Nachwuchsstar Kerkeling?
1. März 2010
Der Lehrerberuf mag mit den Aufgaben eines Fernsehmoderators nicht viel gemein haben (manch ein Lehrer sieht sich selbst gleichwohl irgendwo zwischen Wissenschaftsjournalist und Stand-Up-Comedian). Beide Berufssparten besitzen in jedem Falle aber eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Sie klagen über Nachwuchsmangel. Während dies im ersten Falle mit einer mangelnden Begeisterung für die tagtägliche Konfrontation mit aufsässigen Jugendlichen zu tun haben dürfte, ist fehlende Bereitschaft sicher nicht die Ursache für die Nachwuchsprobleme im Fernsehgeschäft. Im Gegenteil, jeder träumt irgendwann irgendwie doch davon, als conferencierender Selbstdarsteller vor einem Millionenpublikum aufzutreten. Woran es scheitert, ist schlicht und einfach das Talent.
Nette Präsentatoren mit Know-How und Witz gibt es zweifellos in Hülle und Fülle. Große Unterhalter finden sich unter den Pilawas, Lantz‘ und Kerners dann aber doch nicht. Das mag damit zusammenhängen, dass es – wie allenthalben beklagt – die echten Persönlichkeiten mit kantigem Profil in unserer stromlinienförmigen Zeit nicht mehr gibt. Ein Frankenfeld oder ein Kulenkampff würde sich im Fernsehen des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich auch schwer tun. Und dennoch ist der Ruf nach unverwechselbaren Typen mit Entertainment-Qualitäten unüberhörbar. Thomas Gottschalk, der diesem Anforderungsprofil in den letzten Jahr(zehnt)en noch am ehesten gerecht wurde, ist unübersehbar über seinen Zenit hinaus. Seine Zeit ist bald vorbei, vielleicht sogar längst abgelaufen. Ob Wetten dass..? als das alte Schlachtschiff der Fernsehunterhaltung danach noch weiter über die Bildschirme schippern wird, scheint zweifelhaft. Denn wer könnte Gottschalk nachfolgen? Bzw. wer hat noch am ehesten das Format, einen launigen und geistreichen Fernsehunterhalter und –moderator abzugeben.
Bei allem Überlegen fällt einem hierzu nur ein Name ein: Hape Kerkeling. Der einstige Anarcho-Blödler hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er mehr ist als nur ein drolliger Comedian. Kerkeling gibt einen souveränen Moderator mit Witz, Herz und Kodderschnauze ab und ist, auch wenn er sich nicht in einer seiner vielen Alter Egos flüchtet, eine unverwechselbare Figur des deutschen Fernsehens. Wenn es einem zuzutrauen ist, die alte Kunst der großen Fernsehunterhaltung zumindest ansatzweise wieder hochleben zu lassen, dann ihm.
Übrigens, Kerkeling ist vor kurzem 45 Jahre alt geworden – so viel zum Thema Fernsehnachwuchs.
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