Mein alter Feind…

13. Mai 2013

Wie lange ist es nun her, dass wir uns das erste Mal begegnet sind? 25 Jahre? 26? Ich weiß es nicht mehr, es muss eine Ewigkeit her sein. Ich erinnere mich nur, dass ich Dich auf den ersten Blick nicht ausstehen konnte. Du nahmst Dich einfach viel zu wichtig in Deinem Gönnertum, wolltest anderen immer ein bisschen Muße gewähren, ohne Dich um die Sorgen der Masse zu scheren. Ja, auch meine Not war Dir stets gleichgültig. Mein verzweifeltes Flehen nach ein wenig Erbarmen hast Du immer wieder aufs Neue ignoriert, hast mich sitzen lassen in meiner Tristesse.

Nein, Du bist wahrlich nicht beliebt, Du bist verhasst im ganzen Land und hast Dir eine Unbeliebtheit selbst zuzuschreiben. Die Selbstverständlichkeit, mit der Du jedes Jahr neu in die Öffentlichkeit trittst und Dein Recht einforderst, provoziert Abneigung und Hass. Kompromisse sind Dir fremd, nur alle zwei Jahre nimmst Du Dich ein wenig zurück, um im Folgejahr wieder mit der altbekannten Unnachgiebigkeit zuzuschlagen.

Du bist der Miesepeter der Nation, ach was sage ich, der Welt. Der Spielverderber, der sich am Darben anderer Menschen erfreut und es bis zum letzten Moment auskostet. Du bist der Motor der Langeweile, die Mutter der Sinnlosigkeit, das Loch unter den Löchern. Du bist das pure Nichts und willst auch gar nichts anderes sein. Gerade das macht uns alle so wahnsinnig.

Mit Fußball hast Du nichts im Sinn. Man könnte fast sagen, der Kampf gegen ihn ist Dein einziges Sinnen und Trachten, ja Deine einzige Existenzberechtigung. Ohne Fußball würde es Dich nicht geben. Genauso wenig wie eine Polizei ohne Straftaten, einen Arzt ohne Krankheiten, einen Kammerjäger ohne Kakerlaken. Du hast Dich dem Kampf gegen den Fußball verschrieben und bist doch froh, dass es ihn gibt. Weil es sonst auch Dich nicht gäbe. So pervers ist unsere Welt.

Ich habe nie so recht verstanden, worum es Dir im tiefsten Inneren Deines Herzes eigentlich geht. Du schwafelst meist irgendetwas von Kontemplation, innerer Einkehr, Auszeit, Krafttanken und Neubesinnung. Ich kann damit nichts anfangen, für mich sind das nur hohle Phrasen. Ich will Leben, Spannung, Aufregung, Unterhaltung, Leidenschaft. Und Du sprichst mir diesen Wunsch ab. Ich sei angeblich unersättlich und solle mich doch anderem hingeben als immer diesem seltsamen Fußball.

Anmaßend finde ich Dein Auftreten. Mit welchem Recht ziehst Du meine Wünsche ins Lächerliche? Mit welchem Recht nimmst Du Dich so dermaßen wichtig und fügst uns allen Jahr für Jahr dieses unermessliche Leid zu, dessen wahre Ausmaße Du doch gar nicht zu erahnen vermagst? Du kannst gar nicht einschätzen, wie sehr Du uns immer wieder zusetzt.

Ja, ich weiß es zu schätzen, dass Du Dich jetzt wieder eine ganze Zeit lang zurückgenommen hast. Dass Du uns mit Deinem selbstverliebten Geschwafel verschont und unserer Leidenschaft überlassen hast. Das war, so ehrlich will ich sein, sehr nett von Dir. Und doch weiß ich, dass Du schon bald wieder mit Deiner ganzen Eiseskälte zuschlagen wirst. Ich weiß es, denn ich bin es so gewohnt von Dir. Jahr für Jahr, Du erbarmungsloses Nichts.

In wenigen Wochen stehst Du wieder vor der Tür, mit Deinem dämlich-blöden Grinsen und einem sanft gehauchten ‚Hallo, da bin ich wieder‘, dem wir alle am liebsten mit dem ausgestreckten Mittelfinger begegnen würden. Aber wir haben ja Respekt und wissen, dass auch Dein Dasein, so unverständlich es uns erscheinen mag, wohl so seine Gründe haben mag. Auch wenn wir sie nicht anerkennen wollen.

Ja, ich habe sogar versucht, mich mit Dir anzufreunden. So wie mit Glatteis im Winter oder Heuschnupfen im Frühjahr. Und doch habe ich schnell erkennen müssen: Du bist die Pest.

Darum lass‘ Dir eines gesagt sein:

Sommerpause, ich hasse Dich von ganzem Herzen!

Dein ewiger Feind
Voegi

(auch veröffentlicht im Rahmen des SPOX-Blogpokal)

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