Zum Schämen

23. Juli 2018

Über die Affäre Özil (und Gündogan) ist in den vergangenen Monaten viel geredet und geschrieben worden, wahrscheinlich zu viel. Es wäre besser gewesen, man hätte die Debatte mit einer konsequenten Entscheidung rechtzeitig beendet. Aber dem DFB, konkret Grindel, Bierhoff und Löw, mangelte es letztlich an der nötigen Courage, um Mesut Özil nach seiner Erdogan-PR-Aktion und der folgenden Weigerung zu einem öffentlichen Statement aus der Nationalmannschaft zu werfen.

Nun darf Özil für sich reklamieren, das Heft des Handelns in der Hand behalten und selbst den Rücktritt erklärt zu haben. Dies sei ihm gegönnt und ist, wenn man nicht gerade führender DFB-Repräsentant ist, erträglich. Unerträglich ist es dagegen, dass sich der gerade Zurückgetretene auch noch als Opfer von medialem Rassismus geriert. Denn Rassismus war, jedenfalls von Seiten der Medien, nicht im Spiel. Die Medien haben vielmehr deutlich und in der Sache hart das kritisiert, was zu kritisieren war. Nämlich dass ein deutscher Nationalspieler Wahlkampfhilfe für einen autokratischen Staatschef betreibt. Das ist, unabhängig von Özils türkischen Wurzeln, inakzeptabel und mit dem Selbstverständnis der deutschen Nationalmannschaft unvereinbar. Klare Kritik ist und war hier mehr als angebracht. Dies als Rassismus abzutun, zeugt nicht nur von politischer und sozialer Ignoranz, sondern ist schlicht eine Zumutung – eine Zumutung gegenüber den leider viel zu vielen echten Opfern von Rassismus, die sich verhöhnt und beleidigt fühlen müssen, wenn sich ein Mesut Özil zu ihnen gesellen will. Das letztlich ist die wahre Schande und dafür sollte sich Özil schämen.

Kommentar verfassen

Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.