Zweifel an Pep

28. Januar 2013

Irgendwie ist das ja schon komisch: Heißt es nicht, dass man eher als junger Mensch seine rebellischen Triebe auslebt, um dann mit zunehmendem Lebensalter immer angepasster zu werden? Bei mir ist das anscheinend anders. Denn während ich mich als Teenager eigentlich ganz wohl im Sog des Mainstreams fühlte, entdecke ich nun zunehmend unkonformistische Züge an mir. Und wenn es auch nur im Fußball ist.

So konnte ich - als Bayern-Fan - die allgemeine Euphorie über die Verpflichtung Pep Guardiolas in der Form nicht teilen. Gewiss, dass sich ein derart namhafter Trainer mit dieser erfolgreichen Vita zum FC Bayern „verirrt”, das gefällt mir schon. Ein solch unerwarteter Coup bringt uns Respekt ein, ganz gleich welch sportlichen Mehrwert er letzten Endes für uns hat. Es ist denn auch wohl eine gehörige Portion Besitzerstolz, die sich in der schier überschwänglichen Freude von Fans und Vereinsoberen niederschlägt.

Aber wird Guardiola dem FC Bayern auch sportlich weiter helfen, und zwar langfristig? Ich will und kann es nicht ausschließen, doch meine Skepsis vermag ich nicht zu verhehlen. Begründet ist sie weniger in der Person des einstigen Barca-Trainers als vielmehr in den Erfahrungswerten der letzten 20 Jahre. Seit der Entlassung Jupp Heynckes‘ 1991 gab es in den vergangenen Jahren bis auf Ottmar Hitzfeld keinen einzigen Trainer beim FC Bayern, der dem Verein auf lange Sicht wirklich weitergeholfen hätte. Ob man nun Giovanni Trapattoni, Louis van Gaal oder Felix Magath anführt, keinem Coach ist es gelungen, über den einen oder anderen Titel hinaus den FC Bayern dauerhaft auf die Erfolgsspur zu bringen.

Mit Guardiola soll das nun anders werden. Der 41jährige Spanier ist kein Mann für den kurzfristigen Erfolg, sondern ein Konzepttrainer, mit dem nicht nur das spielerische System optimiert werden soll, sondern auch Titel geworden werden müssen. Gar nicht so einfach, mag man denken. Aber schließlich ist Guardiola ja der beste Trainer der Welt. Doch ist er das wirklich? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht - und die meisten Experten wohl auch nicht. Guardiola hat aus dem FC Barcelona das Optimum herausgeholt und den Verein auf beeindruckende Weise revolutioniert. Doch es war eben der große FC Barcelona, ein Verein, dessen Selbstverständnis, Struktur und Potenzial einmalig in der Welt sind.

Wer bei Barca reüssiert, muss denn auch nicht überall automatisch erfolgreich sein. Wer sich Guardiolas Arbeit und Persönlichkeit näher besieht, wird Zuversicht für sein Engagement bei Bayern emfinden: Ein großartiger Typ, ein Fachmann erster Güte - einfach ein Toptrainer. Die Voraussetzungen sind also gut. Und dennoch bleiben Zweifel. Nicht nur aber eben auch wegen des ganz besonderen Umfelds beim Rekordmeister mit der mitunter schwierigen, weil unentspannten Führungsetage, die Veränderungen bestenfalls zähneknirschend mitansehen wird.  Wegen eines zwar starken, aber keinesfalls international herausragenden Spielerpotentials. Wegen des FC Bayern, so wie er eben ist: Anspruchsvoll, ehrgeizig, selbstverliebt, schwierig.

Guardiolas Mission beim FC Bayern kann gelingen, sie muss es aber nicht. Die Verpflichtung des neuen Trainers gibt Anlass zu Freude - zu Euphorie aber ganz sicher nicht.

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