Absurd

15. Februar 2016

Fußball ist ein einfacher Sport. Simpel, leicht verständlich, etwas für den kleinen Mann. Zu kompliziert darf es nicht werden, weshalb man vor größeren Veränderungen des Regelwerks regelmäßig zurückschreckt. Und das mag dann auch irgendwie der Grund sein, weshalb man weiterhin von einer Einführung des Videobeweises absieht. In der Tat gibt es schlagkräftige Einwände gegen den TV-Beweis im Fußball (Spielunterbrechungen, Abgrenzung zwischen überprüfbaren und nicht überprüfbaren Entscheidungen); doch sich ganz und gar einer technischen Lösung zu verschließen, erscheint nicht mehr zeitgemäß. Jedenfalls einen (vorsichtigen) Versuch kann man starten.

Was jedenfalls nicht passieren darf, ist das, was sich am 30. Januar in Dortmund zugetragen hat. Da zeigte die über die Videoleinwand eingespielte Wiederholung, dass Aubameyangs Treffer aufgrund einer Abseitsstellung irregulär war. Schiedsrichter Winkmann nahm davon Kenntnis, konnte seine Entscheidung aber nicht mehr revidieren, weil er es nicht durfte. Alle hatten es gesehen, aber keine konnte das Unheil verändern, weil es das Regelwerk sollte. Fußball ist eben nicht nur ein einfacher, sondern auch absurder Sport.

Reden reden reden

8. Februar 2016

Auch ich finde, dass es manchmal nicht schaden kann sich zu empören. Laut zu werden, sich aufzuregen, die eigene Unzufriedenheit einmal ganz emotional kundzutun. Das muss ab und an einfach mal sein. Weil es zur menschlichen Natur dazugehört, weil es vielleicht auch Teil unserer Demokratie.

Doch im Moment haben wir eines ganz sicher nicht: Einen Mangel an Aufgeregtheit und Unsachlichkeit. In der aktuellen Flüchtlingsdiskussion steckt jede Menge Empörung und Polemik, dafür viel zu wenig Sachlichkeit und Problemorientiertheit. Es wird gestritten, geschimpft, zugespitzt, angestachelt und nur selten etwas beigetragen, was uns inhaltlich wirklich weiter voranbringt.

Dieser Vorwurf gilt in allererster Hinsicht der unsäglichen AfD und ihren „natürlichen Verbündeten“ von Pegida. Was von dieser Seite geäußert wird, ist einfach nur widerwärtig und ekelerregend und trägt nichts, aber auch gar nichts dazu bei, die Situation besser in den Griff zu kriegen. Ob die Forderung nach einem Schießbefehl an der Grenze oder die Hetze gegen Ausländer, Politik und Medien – die Agitation rechtspopulistischer Fremdenhasser hat nur eine Wirkung: Das Klima in diesem Land weiter zu vergiften.

Doch auch die populistischen Forderungen aus manchen Teilen der Politik helfen uns nicht weiter. Der verzweifelte Ruf nach einer Obergrenze, deren praktische Umsetzung genauso zweifelhaft ist wie ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, bringt uns nichts. Symbolpolitik, die sich nur an den Befindlichkeiten der Wähler orientiert, nützt wenig, wenn sie keine praktischen Folgen zeitigen kann.

Unserer Bundeskanzlerin kann man dieser Tage wahrlich keinen Populismus vorwerfen. Ganz anders als in den ersten zehn Jahren ihrer Kanzlerschaft stellt sie sich gegen den Strom und bleibt bei ihrer Flüchtlingspolitik. Das imponiert mir genauso wie ihr zuversichtliches Mantra. Wir schaffen das, ja – aber wie? Hierin liegt der Vorwurf, den sich Angela Merkel gefallen lassen muss. Sie hat eine Losung ausgegeben, ohne bislang ein schlüssiges Konzept zu deren Umsetzung vorzulegen. Eine klare Strategie, ein Plan, sind nach wie vor nicht zu erkennen. Das dauernde Beschwören „einer spürbaren und nachhaltigen“ Verringerung der Flüchtlingszahlen hilft uns nicht weiter, nervt aufgrund seiner regelmäßigen Wiederholung nur noch.

Insofern gilt der fromme Wunsch an alle Verantwortungsträger: Weniger schwadronieren, weniger polemisieren, sondern sachlich, problemorientiert reden, am besten miteinander, oder noch besser: Handeln! Konzepte vorlegen und abarbeiten. Eine Integrationsagenda zum Beispiel. Oder einen Flüchtlingsplan für Europa. Ich weiß, das alles ist theoretisch sehr viel einfacher gesagt als praktisch getan. Aber das dauernde Gerede (nicht zuletzt in den Talkshows) führt nicht weiter, wenn in der Realität nichts passiert.

Ach ja, eines noch: Wir reden immer gerne von dem Flüchtlingsproblem und meinen damit die Herausforderungen, die der Zuzug von hunderttausenden/Millionen Flüchtlingen für Deutschland bedeutet. Doch dabei sollten wir uns immer eines vor Augen führen: Das größte Problem haben immer noch die Flüchtlinge, die aus Angst vor Krieg und Verfolgung ihr Land verlassen und eine beschwerliche, mitunter menschenunwürdige Reise aufzunehmen, nur in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in einem fremden Land fernab der Heimat.

Nicht mit mir

1. Februar 2016

Bei allem, was an Schlimmem und Inakzeptablem in diesem Land geschieht, gibt es doch immer wieder Vorfälle, die einen besonders ungläubig und atemlos machen. Eine Liste oder gar eine Rangliste der Abartigkeiten aufzustellen, verbietet sich natürlich. Aber ich persönlich bin stets auf Neue erschreckt und angewidert, wenn ich von den leider weiter zunehmenden antisemitischen Vorfällen höre. Wenn Juden sich (hierzulande) beschimpfen, bespucken, beleidigen lassen müssen, dann ist das ein Zustand, der mich besonders betroffen macht und den ich nicht bereit bin hinzunehmen.

Um eines klarzustellen: Ich lehne jedwede Verunglimpfung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe ab, halte Fremdenfeindlichkeit und Rassismus für eines der schlimmsten Übel unserer Welt. Und dennoch macht es mich doch auf ganz besondere Weise betroffen, wenn jüdische Menschen diffamiert und ausgegrenzt werden. Wenn Menschen, deren Familien die perverseste und widerwärtigste Form der Verfolgung haben erfahren müssen, heute wieder an den Rand der Gesellschaft gestellt werden, dann ist das gleichsam traurig wie schrecklich. Dass Juden sich aus Angst vor Gewalt nicht mehr trauen, ihre Kippa zu tragen, und sich „Heil Hiltler“-Zurufe gefallen lassen müssen, darf niemandem egal sein und nicht zur Gewohnheit werden.

Zur Wahrheit gehört es dabei leider auch, dass der latent bestehende Antisemitismus von einigen Zuwanderern aus dem arabischen Raum weiter befördert wird. Es ist kein Geheimnis, dass in einigen arabischen Ländern der Staat Israel und die Juden insgesamt als Feindbild betrachtet werden. Es gehört daher zur zu leistenden Integrationsarbeit, etwaige Ressentiments gegenüber Juden hier in Deutschland nicht zu tolerieren.

Vor allem aber ist es an der Zeit, Zeichen zu setzen. Zeichen, die klarmachen, dass uns der fortschreitende Antisemitismus nicht gleichgültig ist, sondern uns besorgt macht und dass wir nicht bereit sind, diese Entwicklung einfach hinzunehmen. Und wenn es auch nur in Form eines einfachen Statements ist:

Antisemitismus - nicht mit mir.