. Zuletzt nachgewiesen im freitäglichen Labor-Experiment zwischen SC und VfB. Beispiel Trainer. Hier Bruce Gross, der entgegen namentlicher Konnotation und äußerem Anschein auf Besonnenheit setzt und seine Spieler in vangaalscher Tochter-Vater-Beziehung ehrfurchtsvoll zu siezen pflegt. Da Apu Dutt, der wankelmütige Hasardeur, der uns Woche für Woche neue Nachwuchskicker mit ganz drolligen Namen präsentiert. Diesmal Danny Williams und ein Sturmtänkchen mit dem vielversprechenden Vornamen “Papiss”. Von hochprozentiger Chancenauswertung oder flüssigem Spielaufbau konnte zumeist jedoch keine Rede sein. Aber Namen… genau… besagen gar nichts. Denn auch wer Matthäus heißt, ist deshalb noch lang kein Heiliger.

Unwörtlich
Das Unwort des Jahres lautet diesmal also: betriebsratsverseucht. Ein Begriff, der so unwortig ist, dass ihn zuvor noch niemand zur Kenntnis genommen hatte. Aber diesmal sollte halt ein gänzlich ungeläufiger Terminus an der Reihe sein. Damit er gar nicht erst bekannt wird. Hat ja schon mal prima geklappt. Vielleicht sollte die Jury mal Nachhilfe beim Loddar nehmen. Der kann zwar kein Deutsch, hat aber zumindest eins verstanden: Wenn etwas im Gespräch bleiben soll, muss man drüber reden. Und wenn’s dabei auch um einen selbst geht. In dem Sinne schlagen wir für das Unwort 2010 vor:
kaufrauschverseucht – unkonzentriert infolge personeller Unübersichtlichkeit durch Magathschen Kaufwahn.
Gaaloppade – ungeschickte und künstlerisch fragwürdige Flucht vor eigenen Angestellten.
arangont – überheblich, hochmütig (insb. bei Ausführung eines Elfmeters resp. Nachschuss).
Allesamt komplett ungebräuchlich und damit zutiefst unwortverdächtig. Und dann vielleicht schon bald in aller Munde.

Unbeschreiblich
Es gibt Fußballspiele, die sind so großartig, dass man sie in grammatikalisch korrekten Sätzen kaum zu beschreiben vermag. Also versuchen wir es gar nicht und überlassen die Bewertung des Topspiels in Bremen der Uerdinger Rhetorikwunderwaffe Ailton, der in diesem Leben bekanntermaßen noch keinen grammatikalisch korrekten Satz zu Stande gebracht hat. Die Frage nach einer Beurteilung der 1. Halbzeit beantwortete er denn auch mit einem unvergleichbaren “Ja…äh…der Ailton…äh…muss…ist…wieder…äh…nach 6 Jahren…Bremen…Fans…toll!” Besser konnte man die Klasse der Partie nicht auf den Punkt bringen. Und wem das nicht reicht, für den ergänzen wir: Der Kick war so erschreckend gut, dass der gestrenge Bayern-General aus lauter Angst vor seinen euphorisierten Spielern zum Fliehenden Holländer mutierte. Seine Bodenturneinlage wurde rein B-Noten-technisch der Qualität des Matches gleichwohl nicht gerecht. Hm, irgendwie war Ailtons Analyse da doch prägnanter.

Uneben
Einen hamma noch: Was unterscheidet Werder Bremen in diesen Tagen vom BVB? Ganz einfach: Werder hat in der Kabine mehr Wiese als der BVB auf dem ganzen Platz. Ja, flach, sehr flach. Definitiv flacher als der Dortmunder Hügelacker.

Und was gab’s noch?
Jogi hat die Teilnehmer am Leistungstest ausgelost. Hauptgewinner der Januar-Ziehung: Robbie Huth und die Stuttgarter Ersatzbank. Tante Frings ging dagegen leer aus – hat mal wieder seinen Lotterieschein nicht abgegeben. Charly Jancker und Benny Lauth hoffen indes auf die nächste Ziehung.
Und dann noch das: Flip Lahm, dieses schnuckiputzige Traumschwiegersöhnchen, hat’s allen gezeigt. Von wegen: Kann keinem Tier was zu leide tun. Ist Quatsch. Der legt sich jetzt sogar mit Robben an. Kriegt aber dennoch keine Probleme mit Greenpeace. Weil sich Bayerns Robben auch ganz gut alleine wehren kann. Aber alles halb so wild. So Trainingsscharmützel kommen alle Nase lang vor. Sogar der große Loddar hat vom kleinen Bixente mal eine gepfefferte Backpfeife kassiert. Das hat zwar für ein (bis heute nicht wieder beseitigtes) Chaos in Loddars Restsynapsen gesorgt, war aber schnell wieder vergessen. Denn wer nicht viel denkt, vergisst auch schnell. In dem Sinne: Loddar, nimm den Liga-Lehren die kleine Bashing-Einlage nicht übel. Morgen hast du das bestimmt schon wieder – vergessen.