Wohin, Poldi?

22. September 2008

Es gibt wohl kaum eine Diskussion, die derzeit so leidenschaftlich geführt wird, wie die über die sportlichen Perspektiven des Lukas Podolski. Die Debatte polarisiert und spaltet ganz Fußballdeutschland in zwei Lager: Während die eine Seite Podolski nahelegt, sich in München weiter durchzubeißen, um so Einsatzwillen und  Nehmerfähigkeiten zu demonstrieren, legen ihm andere einen Wechsel (nach Köln) nahe. Durch den Ablauf der Wechselfrist hat sich die Frage vorerst erledigt. Doch bereits im Winter könnte sie wieder aktuell werden. Was also ist Podolski für die Zukunft zu raten? Aus rein sportlicher Sicht gibt es nur zwei Optionen:

1.    Podolski bleibt in München und hofft darauf, dass ihm Klinsmann irgendwann das Vertrauen schenkt, das er verdient hat. Der Haken an der Sache ist Miroslav Klose. Denn der wird ihm trotz dauerhaft schwacher Leistungen beharrlich vorgezogen. Seit etwa einem Jahr „überzeugt“ Klose vor allem durch Abschlussschwäche und Lethargie,  ist aber nach wie vor in der ersten Elf der Münchener gesetzt. Manche machten bei Klose nach seinem Triple von Helsinki bereits das Ende seiner Formkrise aus. Dass dem nicht so ist, bewies das Auswärtsspiel in Köln. Dort indes zeigt Podolski bei seinem 30minütigen Auftritt, was ihn auszeichnet. Tempofußball, Spielwitz und Einsatz. Eigentlich müsste er mit diesen Qualitäten einen Platz neben Luca Toni sicher haben. Eigentlich! Denn Trainer Jürgen Klinsmann hat zuletzt unmissverständlich erklärt, dass er Podolski nur in der Position des Herausforderers sehe. Eine Herausforderung, die auch für Podolski zu viel des Guten sein könnte, wenn man ihm – wie bisher – keine faire Chance gibt.

2.    Podolski verlässt die Bayern – allerdings nicht in Richtung Köln. Denn mit seinem Talent ist Podolski bei einem Verein wie dem 1. FC Köln nicht richtig aufgehoben. Der FC wird in den kommenden Jahren – entgegen der Auffassung einiger euphorischer Fans – nicht international spielen und stattdessen zumeist gegen den Abstieg kämpfen. Keine Perspektive für einen Klasse-Spieler wie Podolski. Real Madrid ist ebenfalls keine Alternative. Die Wahrscheinlichkeit, hier zum Stammspieler zu werden, ist noch geringer als bei den Bayern. Für Podolski kann das nur heißen, einen Verein zu finden, der auf internationalem Parkett agiert, aber eben doch nicht so hochklassig ist, dass er hier auf der Ersatzbank versauert. Werder Bremen könnte ein solcher Club sein, wenngleich auch die Konkurrenz im Sturm groß ist. In jedem Fall dürfte die Suche nach dem geeigneten Verein nicht leicht werden.

Es wäre jedoch keine Überraschung, wenn Podolski letztendlich doch nach Köln zurückkehrt. Die überwältigende Zuneigung, die er in Köln erfährt, hat Züge einer Heldenverehrung und kann den 23Jährigen nicht kalt lassen. Eine ganze Stadt sehnt sich nur nach ihm. Wenn Podolski auf sein Herz hört, kann es ihn nur nach Köln ziehen. Da werden auch die Bayern über kurz oder lang nicht dran vorbeikommen. Menschlich wäre diese Wahl absolut nachvollziehbar, sportlich wäre sie aber eine Fehlentscheidung.