Danke Marietta!

16. Dezember 2013

Die Vorweihnachtszeit ist bekanntlich die Phase der Harmonie. Da hat man sich lieb, da tauscht man Nettigkeiten aus, da wird der ganze Dreck des Jahres einfach mal schön unter den Teppich gekehrt. Im Dezember ist kein Platz für Zwist und Provokation, im Dezember ist alles rosarot.

Wahrscheinlich hat Marietta Slomka ihren Frontalangriff auf den SPD-Vorsitzenden deshalb auch noch im November gestartet. Ein paar Tage später hätte sich das (Fernseh-)Volk womöglich angeekelt abgewendet. Es war die letzte Chance auf eine gezielte Attacke – die ZDF-Moderatorin hat sie wahrgenommen und eine Menge Kritik geerntet.

Gewiss, Slomkas Vortrag war kalkuliert, selbstverliebt und in der Sache überzogen. Und doch war es einer der seltenen Lichtblicke in einer zusehends auf Konformismus gepolten (Medien-)Gesellschaft, die den offen ausgetragenen Dissens mehr und mehr scheut. Marietta Slomka hat ein Zeichen gesetzt.

In der Sache mag sie daneben gelegen haben. Ihre verfassungsrechtlichen Bedenken gingen an den wahren Problemen vorbei. Doch allein die Tatsache, Gabriels Dünnhäutigkeit und damit auch die Kritikresistenz der Großen Koalition insgesamt entlarvt zu haben, darf sie als Verdienst für sich verbuchen.

Was bleibt, ist die leise Hoffnung, dass möglichst viele Journalisten dem Beispiel Slomkas folgen und die Große Koalition immer wieder hartnäckig auf den Zahn fühlen werden. Anders dürften die kommenden vier Jahre kaum erträglich sein.

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